Marcus Resch möchte für die Alternative für Deutschland, kurz AfD, in den Bundestag einziehen. Vor dem Limburger Dom spricht er über seine politische Motivation und sein Wahlprogramm.
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Marcus Resch möchte für die Alternative für Deutschland, kurz AfD, in den Bundestag einziehen. Vor dem Limburger Dom spricht er über seine politische Motivation und sein Wahlprogramm.

Bundestagskandidaten im Porträt

Limburg-Weilburg: "Der Staat soll sich besser um unsere Kinder kümmern"

  • Tobias Ketter
    VonTobias Ketter
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Marcus Resch (AfD) kämpft für Veränderungen im Sozialsystem - Kritik an Windkraft in der Region

Limburg-Weilburg -Ruhig und mit einem Lächeln im Gesicht sitzt Marcus Resch vor dem Limburger Dom. Der 56-Jährige genießt das sonnige Wetter an diesem Freitagvormittag sichtlich. Man könnte vermuten, dass er gekommen ist, um einen entspannten Tag in der Altstadt zu verbringen. Doch weit gefehlt: Marcus Resch möchte auf der Domplatte über Politik sprechen. Der Taunussteiner ist Bundestags-Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 178 Rheingau-Taunus/Limburg.

Der verheiratete Vater ist laut eigenen Angaben seit vier Jahren Mitglied der Partei. "Vorher war ich komplett unpolitisch", sagt er. Nach einem familiären Schicksalsschlag hat sich der in Düsseldorf geborene Mann dazu entschlossen, der Alternative für Deutschland beizutreten. "Bei meiner Tochter wurde damals ein Hirntumor festgestellt und es war dann unglaublich schwierig, einen OP-Termin zu bekommen", erinnert sich Resch. Er habe während dieser schwierigen Zeit erkannt, dass das "medizinische System" in Deutschland am Ende sei. "Nach der Operation haben wir uns auf die Suche nach einem Therapieplatz und einer geeigneten Schule für meine Tochter gemacht. Auch dabei gab es Probleme", sagt der 56-Jährige.

In seiner Not schrieb Resch dann alle großen Parteien an und bat um Unterstützung. "Nur die AfD hat geantwortet", sagt er. Nachdem die heute 14-jährige Rebecca in ihrer neuen Schule von den Lehrkräften trotz guter Noten nicht integriert worden sei, habe sich Resch entschlossen, etwas gegen die "großen Missstände im deutschen Sozialsystem" zu tun. "Deshalb bin ich in die AfD eingetreten. Ich möchte, dass der Staat sich besser um unsere Kinder kümmert. Das ist auch mein persönliches Hauptanliegen für die Zukunft", so Resch, der derzeit Mitglied des Kreistages im Rheingau-Taunus-Kreis und des Stadtparlamentes in Taunusstein ist.

Doch der Diplom-Geologe und freie Dozent verfolgt noch weitere politische Ziele. Ein wichtiges Thema für ihn sei die Wiedereingliederung des Wolfs in der Region. Es ergebe durchaus Sinn, das Tier wieder in Deutschland anzusiedeln. Doch dies müsse mit Bedacht geschehen, um andere Tierarten nicht zu gefährden.

Auch zum Thema Windenergie hat der Taunussteiner eine Meinung: "Der Bau von Windrädern ist wohl an manchen Stellen in Deutschland wie beispielsweise in Windparks am Meer berechtigt. Doch gibt es durch die Anlagen hier im Taunus immer wieder Probleme", sagt Resch. Laut seinen Angaben drücken die schweren Bauten auf das Grundgestein, so dass dadurch auch die natürliche Wasserversorgung abgedrückt wird. Außerdem seien die Windräder mitverantwortlich für das Vogel- und Waldsterben. "Die Böden rund um die Anlagen trocknen aus", erklärt der Bundestagskandidat.

Teure Entsorgung der Rotorblätter

Darüber hinaus gebe es große Schwierigkeiten bei der Entsorgung der Rotorblätter. Diese müssten eingelagert werden, da sie nicht verrotten. "Die Rotorblätter sind somit Sondermüll und in Hessen gibt es keine Mülldeponie für die Blätter", bemängelt Resch. Aus diesem Grund müssten sie nach Bayern gebracht werden und das koste viel Geld. "Ich frage mich, warum sich niemand im Umweltministerium mit diesen Problemen beschäftigt", sagt der 56-Jährige. Auch den Elektroautos steht der AfD-Politiker kritisch gegenüber. Die Technik funktioniere in weiten Teilen noch nicht und die Idee sei nicht ausgereift. "Und was passiert mit den alten Batterien?", fragt sich Resch.

Er kritisiert auch die Corona-Politik der Bundesregierung. "Diese Pandemie ist mit früheren Pandemien nicht vergleichbar. Es gibt keine großen Leichenberge", sagt er. Auch deshalb seien die vielen Einschränkungen falsch. Des Weiteren sei es fragwürdig, den Menschen ihre Grundrechte zu verweigern.

Der AfD-Politiker befürwortet grundsätzlich die Integration von Ausländern. "Allerdings erwartet ich, dass sie die deutsche Sprache lernen. Das ist unter anderem für die Ausübung eines Berufs nötig", sagt er. Resch spricht sich darüber hinaus gegen ein Wahlrecht für Jugendliche ab 16 Jahren aus. Den Heranwachsenden fehle die nötige Lebenserfahrung, um richtige Wahlentscheidungen treffen zu können. Außerdem hält er den Abzug aus Afghanistan für eine Katastrophe. "Wofür sind dort 80 deutsche Soldaten gestorben", fragt sich Resch.

Der leidenschaftliche Motorradfahrer gehört nach eigener Einschätzung dem liberalen Flügel der AfD an. Trotzdem habe er aufgrund seiner Parteizugehörigkeit Probleme im beruflichen und privaten Bereich erlebt. "Ich habe sogar einen Job verloren und Anfeindungen in meinem Heimatdorf ertragen müssen", sagt Resch, der in seiner Freizeit auch alte Flugzeuge restauriert. "Trotzdem mache ich wegen meiner Tochter weiter."

Sein Vorbild: Helmut Schmidt

Das politische Vorbild des AfD-Kandidaten ist übrigens der ehemalige Bundeskanzler und Sozialdemokrat Helmut Schmidt. "Er war ein Macher, der sich immer für das Volk einsetzte", betont Resch. "Wenn Schmidt heute SPD-Mitglied wäre, würde er aber wahrscheinlich wegen Rechtsverdacht aus der Partei geworfen werden."

Für Marcus Resch sind sein erster Wahlkampf und die Kandidatur ein großes Abenteuer, sagt er. "Laut den aktuellen Umfragen liege ich bei acht Prozent. Ich hoffe, dass ich letztlich zehn bis 15 Prozent der Stimmen bekomme", so der Taunussteiner. "Die Bürger sollen mich wählen, weil ich für ihre Sorgen und Nöte immer ein offenes Ohr habe." Resch steht, so sagt er, für eine fachgerechte und nachhaltige Umweltpolitik sowie für eine starke Armee. Seinen Konkurrenten Klaus-Peter Willsch (CDU) schätze der 56-Jährige den eigenen Angaben zufolge sehr. "Ich wünsche ihm alles Gute für die Wahl."

Resch hofft, dass die AfD bundesweit 20 Prozent der Stimmen bekommt. "Unsere Forderung zur Wiederherstellung der Freiheit muss Gehör finden", betont der Direktkandidat. "Bevor wir die Welt retten, sollten wir erst einmal in Deutschland anfangen."

Fortsetzung folgt

Wir porträtieren bis zur Bundestagswahl am 26. September jeweils alle sechs Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien in unseren beiden hessischen Wahlkreisen.

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