Der 60-jährige CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch in der Limburger Altstadt vor dem Weinhaus Schultes. Er sitzt seit 1998 im Bundestag und will am 26. September zum siebten Mal hintereinander direkt in den Bundestag gewählt werden.
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Der 60-jährige CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch in der Limburger Altstadt vor dem Weinhaus Schultes. Er sitzt seit 1998 im Bundestag und will am 26. September zum siebten Mal hintereinander direkt in den Bundestag gewählt werden.

Klaus-Peter Willsch im Porträt

Limburg-Weilburg: Der Mann, der immer den nächsten Boxring sucht

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Klaus-Peter Willsch leidet manchmal unter seiner Partei, aber vor allem unter Grünen und Linken

Limburg-Weilburg -Nach einem längeren Gespräch über Politik redet man auch mal kurz über das Wetter. Der Sommer ist dieses Jahr ja nicht so heiß. Ja, das freut auch einen Klaus-Peter Willsch. Aber nicht, weil er als CDU-Bundesabgeordneter aus dem Wahlkreis Rheingau-Taunus-Limburg und Wahlkämpfer der stundenlangen Hitze auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen entkommt, sondern weil es ein Nachteil für die Grünen ist. Denn bei einem heißen Sommer hätte es dieser politische Gegner aus seiner Sicht einfacher zu punkten - Stichwort Klimapolitik.

Willkommen in der Welt des 60-jährigen Klaus-Peter Willsch, in der es viele Freunde und noch mehr Feinde gibt. Und der Feind, der steht für ihn immer links. Mit dieser Art wirkt er manchmal aus der Zeit gefallen. Man kann sich Willsch auch sehr gut als Politiker der 1970er-Jahre vorstellen, als politische Schlachten geschlagen wurde, die sich Jüngere gar nicht richtig vorstellen können.

"Freiheitsliebend und konservativ"

Die Sozialdemokraten, die muss Willsch in der schwarz-roten Koalition schon seit acht Jahren (wieder) ertragen, was ihm sehr schwer fällt. Und die Grünen, ach herrje, die kann und vor allem will er gar nicht ertragen. "Die Grünen in der Regierung halte ich für gefährlich", sagt er an diesem warmen Sommernachmittag in der Redaktion der NNP am Neumarkt. "Diese Partei steht für Freiheitsbeschränkung, für Umerziehungsmethoden und Verbote."

Aber in Willschs Welt sind die Grünen fast schon wieder erträglich, wenn es um die Linke geht. Da wird der Willsch zum Stier, der das rote Tuch flattern sieht, den Kopf senkt und angreift. "Helmut Kohl hat nach der Deutschen Einheit einen großen Fehler gemacht: Er hätte dafür sorgen müssen, dass die SED als die Staatspartei des Unrechtsstaats DDR verboten wird, so wie nach dem Zweiten Weltkrieg die NSDAP in Deutschland verboten worden ist", sagt er. Aber die SED wurde nicht verboten, benannte sich mehrfach um und wurde zur gesamtdeutschen Linken.

Kein Wunder, dass der evangelische Willsch, der mit seiner Familie (drei Söhne und zwei Töchter zwischen 17 und 32 Jahren) im Rheingau-Taunus-Kreis wohnt, sich nur einen Koalitionspartner für die Union gut vorstellen kann - die FDP.

Willsch liebt die Konfrontation - nicht nur mit dem politischen Gegner, auch mit den eigenen Leuten. Sein lautes Nein zur Euro-Rettung nach der Griechenland-Krise hat ihn bundesweit bekannt gemacht. Aber er ist dadurch auch zu einem Außenseiter in seiner Partei geworden.

Geschadet hat es ihm als Direktkandidat nicht, im Gegenteil. Bei der anschließenden Bundestagswahl holte er mit 52,1 Prozent sein bestes Einzelergebnis. Da hat einer seine Hauptrolle längst gefunden. Der Franz-Josef Strauss zugeschriebene Spruch "Wer jedermanns Liebling sein will, ist nur jedermanns Depp" könnte auch von Willsch stammen.

Über sich selbst als Politiker sagt er: "Ich bin freiheitsliebend, konservativ, wirtschaftskompetent und bereit, für das Richtige nicht nur einzustehen, sondern auch zu streiten." Kein Wunder, dass er an seinem Kanzlerkandidaten vor allem eine Sache sehr vermisst: "Armin Laschet ist mir manchmal nicht kernig und bissig genug mit seinen Aussagen", sagt er. "Aber" - trotz Willschs Vorliebe für Friedrich Merz - "Armin Laschet kann Kanzler. Das hat er als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen in einem Bündnis mit der FDP bewiesen."

Ambivalentes Verhältnis zu Merkel

Wenig glücklich ist der in Hohenstein lebende Berufspolitiker, bei dem man immer das Gefühl hat, er würde am liebsten bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Boxring steigen, mit dem Verlauf dieses Wahlkampfs. "Es geht so gut wie gar nicht um Themen in diesem Wahlkampf", sagt er. "Das ist erschreckend. Es geht vor allem um Schnappschüsse auf Facebook. Es gibt so viele Themen, über die wir reden müssen. Was ist zum Beispiel mit den Energiepreisen? Wir haben in Deutschland einen Mangel an Energie, wenn kein Wind weht. Wo kommt all der Strom für die neuen E-Autos her, von denen es immer mehr geben wird? Der Stromtrassenbau ist ebenfalls ein großes Problem." Da ist Willsch als studierter Volkswirt in seinem Element: Die Wirtschaft zum Wohle Deutschlands stärken, wo immer es auch nur geht.

Dass Willsch kein Parteisoldat ist, der tapfer alles runterschluckt, was ihm nicht passt, merkt man auch, wenn er über die bald aus dem Amt scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht. Da gibt es bei ihm zwar ein durchaus vernehmbares "einerseits", weil "sie dem Ansehen der Politik gut getan hat", wie er sagt. "Sie hat mit ihrer unprätentiösen und bescheidenen Art gezeigt, dass Berufspolitiker normale Menschen sind. Sie ist durchsetzungsstark und eine Meisterin in internationalen Verhandlungen."

Doch dann folgt bei seiner Bewertung Merkels ein "andererseits", und das klingt bei Willsch sehr viel lauter. "Sie hat aus meiner Sicht nicht immer die richtigen Ziele verfolgt, zum Beispiel bei der verfehlten Euro-Rettung, die letztlich zulasten der deutschen Steuerzahler geht. Auch der von ihr gewollte, meiner Auffassung nach grundlose Ausstieg aus der Kernenergie war falsch. Und ihre Flüchtlingspolitik kann ich nicht verstehen. Eine einmalige Menschenrechts-Geste im Jahr 2015 hätte vollkommen gereicht. Aber dann so gut wie alle Flüchtlinge aus Syrien oder alle, die sich als solche ausgaben, in Deutschland willkommen zu heißen, war ein großer Fehler." Und zum guten Schluss holt er noch einmal aus. "Unter Merkel ist die CDU viel zu verwechselbar geworden. Sie hat die Partei nach links gerückt. Und jetzt liegen wir in Umfragen unter 30 Prozent."

Das ist für Willsch "nicht hinnehmbar". Also kämpft er und macht sich nach stundenlangem Wahlkampf in der Limburger Innenstadt mit vielen Bürgergesprächen auf den Weg zur Eschhöfer Kirmes, um auch dort für sich und seine Sicht auf die Welt zu werben.

Fortsetzung folgt

Wir porträtieren alle Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien in unseren beiden hessischen Wahlkreisen

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