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Staus am Elzer Berg sind leider keine Seltenheit. Viele Auto- und Lkw-Fahrer nutzen dann ausgerechnet die Limburger Innenstadt als Ausweichstrecke, die unter zu hohen Stickstoffdioxid-Werten leidet, die durch Dieselabgase entstehen.

Unterschiedliche Ansichten

Streit zwischen Land Hessen und Stadt: Sorgt Stau auf der A3 für mehr Verkehr in Limburg?

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Die Stadt Limburg setzt auf elektronische Hinweistafeln auf der A3, damit Autofahrer und Lkw-Fahrer bei einem Stau nicht mehr abfahren und die Innenstadt mit ihren Abgasen zusätzlich belasten. Das Umweltministerium in Wiesbaden hält davon allerdings gar nichts.

Limburg - Wenn von einer „gefühlten Wahrheit“ die Rede ist, heißt das: Die Wirklichkeit ist ganz anders; es ist das eigene Gefühl, das als wahr empfunden wird. Das Umweltministerium in Wiesbaden hat nun im Kern festgestellt, dass viele Limburger sich einer solch gefühlten Wahrheit hingeben, wenn sie tatsächlich glauben, ein Stau auf der A3 habe negative Auswirkungen auf den Verkehr in der Innenstadt.

Wie aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage des heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Tobias Eckert hervorgeht, „konnten keine Zusammenhänge zwischen den Störereignissen auf der BAB3 und einer etwaigen erhöhten Verkehrsbelastung auf der Schiede festgestellt werden“. Mit „Störereignissen“ meint das Ministerium Staus.

Die Stadt Limburg wundert sich über diese Aussage und kommt zu einer vollkommen anderen Einschätzung, der Landtagsabgeordnete Eckert zeigt sich verärgert über die Antwort und äußert „absolutes Unverständnis“.

A3 bei Limburg: Land Hessen glaubt nicht, dass Staus Auswirkungen auf Innenstadt-Verkehr haben

Das Ministerium beruft sich mit dieser in der Tat für viele Limburger überraschenden Erkenntnis auf eine Verkehrsuntersuchung im ersten Quartal dieses Jahres, bei der Unfälle und Behinderungen auf der A 3 zwischen Montabaur und Bad Camberg mit den Auswirkungen auf den Durchgangsverkehr in der Innenstadt (B 8/B 54) untersucht wurden - mit Hilfe einer Verkehrszählschleife an der Schiede.

„Dass Stauereignisse auf der A3 keine Auswirkungen auf den Verkehr der Innenstadt haben, halten wir so nicht für haltbar“, teilt der Sprecher der Stadt Limburg, Johannes Laubach, auf Anfrage mit. Die Schiedekreuzung sei auch ohne Staus auf der A3 an verschiedenen Tageszeiten überlastet. Deshalb würden bei Autobahnstaus und einer Mehrbelastung auf dieser Verkehrsachse „nicht unbedingt viel mehr Fahrzeuge die Schiedekreuzung passieren“, weil es im stehenden oder zähfließenden Verkehr nur sehr langsam vorwärtsgehe, erklärt Laubach.

So sieht es dann am Schiede-Tunnel aus, wenn die A 3 dicht ist. Kurz vor der Ampel an der Karstadt-Kreuzung (im Hintergrund) steht die Luftmessstation.

Hintergrund von Eckerts Anfrage ist die Idee, an der Autobahn bei Limburg eine elektronische Anzeigetafel aufzustellen, die das Abfahren unterbinden soll. Eckert hat dabei vor allem Lkw im Blick. Aber auch da winkt das Umweltministerium ab, denn der Anteil der Emissionen durch den Lkw-Verkehr an der Schiedekreuzung liege nur bei knapp neun Prozent der Stickstoffdioxid-Emissionen. Es sind vor allem die Werte dieses durch Dieselabgase entstehenden Atemgifts, die in der Innenstadt zu hoch sind. Die Stadt sieht sich deshalb der Gefahr von Dieselfahrverboten in Limburg ausgesetzt.

In Limburg (Hessen) teilt man die Einschätzung des Ministeriums zur Autobahn A3 nicht

Der Verwaltungsgerichtshof Kassel entscheidet darüber im Laufe des nächsten Jahres. Auf der Anklagebank sitzt sozusagen der Luftreinhalteplan für Limburg - aufgestellt vom Umweltministerium in Wiesbaden.

Ein großer Befürworter eines Verbots des Umleitungsverkehrs durch die Limburger Innenstadt bei Stau auf der A3 ist auch der ehemalige Umweltstaatssekretär und Limburger Karl-Winfried Seif (CDU). „Die Schadstoffbelastung bei dieser Verkehrssituation ließ sich erheblich vermindern, wenn auf der A3 durch Vorwegweiser darauf hingewiesen würde: Bei Stau keine Durchfahrt durch die Innenstadt, lediglich Anlieger dürfen die Abfahrt Limburg-Süd und -Nord nutzen“, schrieb Seif schon im vergangenen Jahr unter anderem an Eckert mit der Bitte, initiativ zu werden.

A3 bei Limburg (Hessen): Ein konkretes Konzept steht noch aus

Die Stadt Limburg weist darauf hin, dass diese Idee „seit einiger Zeit Bestandteil eines großräumigen Konzepts zur Beschilderung mit dynamischen Informationstafeln“ sei. Dieses Konzept werde von der Stadt im Rahmen des Green City Plans verfolgt „und übrigens auch mit Bundesmitteln gefördert“, teilt der Sprecher der Stadt mit. Dabei seien Anzeigen an der Autobahn nur ein Aspekt von mehreren. Wie eine Beschilderung konkret umgesetzt werde, sei noch zu entwickeln. Aber: „Nach unserer Einschätzung gehören die Stauereignisse auf der A 3 dazu“, teilt Laubach weiter mit.

Die Stadt wundert sich noch aus einem anderen Grund über die Einschätzung des Umweltministeriums. „Völlig außer Acht gelassen werden von dem Ministerium die Nebenstrecken. Dazu zählen die Wiesbadener Straße, die Zeppelinstraße, Holzheimer Straße, Grabenstraße, Industriestraße und gegebenenfalls noch einige Ortsdurchfahrten“, teilt Laubach mit. Bei Stau werde zwar die Hauptachse durch den von der A 3 kommenden Verkehr genutzt, aber die Ortskundigen wichen auf die Nebenstrecken aus.

VON STEFAN DICKMANN

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