Immer gut, wenn man einen Pilzsachverständigen zu Rate ziehen kann. Die Stockschwämmchen rechts im Büschel sind zwar essbar, in unseren Wäldern wächst aber auch sein Verwechlungspartner, der tödlich giftige Gifthäubling, den Bernhard Broschart in der anderen Hand hält.
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Immer gut, wenn man einen Pilzsachverständigen zu Rate ziehen kann. Die Stockschwämmchen rechts im Büschel sind zwar essbar, in unseren Wäldern wächst aber auch sein Verwechlungspartner, der tödlich giftige Gifthäubling, den Bernhard Broschart in der anderen Hand hält.

In die Pilze

Experte erklärt: Darauf sollten Sie beim Pilzesammeln achten

Pilzliebhaber zieht es wieder in die Wälder. Ein Experte verrät, worauf man beim Sammeln achten sollte.

Limburg-Weilburg – Sie sind überall zu sehen: Die kleinen Männlein im laubbedeckten Wald, die vielen Menschen kulinarische Freuden versprechen. Der eine oder andere geht dann auch selbst gerne "in die Pilze". Das ist aber nicht immer ein ganz ungefährliches Vergnügen. Denn manche "guten" Pilze haben einen "bösen" Zwilling. Der Pilzsachverständige Bernhard Broschart gibt nützliche Tipps.

Herr Broschart, wie sieht es aus? Kann jeder mit einem Pilzführer in der Hand Pilze suchen gehen?
Prinzipiell ja, allerdings bevorzuge ich es, das Pilzbuch zu Hause zu lassen, denn eine Pilzbestimmung im Wald dauert einfach zu lange. Dafür habe ich mehr Zeit, wenn ich daheim bin.
Wie viele essbare Arten gibt es denn in deutschen Wäldern?
Als Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) kann ich zur Beantwortung dieser Frage auf die von der DGfM herausgegebene "Positivliste der Speisepilze" verweisen. Dort sind rund 185 Pilzarten gelistet, die unbedenklich gegessen werden können - sofern man nicht übergroße Portionen verzehrt. Dazu kommt noch die Liste der "uneinheitlich beurteilten Speisepilze". Dort sind etwa 40 weitere Arten gelistet, die allerdings nicht von allen Menschen gleich gut vertragen werden. Die Pilze sind grundsätzlich nicht giftig, aber ihre Inhaltsstoffe können bei empfindlichen Menschen leichte Beschwerden oder auch Allergien auslösen. Bei diesen Pilzen muss jeder Pilzsammler selbst mit kleinen Mengen testen, ob er die Pilze verträgt oder eben nicht.
Wachsen alle Pilze im Wald?
Pilze gibt es überall, also auch auf dem freien Feld und auf den Wiesen.

Kreis Limburg-Weilburg: Pilze gibt es das ganze Jahr

Kann man Pilze nur im Herbst sammeln?
Nein, Pilze gibt es das ganze Jahr hindurch. Im Winter sucht der Pilzsammler zum Beispiel nach Austernpilzen, Samtfußrüblingen oder Judasohren. Pilze, die nicht für den Kochtopf geeignet sind, gibt es da auch ganz viele. Im Frühjahr beginnt die Speisepilzsaison mit dem Märzschneckling, dann folgen Spitz- und Speisemorcheln und im Mai auch der Maipilz. Allerdings gibt es dann auch schon einige heftige Giftpilze wie beispielsweise einige Rötlinge oder den ziegelroten Risspilz, um nur einige zu nennen. Ist der Sommer feucht bis nass, füllt das nicht nur dem Bauern Scheun' und Fass, sondern auch der Pilzsammler freut sich schon im Juni und Juli über die ersten Pfifferlingsfunde. Dann kommt unter Eichen auch der Eichensteinpilz, der auch Sommersteinpilz heißt, hervor, und spätestens ab August ist bei genügend Regen fast die ganze Palette der Pilze vorhanden. Ende Oktober, spätestens mit den ersten ernsthaften Frösten, stellen die meisten Pilze ihr Wachstum ein. Dann allerdings erwachen die Winterpilze wieder zum Leben. Der Kreislauf ist geschlossen.
Hat jeder Pilz einen "bösen" Zwilling? Bei welchen Pilzen heißt es aufpassen?
Haha, böser Zwilling ist lustig. Wer sich mit den Pilzen näher befasst, stellt schnell fest, dass es diesen bösen Zwilling eigentlich nicht gibt. Nehmen wir den essbaren Maipilz und den stark giftigen ziegelroten Risspilz. Diese beiden Pilze werden gerne als verwechselbar dargestellt, dabei sind sie weder in Farbe noch in Gestalt wirklich ähnlich. Hier hilft nur eine gute Artenkenntnis, die vielen Anfängern noch fehlt.
Darf man einfach so Pilze sammeln oder braucht man eine Genehmigung?
Nein, eine Genehmigung braucht man dafür nicht, allerdings gilt es Regeln und Gesetze zu beachten. Zum Beispiel darf ich jeden Wald betreten, egal ob Privatwald oder Staatsforst, solange der Wald nicht eingezäunt ist (zum Beispiel zur Neuaufzucht von Baumsetzlingen, oder wenn sich der Wald auf einem Hausgrundstück befindet). Hier in Hessen gehört der Wald überwiegend dem Staat. Das Waldgesetz geht beim Sammeln von Pilzen und Beeren davon aus, dass der Waldeigner selbst kein Verwertungsinteresse hat und erlaubt daher eine allgemeine Aneignungsgestattung, wenn die Pilze nur zum privaten Gebrauch gesammelt werden und sie außerdem nicht durch das Bundesartenschutzgesetz besonders geschützt sind. Anders sieht das aus, wenn Sie die gesammelten Pilze verkaufen möchten. Dafür benötigen Sie eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Werden Sie ohne eine Genehmigung beim Verkauf erwischt, haben sie sich vor dem Gesetz eines schweren Diebstahls schuldig gemacht.

Pilze aus dem Supermarkt? Experte aus Limburg-Weilburg: „Niemals“

Was begeistert Sie so an den Pilzen?
Pilze sind faszinierende Lebewesen, die weder zum Tierreich noch zum Pflanzenreich gehören. Es sind unglaubliche chemische Fabriken und sie haben Fähigkeiten, die allen anderen Lebewesen fehlen - das finde ich unglaublich spannend. Sie können Bäume beim Wachstum unterstützen und sie können sie auch zerstören. Sie durchdringen Holz und Stein und schaffen es mit ihrem Dickkopf sogar durch die Asphaltdecke einer Straße zu brechen. Einige schmecken lecker, andere sind tödlich giftig und die Wissenschaft hat gerade erst damit begonnen, das geheime Leben der Pilze zu erforschen. Ich erinnere da nur an das zwischenzeitlich wissenschaftlich akzeptierte "wood-wide-web", mit dem man die weltweite Vernetzung der Pflanzen und Bäume durch die Pilze bezeichnet. Zurzeit haben wir durch den Klimawandel mit einem großen Fichtensterben zu kämpfen, dem in den trockenen Waldböden das Sterben der Mykorrhizapilze (Symbiosepartner der Pflanzen) vorausging. Und wieder gilt der alte Satz der ersten mykologischen Forscher: "Erst stirbt der Pilz, dann stirbt der Wald."
Wie oft in der Woche essen Sie Pilze? Kaufen Sie auch Pilze im Supermarkt?
In der Hauptsaison zwei bis drei Mal die Woche, Pilze aus dem Supermarkt? Niemals!
Welche Pilze eignen sich am besten zum Essen? Was kann man daraus machen?
Ich nenne jetzt einmal meine vier Favoriten. Morcheln, zum Beispiel für Schweinelendchen in Morchelrahm. Dann Pfifferlinge - ich gehe meilenweit für ein gutes Pfifferlingsgericht, zum Beispiel Rehrücken in Pfifferlingsosse auf italienischer Pasta. Steinpilze, als Suppe, geröstet, als Steinpilzsosse mit Semmelnknödeln oder als Steinpilz-Carpaccio auf frischem Butterbrot. Und die "Krause Glucke", die für alle Zubereitungsarten geeignet ist, übrigens der Lieblingspilz der Starköchin Sarah Wiener.
Wie wird man Pilzsachverständiger?
In Deutschland gibt es mehrere "Pilzschulen" in Hornberg/Schwarzwald, in Tübingen, in Jena oder in Bad Laasphe und viele andere. Dort kann man Kurse belegen, die einen nach und nach in die Lage versetzen, die Kenntnisse zu erwerben, die man als Pilzsachverständiger braucht. Die Prüfung wird dann durch die DGfM und die von ihr ernannten Prüfer durchgeführt. Wer sich über diese Kenntnisse hinaus für höhere Aufgaben rund um die Pilze interessiert, kann sich bei der DGfM zum Feldmykologen, ausbilden lassen. Eine Ausbildung zum Pilzcoach befähigt die Absolventen insbesondere mit Kindern in Kindergärten und Schulen zu arbeiten und dort spielerisch auf mannigfaltige Weise das Interesse an den Pilzen zu wecken.
Machen Sie offizielle Pilzführungen?
Sehr gerne, besonders im Herbst habe ich kaum freie Wochenenden. Wenn Interessierte aber auch unter der Woche Zeit haben, dürfen sie sich gern bei mir melden.

Limburg-Weilburg: Pilz-Experte berät auch bei eigenen Sammlungen

Bereits seit 1987 ist Bernhard Broschart als Pilz-Experte unterwegs - nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Norwegen, wo er manchmal seinen Urlaub verbringt. Die Leidenschaft für Pilze hat der Sachverständige bereits in seiner Jugendzeit beim Sammeln mit Mutter Hedwig entdeckt. Als seine Familie aber von der Pfalz ins Rhein-Main-Gebiet umgezogen war, war er lange Zeit nicht mehr viel in der Natur. 1982 wurde der Wahl-Brechener wieder auf seine "alte Liebe" aufmerksam, als er in der Zeitung das Angebot eines Pilzkurses im Odenwald sah. Viele der Pilzarten erkannte er von früher wieder, so dass ihm wegen seines hohen Sachverstandes vom Kursleiter nahegelegt wurde, ein Studium zum Pilzsachverständigen im Schwarzwald zu absolvieren. 1987 machte er erfolgreich die Prüfungen.

Sicher Pilze sammeln

Die Tür von Pilz-Experte Bernhard Broschart steht übrigens allen offen: Jeder kann nach telefonischer Anmeldung vorbeikommen und seine Sammlung genau unter die Lupe nehmen lassen. Kontakt unter 01 60-8 23 43 20, auch Whats App, Signal, Telegram, oder E-Mail an bernhard.broschart@t-online.de oder bernhard.broschart@gmail.com. Falls Bernhard Broschart einmal nicht erreichbar ist, können sich Ratsuchende auch gerne an die Pilzsachverständige der DGfM, Marita Schäfer, aus Steeden wenden, 01 51-56 09 06 32, E-Mail an schaefer.rudolf@t-online.de.

In seiner fröhlichen ungezwungenen Art gibt er sein Wissen gerne und verständlich an die großen und kleinen Zuhörer weiter. Aber er macht noch mehr: Wenn jemand mit Anzeichen einer Pilzvergiftung in die Krankenhäuser der Region eingeliefert wird, wird er benachrichtigt und kann mit seinem Expertenwissen oft helfen. (aic)

Aufpassen beim Verzehr: Welche Symptome auf eine Pilzvergiftung hindeuten. Für Gourmets gibt es im Kreis Limburg-Weilburg einiges zu entdecken.

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