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Die Erstklässler lernten auch, wie sie sich an einer Fußgängerampel und auf einem Überweg richtig verhalten. 

Verkehr

Mehr Sicherheit auf dem Schulweg: Abc-Schützen trainieren Verhalten im Straßenverkehr

In vielen Grundschulen des Landkreises Limburg-Weilburg erfahren Erstklässler, wie sie sich im Verkehr verhalten sollen. Lehrer, Schulamt und ADAC wollen etwas für die Sicherheit der Kinder tun.

Limburg-Weilburg - Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Das sorgt regelmäßig für Verkehrschaos - und für Gefahr. Außerdem schadet die oft unnötige Nutzung der Fahrzeuge der Umwelt, und die Kinder lernen nicht, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten müssen. Die Grundschulen des Landkreises, das Staatliche Schulamt und der ADAC wollen deshalb, dass mehr Schüler zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Unterricht kommen.

Die Atzelschule in Bad Camberg bietet jährlich ein Projekt an, damit sich schon die Jüngsten mit den Verkehrsregeln auseinandersetzen. "Es ist wichtig, dass die Schulkinder von Anfang an in den Verkehr eingebunden werden. Wir wollen, dass möglichst viele Jungen und Mädchen zur Schule laufen", sagt Schulleiterin Anne Sandner. Damit sie aber nicht komplett ahnungslos den Fußweg in die Grundschule antreten, bekommen die Erstklässler jedes Jahr vom Schulelternbeiratsvorsitzenden Christian Lottermann ein Verkehrssicherheitstraining.

Der Besitzer einer Fahrschule möchte sein Wissen an die Jungen und Mädchen weitergeben; den Trainingstag für die Abc-Schützen hat er zum siebten Mal geleitet. "An vielen Schulen beginnt die Verkehrserziehung erst mit der Fahrradprüfung in der vierten Klasse. Wir sind der Meinung, dass dies viel zu spät ist", sagt Lottermann.

Verkehr in Limburg-Weilburg: Schulwegplan ist Pflicht

Dirk Fredl vom Staatlichen Schulamt des Landkreises Limburg-Weilburg begrüßt die Aktion der Bad Camberger Schule. "Es ist sehr erfreulich, dass sich der Elternbeirat an dieser Stelle engagiert und damit auch ein Zeichen setzt", sagt er. Darüber hinaus seien die Schulen verpflichtet, mindestens für die Jahrgangsstufen eins bis sieben einen Schulwegplan zu erstellen. Dabei handele es sich um eine Darstellung, in der die sichersten Strecken empfohlen werden. "Mehr Schulwegsicherheit und weniger individuelle Autotransporte sind generell eine gute Idee", meint Fredl.

Auch der ADAC Hessen-Thüringen möchte, dass die Jungen und Mädchen möglichst zu Fuß zur Schule gehen. "Grundsätzlich ist es das Beste, wenn Schulkinder den vorher erlernten Schulweg zu Fuß oder nach bestandener Radfahrprüfung mit dem Fahrrad zurücklegen", rät Wolfgang Herda, Verkehrsexperte beim ADAC Hessen-Thüringen. "Ist dies aufgrund eines zu weiten Schulwegs nicht möglich, sollten Eltern ihre Kinder zumindest ein paar hundert Meter vor dem Schultor absetzen. Durch die Bewegung wird der Kreislauf der Kinder angekurbelt, was im Unterricht für bessere Konzentration sorgt." Für Eltern, die ihre Töchter und Söhne nicht alleine zur Schule gehen lassen wollen, bestünde die Möglichkeit eines "Fußbusses". "Eine kleine Gruppe Kinder wird dabei von einem Erwachsenen zu Fuß begleitet."

Verkehrserziehung in vielen Grundschulen in Limburg-Weilburg

Eine frühe Verkehrserziehung gibt es auch in vielen weiteren Grundschulen im Landkreis. "Bei uns laufen die Klassenlehrer gemeinsam mit den neuen Schülern die Straßen um die Schule ab", erklärt die Schulleiterin der Limburger Erich-Kästner-Schule, Eveline Hannappel. Außerdem animiere man immer wieder die Eltern dazu, ihre Kinder zu Fuß zur Schule zu schicken oder sie einige hundert Meter davor abzusetzen, um so Verkehrschaos zu vermeiden. "Wir haben bereits das Ordnungsamt informiert und um Kontrollen gebeten, da vor dem Schulgebäude regelmäßig kreuz und quer geparkt wird", sagt Hannappel.

In der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn gibt es die Aktion "Sicherer Schulweg". Der stellvertretende Schulleiter Dietmar Langusch erklärt: "Die Kinder bekommen in einem Theorie- und einem Praxisteil die wichtigsten Regeln im Straßenverkehr beigebracht." Verkehrsprobleme gebe es kaum, da an der Europaschule eine "Bring- und Holzone" ausgewiesen sei.

In der Herzbergschule in Hadamar gibt es eine Unterrichtseinheit zum Thema Verkehrssicherheit. "Diese findet im Fach Sachkunde statt und wird von den Klassenlehrern durchgeführt", sagt die stellvertretende Schulleiterin Melanie Müller. Ihr missfällt das Parken von Eltern auf den Lehrerparkplätzen. In der Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters steht das Thema ebenfalls im Sachunterricht auf dem Stundenplan. "Die Lehrkräfte werden dabei von Vertretern des ADAC unterstützt", berichtet Grundschulleiterin Bianca Flauger.

Die Parksituation habe sich in den vergangenen Wochen deutlich verbessert, da in den Sommerferien eine "Hol- und Bringzone" vor der Sporthalle eingerichtet wurde.

Urberacher Grundschule: Elterntaxis gefährden Straßenverkehr - und ihre eigenen Kinder

Alle befragten Lehrer hoffen, dass künftig mehr Kinder zum Unterricht laufen. "Bewegung tut den Jungen und Mädchen gut. Außerdem wird der Orientierungssinn gestärkt", sagt Flauger. Dietmar Langusch ergänzt: "Es ist sicher vorteilhaft, wenn die Schüler gemeinsam in kleinen Gruppen den Weg zur Schule antreten."

Bad Camberg: So lief das Verkehrssicherheitstraining der Atzelschule

In diesem Jahr nahmen drei erste Klassen mit insgesamt 62 Schulanfängern an der Verkehrssicherheitsübung von Christian Lottermann teil. Zunächst gab es eine Theoriestunde im Klassenraum. Dabei erklärte der Fahrlehrer gemeinsam mit dem Stofftier "Alfred Adlerauge" die Grundregeln im Straßenverkehr.

Christian Lottermann und Alfred Adlerauge gaben Verkehrsunterricht.

Wie verhalte ich mich an einer Ampel? Wie benutzt man einen Zebrastreifen richtig? Und was muss ich beim Überqueren einer Straße alles beachten? Diese und viele weitere Fragen wurden im Theorieteil geklärt. Die Kinder hörten aufmerksam zu und glänzten mit vielen Vorkenntnissen.

Nachdem Lottermann die Jungen und Mädchen mit Warnwesten ausgestattet hatte, ging er mit ihnen und den Klassenlehrern auf die Straße. Dort erklärte er den Abc-Schützen zunächst die Gefahr eines Elektroautos. Dies sei kaum zu hören, so dass man sehr genau schauen müsse, um beispielsweise ein ausparkendes E-Auto zu erkennen. Beim Überqueren der Straße und der Benutzung einer Ampelanlage machten die Kinder einen sicheren Eindruck. Während der Praxisstunde war auch die Bad Camberger Feuerwehr vor Ort. Sie erläuterte den Kindern mit Hilfe eines Einsatzfahrzeugs die Gefahren des toten Winkels.

Marlene Kißirk, Helena Texeira, Aaron Martin und Niklas Mühle gehörten zu denen, die mit Begeisterung an dem Projekttag teilnahmen. "Es macht viel Spaß, mit der Klasse hier in Bad Camberg unterwegs zu sein. Die meisten Regeln kennen wir allerdings schon, denn wir haben bereits im Kindergarten gelernt, auf was wir achten müssen", erklärten sie. Marlene, Helena, Aaron und Niklas laufen bereits seit dem ersten Schultag gemeinsam zum Unterricht. Zehn bis 15 Minuten sind sie jeden Vormittag unterwegs. "Bei der Zusammensetzung der Klassen achten wir darauf, dass die Kinder, die eng zusammen wohnen, in eine Klasse kommen, so dass sie immer gemeinsam zur Schule gehen können", sagt Schulleiterin Anne Sandner. Dies biete sich an, da die meisten Kinder der Atzelschule aus der Kernstadt kämen und so auch mit der Länge der Wegstrecke nicht überfordert seien.

Von Tobias Ketter

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