Peter Stecker, Vorsitzender des Imkerverein Hadamar-Dornburg, an einem seiner Bienenstöcke. Er mahnt: Keine Bienenfütterung mit selbst gemischtem Nahrungsbrei.
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Peter Stecker, Vorsitzender des Imkerverein Hadamar-Dornburg, an einem seiner Bienenstöcke. Er mahnt: Keine Bienenfütterung mit selbst gemischtem Nahrungsbrei.

Gegen das Bienensterben

Limburg-Weilburg: Blühwiesen sind das Bienenparadies

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Imker warnt vor selbst angerührtem Nahrungsbrei - Problem sind Faulbrutsporen

Limburg-Weilburg -Seit Jahren schrumpft die Bienenpopulation in Europa, in Deutschland und auch im Kreis Limburg-Weilburg. Bienenzucht und Hobby-Imkerei für Jedermann werden dagegen immer populärer. Der Trend zu eigenen Honigbienen sei ungebrochen, sagt Peter Stecker, Vorsitzender des Imkervereins Hadamar-Dornburg. Häufig aber sei das Engagement für Honigbienen "gut gedacht, aber schlecht gemacht". Denn die wenigsten Neu-Imker bedenken, "dass die Bienenhaltung im Gegensatz zu Rinder-, Schweine- Geflügel- oder Kaninchenzucht immer Einfluss auf die Bienen der anderen Imker hat". Und das in einem Umkreis von etwa 50 Quadratkilometern. Wird einem Volk aus Unwissenheit Schaden zugefügt, so schwirrt dieser Schaden in die Umgebung und potenziert sich.

Besonders fatal sind Stecker zufolge sogenannten Bienentränken, Futterstellen wie etwa ein für den Sommer ausrangiertes Vogelhäuschen, in dem den Insekten ein selbst angerührter Futterteig angeboten wird. In bester Absicht würden dafür Honig und Puderzucker zu einem Nahrungsbrei verarbeitet. Problematisch darin sei jedoch, dass dabei oftmals Honig verwendet wird, der nicht aus europäischer Produktion stammt, nicht europäischen Qualitätsstandards unterliegt und zu einem hohen Anteil mit Faulbrutsporen belastet ist, berichtet der Fachmann.

Die Folgen sind unter Umständen fatal. Denn die Bienen nehmen das mit den Faulbrutsporen, einem tödlichen Bakterium, belastete Futter auf und geben es an die Larven weiter. Die Larven würden von diesen Parasiten regelrecht aufgezehrt, sagt Imker Peter Stecker. Während die Faulbrutsporen dem Menschen nichts anhaben und auch der ausgewachsenen Biene nicht schaden, geht die Brut ein. Zwei bis drei Jahre könne es dabei dauern, bis das gesamte Bienenvolk so geschwächt ist, dass es völlig untergeht.

Dominanz der Räuber nur von kurzer Zeit

Beschleunigt werde diese Entwicklung durch andere Bienenvölker, weil Bienen zwar eigentlich sehr sozial seien, betont der Experte, den Stock eines anderen Volkes aber "ausräubern", sobald die dortigen Insekten zu schwach sind, um sich wehren zu können. Dass die Dominanz der Räuber nur von begrenzter Dauer ist, liegt auf der Hand: Auf gegnerischem Terrain infizieren sie sich ihrerseits mit Faulbrutsporen, geben sie an ihre Larven weiter und besiegeln damit die Zukunft des eigenen Volkes. "Und dann hat nicht nur dieser Imker ein massives Problem", sagt Stecker.

Schwierig hierbei sei zudem, dass die Faulbrut eine anzeigenpflichtige Seuche ist, sagt Stecker. Nur ist diese Anzeigepflicht beim Veterinäramt für private Hobby-Imker nicht geregelt, weshalb die sich zwar möglicherweise wunderten, wenn sie eines Tages kein Bienenvolk mehr im Garten haben. Aber die Ursache, der Zusammenhang mit der Faulbrut sei ihnen vielleicht gar nicht bekannt. Somit werde auch nicht gehandelt.

Sanieren oder vernichten

Und das ist die nächste Schwierigkeit. Gerade bei der todbringenden Faulbrut müsse das betroffene Volk untersucht werden, betont Stecker, der selbst Bienen-Sachverständiger ist. Völker und Waben müssten überprüft, eine Futterkranzprobe entnommen und analysiert werden. Erst danach lasse sich feststellen, ob "das Volk saniert werden kann oder vernichtet werden muss". Tatsächlich sind die Faulbrutsporen äußerst hartnäckig und in ihrer Wirksamkeit langlebig. Bis zu 30 Jahre können sich die Bakterien halten. Über das von der Europäischen Union subventionierte Faulbrut-Monitoring könne man dabei kontinuierlich neue Erkenntnisse gewinnen.

Die tragische Komponente am Bienensterben durch Faulbrutsporen ist: Dazu müsste es nicht kommen. Wenn mehr Hobby-Imker besser informiert wären, ließe sich diese Variante des Insekten-Exodus verringern. Denn tatsächlich kann man den Bienen bei der Nahrungssuche behilflich sein, ohne sie dabei langfristig zu vernichten. "Die Alternative ist ganz einfach", sagt Stecker: Blühstreifen.

Sein Imkerverein verteilt jedes Jahr kostenlose Samentütchen jeweils für eine Fläche von 25 Quadratmetern. Mohn oder Kornblumen beispielsweise seien für Bienen ideal, ebenso Thymian, Salbei und Lavendel, wilder Wein, Efeu und Malven. Für die Bienen sind Blühstreifen geeignete Nahrungsquellen. "Bitte keine Honigrähmchen", appelliert er. Und bitte nur ausgewaschene Honiggläser in Altglascontainern entsorgen. Denn auch in Honiggläsern könnten Faulbrutsporen vorhanden sein.

Mitmachen und noch bis zum 15. August Insekten zählen

Seit gestern darf wieder gezählt werden. Diesmal geht es um Insekten und dabei unter anderem um die Frage, "ob es in diesem Jahr, wie vermutet, aufgrund des kühlen und verregneten Frühlings weniger Wespen gibt", sagt Nabu-Insektenexpertin Dr. Laura Breitkreuz. Denn "auch wenn das viele Menschen freuen dürfte - die Tiere sind enorm wichtig". Schließlich bestäuben auch Wespen Nutzpflanzen, vertilgen Schädlinge, wie Blattläuse und Spannerlarven, und nützen so in Landwirtschaft und Gartenbau. Zudem beseitigen sie als geflügelte Gesundheitspolizei Aas. "Und wer bei Wespen gleich an Stechen denkt, liegt falsch", sagt Breitkreuz, nur etwa jede fünfte der weltweit rund 137 000 Wespenarten habe einen Wehrstachel. "Die in Deutschland häufige Gemeine Wespe, die uns jetzt vielfach begegnet, gehört allerdings dazu." Wer aber die Tiere nicht bedränge oder nach ihnen schlage, habe wenig zu befürchten.

Um belastbare Ergebnisse für den Insektenbestand zu erzielen, sollen sich viele Menschen an der Zählung beteiligen, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu Hessen. Im vergangenen Jahr hätten rund 15 000 Beobachter fast 10 000 Meldungen übermittelt. "In diesem Jahr haben allein bei der ersten Zählung im Juni bundesweit schon 9000 Menschen mitgemacht."

Beobachten und zählen kann jeder und das fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich oder Bach sind geeignet - und nicht nur Wespen, sondern alle Insekten. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde. Gemeldet werden die Beobachtungen per Online-Formular oder mit der kostenlosen Web-App Nabu Insektensommer. Beide Meldewege sind unter www.insektensommer.de im Internet abrufbar. red

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