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Spargelbauer Steffen Heckelmann muss derzeit ohne die Saisonarbeiter aus Rumänien und Bulgarien auskommen. Dabei würden diese gerne kommen, berichtet er. Vorerst hofft er auf inländische Helfer und zur Not will der Mensfelder einige Felder brach liegen lassen.

Folgen für Landwirte

Coronakrise in Limburg-Weilburg: Besorgte Bauern sehen auch Chancen

Fehlende Saisonarbeiter und Sicherheitsmaßnahmen auf den Höfen. Die Corona-Krise trifft auch die Landwirten in Limburg-Weilburg - doch sie sehen auch Chancen.

Limburg-Weilburg - Steffen Heckelmann baut auf seinen Feldern in Mensfelden hauptsächlich Spargel, Erdbeeren, Himbeeren und Kürbisse an. „In der Kernarbeitszeit von April bis Oktober sind in meinem Betrieb normalerweise 15 bis 20 Saisonarbeiter aus Rumänien und Bulgarien angestellt“, sagt er. Dass die Erntehelfer aus Osteuropa auch in diesem Jahr die Reise in den Landkreis Limburg-Weilburg antreten können, scheint aufgrund der Corona-Krise derzeit ausgeschlossen. „Die Arbeiter würden gerne kommen. Sie haben meist keine Angst, sich hier in Deutschland mit dem Virus zu infizieren. Vielmehr sind die Reiseeinschränkungen das große Problem“, sagt Heckelmann.

Der Landwirt sorgt sich nicht nur um seine eigenen Einnahmen, auch die ausbleibenden Löhne der Saisonarbeiter beunruhigen ihn. „Viele der Menschen, die regelmäßig im Sommer auf meinen Feldern arbeiten, sind auf den Verdienst angewiesen.“ Neben den Saisonarbeitern aus Osteuropa beschäftigt Heckelmann in der Hauptsaison noch rund zehn Menschen, die für ihn die geernteten Waren unter anderem auf Wochenmärkten verkaufen. Ob diese Mitarbeiter zur Verfügung stehen werden, sei noch nicht absehbar.

Coronakrise in Limburg-Weilburg: Landwirt hofft auf Hilfe aus der Region

Um die finanziellen Einbußen in Grenzen zu halten, sucht der Bauer aus Hünfelden derzeit nach Lösungen. „Ich hoffe, dass ich einige inländische Kräfte finde, die bereit sind, die anspruchsvolle Arbeit auf den Feldern zu übernehmen“, sagt er. Eine weitere Option: „Einige Flächen brach liegen lassen, was wirtschaftliche Verluste mit sich bringt. Und andere Felder vermehrt mit den wenigen fest angestellten Mitarbeitern selbst abernten.“ Neben den fehlenden Arbeitskräften hat der Landwirt noch ein weiteres Problem: „Durch die vielen geschlossenen Läden ist der Gastronomieabsatz komplett weggebrochen. Durch diesen erhalte ich normalerweise rund 20 Prozent meiner Einnahmen.“

Der Mensfelder erhält aber auch positive Nachrichten. „Viele Leute aus der Umgebung haben mir Hilfe bei der Ernte angeboten“, berichtet er hoffnungsvoll. „Sogar zwei Flugkapitäne aus Frankfurt haben sich über die sozialen Medien gemeldet.“ Der Landwirt sieht in der Corona-Krise durchaus auch eine Chance für die Branche. Er hofft, dass dadurch der regionale Handel gestärkt wird. „Vielleicht verbessert sich zusätzlich auch die Kundenbindung, wenn die Gesellschaft in der schweren Zeit näher zusammenrückt“, sagt Heckelmann.

Coronakrise in Limburg-Weilburg: Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Auch beiRolf Radu und seinen zwölf Mitarbeitern ist die Corona-Krise täglich das Hauptthema. „Während der Mittagspause wird eigentlich nur darüber gesprochen“, sagt er. Auf dem Biobetrieb des Landwirts aus Ernsthausen in der Gemeinde Weilmünster leben Milchkühe, Mastschweine und Legehennen. Außerdem betreibt Radu eine Pferdepension sowie einen Hofladen.

„Besonders beim Verkauf im Laden macht sich die Corona-Krise bemerkbar“, sagt der Landwirt. „Einige der angebotenen Waren werden von uns nicht selbst angebaut, sondern eingekauft.“ In den vergangenen Wochen seien viele dieser Produkte nicht mehr erhältlich gewesen. Die Situation habe sich aber wieder etwas normalisiert. Im Hofladen gelten derzeit strenge Sicherheitsvorkehrungen. Nur zwei Kunden dürfen gleichzeitig hinein, damit das Risiko einer Ansteckung möglichst gering bleibt. „Momentan kaufen deutlich mehr Leute bei uns ein als noch vor einigen Monaten. Das Vertrauen in regionale Produkte scheint durch die Krise gesteigert worden zu sein“, sagt Rolf Radu.

Coronakrise in Limburg-Weilburg: Landwirt zeigt sich optimistisch

Die Arbeit auf dem Feld und in den Ställen laufe aktuell wie gewohnt. Dabei würden die Hygienebestimmungen genauestens beachtet. „Auf dem Hof arbeitet ein sehr gut eingespieltes Team, das gewissenhaft mit der Situation umgeht“, betont Rolf Radu. Auch deshalb ist er optimistisch, dass der Betrieb gut durch das Jahr kommt, ohne große finanzielle Einbußen verkraften zu müssen. Eine Sorge hat er dennoch: „Ich bin zwar nicht auf Saisonarbeiter angewiesen und vertraue meinen Mitarbeitern voll und ganz, aber sollte jemand aus dem Team krank werden und wir dann alle in Quarantäne müssen, wird die Aufrechterhaltung des Betriebes sicher kostspielig werden.“ 

Von Tobias Ketter

Coronakrise in Limburg-Weilburg: Neueste Zahlen in der Region

Limburg-Weilburg(Stand 29. März, 12 Uhr): Der Kreis hat am Wochenende seine Zählweise geändert. Nun werden nicht mehr die positiv getesteten, sondern die aktuell infizierten Personen gezählt, dazu die gesund aus der Quarantäne entlassenen. 140 Personen sind aktuell mit dem Coronavirus infiziert (Freitag 137, Samstag 142). Sie verteilen sich auf Bad Camberg (13), Dornburg (9), Elz (7), Hadamar (3), Hünfelden (14), Limburg (18), Mengerskirchen (33), Merenberg (6), Weilmünster (7), Runkel (6), Waldbrunn (3), Beselich (5), Selters (8), Elbtal (1), Löhnberg (1), Brechen (2), Weilburg (4), Weinbach (1), Villmar (1). 9 Personen (Samstag 5) sind als gesund aus der Quarantäne entlassen worden. Aktuell befinden sich im Landkreis 623 Menschen in Quarantäne.

Rhein-Lahn-Kreis(Stand 29. März, 13 Uhr): Die Zahl der bestätigten Fälle liegt mittlerweile bei 81 (Freitag 70, Samstag 80). Sie verteilen sich auf die Verbandsgemeinden/Städte wie folgt: Diez 18, Aar-Einrich 10, Lahnstein 21, Loreley 15, Nastätten 8, Bad Ems-Nassau 9. Ein männlicher 82-jähriger Patient aus der Verbandsgemeinde Loreley ist am Wochenende im Krankenhaus in Lahnstein verstorben. Die Kreis-Corona-Praxis in Gemmerich am Standort der Kreis-Fieberambulanz auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots (Am Depot 1) unter der Leitung von Dr. Hans Jaeger geht heute um 8 Uhr an den Start. Anmeldung: 01 60-92 95 41 28.

Westerwaldkreis(Stand 28. März, 23:00 Uhr): Die Zahl der bestätigten Fälle ist auf 142 gestiegen (Freitag 130, Samstag 137). In der VG Montabaur sind es 41 Fälle, in der VG Wallmerod 6, in der VG Westerburg 12 und in der VG Rennerod 13. Leider ist im Westerwaldkreis ein zweiter Todesfall zu beklagen. Es handelt sich um eine 88 Jahre alte Frau, die in das Evangelische Krankenhaus Dierdorf/Selters eingeliefert worden war, wo sie am frühen Samstagmorgen verstarb. Quellen: Kreisverwaltungen

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