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Antje Ludwig.

Corona-Krise

Steigt häusliche Gewalt in der Krise? Frauenhaus  ist gewappnet

Ist das Frauenhaus Limburg auf vermehrte häusliche Gewalt vorbereitet? Kerstin Kaminsky sprach mit Antje Ludwig vom Vorstand des Trägervereins Frauen helfen Frauen e.V.

Die wichtigste Frage zuerst: Sind die Mitarbeiterinnen und die Bewohnerinnen des Frauenhauses gesund?

Ja, zum Glück ist bis jetzt alles im grünen Bereich.

Experten befürchten, dass die aktuelle Krise zu mehr häuslicher Gewalt führt. Ist davon bereits etwas zu merken?

Nein, noch nicht. Aber wir machen uns nichts vor - es wird kommen. Natürlich wäre es schön, wenn die Prognosen falsch sind und dieser Kelch an uns vorübergeht.

Trotzdem klingelt das Telefon in der Beratungsstelle ohne Unterlass. Was sind denn die dringendsten Fragen der Anruferinnen? Ist da ein Zusammenhang mit der Pandemie erkennbar?

Die meisten Anrufe drehen sich um die alltäglichen Sorgen und Probleme unserer Bewohnerinnen. Wenn sie z.B. ein amtliches Schreiben nicht richtig verstehen, wenn es um irgendwas beim Job-Center geht, das derzeit nur nach telefonischer Absprache erreichbar ist oder wenn ein Kind erkrankt. Eine der Frauen hatte z.B. gerade den Umzug in eine eigene Wohnung geplant und wurde dann von den widrigen Gegebenheiten ausgebremst.

Im Limburger Frauenhaus wohnen derzeit etwa 20 Personen und damit ist die Kapazität erschöpft. Wie bereitet sich der Verein auf eine möglicherweise steigende Nachfrage vor?

Wir haben ganz viel rumtelefoniert, um zusätzliche Unterkünfte zu finden. Außerdem bekommen wir große Unterstützung von Vize-Landrat Jörg Sauer sowie von den beiden Frauenbeauftragten, Carmen von Fischke von der Stadt Limburg und Ute Jungmann-Hauf vom Kreis.

Welche Erfolge haben Sie schon erzielt?

Eine Familie hat uns beispielsweise ihre Ferienwohnung zur Verfügung gestellt und auch Hotels haben sich bereiterklärt, im Notfall Frauen und Kinder aufzunehmen.

Die Wohnverhältnisse im Frauenhaus sind ja ziemlich beengt. Wie gehen die Bewohnerinnen mit der Auflage zum Abstandhalten um?

Die Frauen sind sehr verständnisvoll und halten sich weitgehend an die Vorgaben. Die Stimmung ist Haus ist ungetrübt, auch wenn natürlich der Gemeinschaftsraum nicht mehr so genutzt wird. Es ist schön zu sehen, wie solidarisch die Frauen miteinander umgehen und wie sie sich gegenseitig unterstützen.

Mehr als die Hälfte der Betten sind von Kindern belegt. Die können jetzt nicht zur Schule, nicht zur Kita, nicht zum Spielplatz. Welche Maßnahmen gibt es gegen den "Lagerkoller"?

Wir haben zusätzliche Spiel- und Malsachen angeschafft, um den Kindern insbesondere in den Ferien die Situation erträglicher zu machen. Während der Schulzeit bekamen wir die Aufgaben von der Schule in die Beratungsstelle gemailt und brachten sie dann rüber in das Schutzhaus.

Erfährt das Frauenhaus in der aktuellen Situation besondere Unterstützung?

Ja, es gibt immer wieder nette Begebenheiten. So spendete uns zum Beispiel gerade der Lions Club sehr schöne selbstgenähte Masken, mit denen wir nun unsere Bewohnerinnen und das ganze Team ausstatten konnten.

Wenn eine Frau anruft und um Unterbringung im Frauenhaus bittet, wie geht es dann weiter?

Zunächst vereinbaren wir Ort und Zeit, um die Anruferin abzuholen. Im Gespräch geht es zunächst darum, dass die Frau von ihren Gewalterfahrungen erzählen kann. Dann werden die wichtigsten organisatorischen Dinge in die Wege geleitet und alle Fragen beantwortet. Nach dem Aufnahmegespräch bekommt die Frau das Schutzhaus gezeigt und wird den anderen Frauen vorgestellt.

Sollten Nachbarn etwas unternehmen, falls sie das Gefühl haben, dass es nebenan zu häuslicher Gewalt kommt?

Es ist gut und richtig, dass gerade jetzt die Aufmerksamkeit für unsere Mitmenschen wächst. Allerdings wäre es falsch, wenn man bei vermuteter häuslicher Gewalt direkt eingreift. Besser ist es, die Polizei zu rufen.

Frauenhaus, Tag und Nacht erreichbar: (0 64 31) 23 200.

INFO

Die Beratungs- und Präventionsstelle "Gegen unseren Willen" hat ihre Veranstaltungen bis Ende April absagen müssen, ist aber weiter für Betroffene da: "anonym, zeitnah und kostenfrei", wie es in einer Mitteilung heißt. Telefonisch montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags und mittwochs von 13 bis 16 Uhr. (0641) 92 343). E-Mail: kontakt@gegen-unseren-willen.de.

Individuelle Beratungsgespräche sollten vorher vereinbart werden. Gerade in der momentanen Krisensituation, in der die häusliche und sexuelle Gewalt zunehme, sei es wichtig, das Angebot aufrecht zu erhalten, wenn auch notgedrungen in eingeschränkter Form. Die offene Sprechstunde mittwochs um 14 bis 16 Uhr entfällt vorerst.

Nähere Informationen unter www.gegen-unseren-willen.de.

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