Sind sich uneins über den richtigen Standort für die neu zu bauende Brücke in Staffel über die Lahn: die Parteivorsitzenden Jens Fluck (SPD, links) und Gerhard Stamm (CDU).
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Sind sich uneins über den richtigen Standort für die neu zu bauende Brücke in Staffel über die Lahn: die Parteivorsitzenden Jens Fluck (SPD, links) und Gerhard Stamm (CDU).

Debatte

Streitgespräch: Wo soll die neue Lahnbrücke im Stadtteil Staffel hin?

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Zwei Lokalpolitiker aus Limburg - ein SPD- und ein CDU-Mann - treffen sich zur Frage: Wo soll die neue Lahnbrücke im Stadtteil Staffel hin?

  • Limburg soll imStadtteil Staffel eine neue Brücke über die Lahn erhalten.
  • Wo diese einmal stehen soll, darüber wird viel gestritten.
  • Die FNP hat zwei Lokalpolitiker zum Streitgespräch geladen.

Beide Männer wohnen in Staffel und machen sich Gedanken um die Zukunft ihres Stadtteils. Beide schätzen sich, sind aber komplett anderer Auffassung, wenn es darum geht, an welcher Stelle die Lahnbrücke in Staffel neu gebaut werden soll. 

Die Brücke ist so marode, dass sie schon jetzt alle sechs Monate auf ihre Standfestigkeit hin geprüft werden muss. Der SPD-Vorsitzende von Staffel, Jens Fluck (SPD), setzt sich mit seiner Partei für einen Neubau an gleicher Stelle ein. Der CDU-Vorsitzende Gerhard Stamm favorisiert mit seinen Parteifreunden in Staffel allerdings eine andere Lösung. Diese Zeitung hat die beiden Politiker zum Streitgespräch in die Redaktion eingeladen, aufgezeichnet von Redakteur Stefan Dickmann.

GERHARD STAMM: Also zunächst einmal möchte ich betonen, dass der Vorschlag von Landrat Michael Köberle (CDU) - Neubau der Lahnbrücke in Höhe des Umspannwerks, der ursprünglich von seinem Vorgänger Manfred Michel stammt - nicht der Vorschlag der Staffeler CDU ist! 

Wir wollen etwas anderes: Uns ist es wichtig, die Brücke an der richtigen Stelle neu zu bauen. Das heißt, an der Stelle, wo die jetzige Brücke beginnt. Die Zufahrt würde lahnabwärts verschwenkt, und es gäbe eine Lahnquerung mit einem Pfeiler auf der Lahninsel, so dass die Brücke auf direktem Weg auf die Diezer Straße führt. 

Sie mündet aber nicht, wie beim Vorschlag des Kreises direkt vor dem Umspannwerk, sondern weiter nördlich. Das ermöglicht zu einem späteren Zeitpunkt einen Lückenschluss an die Landstraße Richtung Görgeshausen. Das wäre dann irgendwann eine Teilortsumgehung, von der ganz Staffel profitieren würde. Bei dem Vorschlag des Kreises wäre ein direkter Lückenschluss nicht möglich.

JENS FLUCK: Lieber Gerhard, bei allem Respekt, die Lahninsel ist etwas Besonderes und deshalb vor wenigen Jahren für viel Geld renaturiert worden. Meines Wissens nach handelt es sich dabei sogar um eine Ausgleichsmaßnahme für die Schaffung eines großen Gewerbegebiets in Offheim. Da darf die Lahninsel für den Bau einer neuen Brücke nicht einfach platt gemacht werden!

Streitgespräch zur Lahnbrücke in Limburg: Brückenpfeiler wäre Beeinträchtigung für die Lahninsel

GERHARD STAMM: Das würde ja auch gar nicht geschehen. Betroffen wäre nur die Nordspitze der Lahninsel, wo ein einziger Brückenpfeiler stehen würde, der große Rest bliebe unberührt. Im Übrigen war die Lahninsel früher nichts anderes als eine Furt.

JENS FLUCK: Aber auch nur ein Brückenpfeiler wäre eine wesentliche Beeinträchtigung für die Lahninsel. Der Vorschlag der Staffeler CDU ist nicht realistisch! Bei Deiner Brückenplanung ist es nicht mit einem Brückenpfeiler getan, der renaturierte Altarm der Lahn und die Insel sind einzigartig auf dem gesamten Limburger Stadtgebiet und würden deutlich beeinträchtigt.

GERHARD STAMM: Du hast nur wegen der Lahninsel Bedenken?

JENS FLUCK: Nein, nicht nur deswegen. Auch wegen des dann neuen Knotenpunkts an der Diezer Straße. Das ist hochproblematisch - sowohl der Vorschlag des Landkreises als auch der Vorschlag der Staffeler CDU. Denn wie fahren die Autofahrer, die die Lahn auf der neuen Brücke überquert haben, aber Richtung Görgeshausen, Nentershausen und Montabaur wollen? Die fahren dann, um auf die Koblenzer Straße zu kommen, direkt durch die Hans-Wolf-Straße, eine reine Anwohnerstraße, die für einen direkten Durchgangsverkehr nicht geeignet ist. Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn!

GERHARD STAMM: Zusätzlicher Verkehr in der Hans-Wolf-Straße ließe sich nicht vermeiden, aber was ist mit den anderen Staffelern? Denen, die schon jetzt unter dem Verkehr leiden, und zwar in der Diezer Straße in Fortsetzung der jetzigen Lahnbrücke und in der Koblenzer Straße - die würden vom Verkehr entlastet.

Lahnbrücke in Limburg: Verkehrsgutachten sei eindeutig

JENS FLUCK: Du bekommst eine Teilortsumgehung nicht so ohne weiteres durch! Eine Straße Richtung Texelhof, um einen Anschluss an die Landstraße nach Görgeshausen zu schaffen, muss doch erst einmal geplant und genehmigt werden.

Das dauert sehr lange - viele, viele Jahre. Und um das genehmigt zu bekommen, müsste es eine massive Entlastung des Durchgangsverkehrs in Staffel geben und den sehe ich bei diesen Vorschlägen nicht. Die Verkehrsgutachten, die Teil der Magistratsvorlage sind, zeigen eindeutig, dass mit einer Teilortsumgehung durch das Schirlinger Feld und durch die Staffeler Berge keine spürbare Entlastung der Anwohner der gesamten Koblenzer Straße verbunden wäre und das Naherholungsgebiet Staffeler Berge deutlich beeinträchtigt würde. Das lehnt die Staffeler SPD entschieden ab.

GERHARD STAMM: Nur der Vorschlag der Staffeler CDU schafft die Option für eine direkte Anbindung an die Straße nach Görgeshausen. Und der wichtigste Baustein dafür ist der Bau der Staffeler Brücke an der richtigen Stelle - und das ist nun mal nicht der jetzige Standort. 

Der Vorschlag des Landkreises, in Höhe des Umspannwerks Richtung Aull die neue Lahnbrücke zu bauen, ergibt keinen Sinn, weil dann ein direkter Anschluss an die Landstraße nicht möglich wäre.

JENS FLUCK: Bei den Vorschlägen der Landräte sehen wir - neben der Verkehrsproblematik - ein großes Problem darin, dass die Zufahrt zu der Brücke in Höhe des Umspannwerks durch ein Überschwemmungsgebiet verläuft. Das heißt, die Zufahrt müsste auf einem Damm oder auf Stelzen gebaut werden, und das beeinträchtigt massiv das für Staffel so wichtige Naherholungsgebiet im Schirlinger Feld.

Lahnbrücke in Limburg: CDU schlägt Trassenführung vor

GERHARD STAMM: Deshalb schlägt die Staffeler CDU ja auch eine andere Trassenführung vor, weil es dann deutlich weniger Flächenverbrauch im Schirlinger Feld gäbe. In einem zweiten Schritt gäbe es einen Lückenschluss, der die Teilortsumgehung schaffen würde.

 Der dritte Schritt könnte eine sogenannte Westumgehung sein, die eigentlich eine Nordumgehung von der Limburger Kernstadt wäre, also eine direkte Straßenverbindung zwischen Rheinland-Pfalz und dem Staffeler Dreieck, an der Bahnlinie entlang geführt, um dann am Staffeler Dreieck über die B 8 auf die A 3 zu kommen.

JENS FLUCK: Wir brauchen uns doch nur anzuschauen, wie lange in Limburg schon über eine Südumgehung gesprochen wird. Das sind Jahrzehnte! Und wir sind weit von einer Umsetzung entfernt. Die Staffeler SPD möchte sich mit etwas Konkretem beschäftigen. Und das ist der Neubau der Lahnbrücke, der ja auch kommen muss, weil die Brücke nicht mehr saniert werden kann. 

Und da folgen wir der Empfehlung des Magistrats. Die ist eindeutig: Sinn ergibt nur ein Neubau an gleicher Stelle! Und was eine Westtangente betrifft: Die Bürger in Neustaffel werden sich bedanken, wenn direkt vor ihrer Tür eine Umgehungsstraße verläuft. Nein, wir lehnen das ab! Auch deshalb, weil eine Westtangente am Fuße des Schafsbergs eine massive Beeinträchtigung der Naherholungsgebiete Schafsberg und Schirlinger Feld bedeutet.

Lahnbrücke in Limburg: Stadtverordnete fassen seltsamen Beschluss

Wie geht es nun weiter mit dem dringend geplanten Neubau der Staffeler Lahnbrücke? Die Stadtverordneten haben in ihrer jüngsten Sitzung mit den Stimmen von CDU und FDP einen etwas seltsamen Beschluss gefasst: Die politische Mehrheit sagt Nein zu einem Neubau der Staffeler Brücke am derzeitigen Standort, hat aber nicht beschlossen, wo sie stattdessen neu gebaut werden soll. Die Brücke baut und zahlt der Landkreis - die geschätzten Kosten betragen rund vier Millionen Euro - aber der Landkreis will offenkundig nicht gegen den Willen der Stadt Limburg bauen.

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) empfiehlt Landrat Michael Köberle (CDU) in einem Brief, "die Brücke in unmittelbarer Nähe zum alten Standort in Abstimmung mit der Denkmalpflege neu zu errichten, eine attraktive Rad- und Fußwegeverbindung zwischen Staffel und der Kernstadt vorzusehen und die Stadt Limburg am Planungsverfahren zu beteiligen", teilt Stadtsprecher Johannes Laubach mit. Nach Einschätzung des Limburger Magistrats sei eine großräumige Verkehrslösung derzeit nicht erkennbar und realisierbar.

Nach Angaben des Limburger Bürgermeisters entscheiden die Gremien der Stadt nicht über einen Neubau und einen damit verbundenen Standort, sondern geben gegenüber dem Landkreis lediglich eine Empfehlung ab. "Unsere Empfehlung orientiert sich an dem, was wir als machbar einschätzen", sagt Hahn und weist auf die gebotene Eile hin, denn der bereits in Vorbereitung befindliche Neubau der Lichfieldbrücke (derzeit angedacht ab 2022) sollte nicht zeitgleich stattfinden.

Lahnbrücke in Limburg: CDU-Fraktion in Brückenfrage gespalten

Die CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ist in der Brückenfrage gespalten. Vor der Sitzung des Ausschusses sprach sich eine knappe Mehrheit für den Neubau an gleicher Stelle aus. Die recht große Minderheit favorisiert den alternativen Vorschlag des Landkreises, die Brücke an anderer Stelle zu bauen. Die CDU-Fraktion schlug im Ausschuss deshalb einen Kompromiss vor: Bau der neuen Brücke an gleicher Stelle, mit der Option, zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt die dann wieder neu zu bauende Brücke an anderer Stelle errichten zu können.

Das lehnte die SPD-Fraktion strikt ab, im Ausschuss selbst gab es dafür keine Mehrheit. Das wurmte die CDU-Fraktion so sehr, dass sie in der Stadtverordnetenversammlung ihre mehrheitliche Zustimmung zum Brückenneubau an gleicher Stelle geschlossen zurückzog und dagegen stimmte. Das reichte mit den Nein-Stimmen der FDP für eine Ablehnung.

Der Staffeler CDU-Vorsitzende Gerhard Stamm ist vorsichtig optimistisch, die Stadt-Fraktion der CDU noch von seinem Vorschlag überzeugen zu können. Der Staffeler SPD-Vorsitzende (und Stadtverordnete) Jens Fluck würde sich im Falle eines solchen Beschlusses der Stadtverordneten auf ein großes Wahlkampfthema seiner Partei einstellen: Im März 2021 werden in Hessen die neuen Kommunalparlamente gewählt.

Von Stefan Dickmann

Die Staffeler bekommen eine neue Lahnbrücke - am bisherigen Standort. Die CDU in Limburg ist letztlich dafür, tut sich aber schwer damit, und die SPD, die das immer wollte, wirkt trotzdem nervös.

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