Ackerbauer Jochen Heckelmann und der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Marco Hepp (vorne von links), trafen sich mit Landwirten, Imkern und Bürgermeistern.
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Ackerbauer Jochen Heckelmann und der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Marco Hepp (vorne von links), trafen sich mit Landwirten, Imkern und Bürgermeistern.

Thema Insektenschutz

Limburg-Weilburg: Auf immer mehr Wiesen summt und brummt es

  • VonRobin Klöppel
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Blühflächen nehmen im Kreis zu - Nutzen wird kritisch diskutiert

Limburg-Weilburg -Im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es immer mehr Blühflächen. Mohn, Sonnen- und Ringelblumen, Fenchel, Schwarzkümmel sowie Klee blühen bis weit in den Herbst hinein auf vielen Ackerflächen der heimischen Landwirte. Die Kultur- und Wildpflanzen bieten Bienen, Hummeln und weiteren Insektenarten eine Nektarquelle und verbessern somit die Nahrungs- sowie Lebensbedingungen der Tiere. Doch wie sinnvoll sind die Blühflächen wirklich und welche Vorteile haben die Bauern der Region durch sie? Bei einem Gespräch mit Landwirten, Imkern und Bürgermeistern auf dem Hof Heckelmann im Hünfeldener Ortsteil Nauheim wurde über diese Fragen angeregt diskutiert.

"Der Insektenschutz ist für die Landwirtschaft ein wichtiges Thema, da rund 80 Prozent aller heimischen Blüh- und Kulturpflanzen auf die Bestäubung angewiesen sind", teilte der Kreisbauernverband Limburg-Weilburg mit. Zwar sei die Ernte von Mais, Gerste und Weizen ohne Bestäubung nicht in Gefahr, doch bei der Ernte von Obst, Gemüse sowie Raps benötige man zum Erreichen von bestimmten Qualitäts- und Ertragszielen die Mithilfe der Insekten. Besonders deutlich werde die Leistung der Tiere beim Raps: Durch intensiven Zuflug von bestäubenden Insekten könne der Ertrag pro Hektar um durchschnittlich eine Tonne gesteigert werden.

Durch die Blühstreifen werde laut dem Kreisbauernverband die Anzahl der vorkommenden Arten erhöht und so ein Beitrag zur Biodiversität in der Kulturlandschaft geleistet. "Auch der Klimaschutz profitiert von den Blühflächen, da die Pflanzen CO2 aufnehmen und dieses zu einer Biomasse binden, die dann später im Boden zu Humus umgewandelt wird", erklärte der Verband.

Zahlreiche Landwirte machen mit

Zahlreiche Landwirte aus der Region beteiligen sich an der Kampagne "Bienenfreundliches Hessen - Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen - Landwirte und Imker sind Partner". Das freiwillige Programm zur Förderung der Insekten wurde im Jahr 2017 ins Leben gerufen. Allein in 2021 wurden durch die Aktion im Landkreis Limburg-Weilburg 1500 Kilogramm Saatgut für 150 Hektar an die Bauern verteilt. "Insgesamt haben die Landwirte rund 275 Hektar ein- und mehrjährige Blühflächen sowie Honigbrachen und weitere 50 Hektar insektenfreundliche Randstreifen angelegt", sagte Marco Hepp, Vorsitzender der Kreisbauernverbandes.

Auch der Nauheimer Ackerbauer Jochen Heckelmann hat Blühmischungen ausgesät. Unter anderem wachsen auf einem seiner Felder im benachbarten Ortsteil Mensfelden Sonnenblumen und Klee auf einer Fläche von etwa 1,4 Hektar. "Man kommt mit den Maschinen nur sehr schwer an die Fläche heran. Deshalb bietet es sich schlichtweg an, das Gebiet für Blühwiesen zu nutzen", sagte der Landwirt. In Kooperation mit dem Förderverein "Blühende Lebensräume Diez" hat Heckelmann darüber hinaus Blühstreifen an Feldrändern der rheinlandpfälzischen Kreisstadt angelegt. Außerdem beteiligt er sich an dem Feldflurprojekt "Limburger Becken", durch das zweijährige Blühstreifen an sieben verschiedenen Stellen angebracht wurden.

Heckelmann und viele seiner Kollegen setzen sich mit ihren Blühflächen freilich stark für die Insekten der Region ein. Doch laut Peter Stecker, dem Vorsitzenden des Imkervereins Hadamar-Dornburg, könne noch mehr getan werden. Er ist der Meinung, dass die Wildpflanzen auch auf "normalen Feldern" wachsen sollten. Des Weiteren müssten vermehrt mehrjährige Blühflächen angelegt werden. Dies komme besonders den Wildbienen zugute. "Wir drehen uns derzeit im Kreis und viel kommt nicht dabei rum", sagte Stecker. Auch Imker Hermann Bernhardt aus dem Weilmünsterer Ortsteil Ernsthausen ist nicht gänzlich optimistisch. "Die Effektivität der Blühstreifen ist begrenzt", betonte er. Darüber hinaus kritisierte Bernhardt das unverhältnismäßig starke Mulchen an den Feldrändern. "Mulch vernichtet Lebensraum", so der Imker.

Eckart Mascus, Leiter des Amtes für Ländlichen Raum, Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz in Hadamar, merkte an, dass es in der Landwirtschaft derzeit eine gewisse Dynamik gebe. "Unter anderem sind Klimaschutz, Biodiversität und Regionalität vorherrschende Themen", sagte er. Man dürfe nicht zu stark polarisieren, sondern müsse stattdessen das Gespräch suchen und zusammenarbeiten.

"Alle müssen aufeinander zugehen"

Diese Meinungen teilen auch Silvia Scheu-Menzer, Bürgermeisterin von Hünfelden, und ihr Amtskollege Frank Groos aus der Gemeinde Brechen (beide parteilos). "Alle beteiligten Interessensgruppen müssen aufeinander zugehen", so Scheu-Menzer. Auch die Gemeinde Hünfelden mache sich Gedanken darüber, "welche Maßnahmen wirklich sinnvoll sind". Frank Gross ergänzte: "Wir müssen versuchen, die Belange von Landwirten, Imkern und Bürgern unter einen Hut zu bringen." Es sei zwar erfreulich, dass es immer mehr Blühflächen gebe, doch das neue Insektenschutzgesetz könne bei all den Bestrebungen durchaus eine demotivierende Wirkung auf die Bauern haben.

Nicht nur auf den eigenen Feldern setzen sich die Landwirte für den Insektenschutz ein: Das Team des Kreisbauernverbandes hat nämlich auch gemeinsam mit den Landsenioren Limburg und Oberlahn unter dem Motto "Das Nassauer Land blüht" Saatgut an Gartenbesitzer und Balkongärtner abgegeben. "Jeder kann mit einem Quadratmeter Blühfläche helfen. Die Landwirte im Kreis unterstützen die Bürger dabei mit der Beschaffung und Weitergabe des Saatguts", sagte Hepp. Aufgrund der Corona-Pandemie sei die Ausgabe bislang allerdings nur in begrenztem Umfang erfolgt. Die Geschäftsstelle des Kreisbauernverbandes hat noch Saatgutportionen für jeweils einen Quadratmeter Hummelwiese vorrätig und nimmt auch Bestellung für das kommende Jahr entgegen. Weitere Infos gibt es telefonisch unter (0 64 31) 5 42 21 oder per E-Mail an info@kbv-limburg-weilburg.de.

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