1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg

Limburg-Weilburg: Die Zahl der Messdiener sinkt rapide

Erstellt:

Von: Sabine Rauch

Kommentare

Es gibt immer weniger Messdiener.
Es gibt immer weniger Messdiener. © Rainer Rüffer

In manchen Kirchorten muss der Pfarrer ganz ohne auskommen

Limburg-Weilburg -Es gab mal eine Zeit, in der sich Jungs darum rissen, Messdiener zu sein. Ob aus Frömmigkeit, oder weil sie für die Gottesdienste von der Schule befreit waren, sei mal dahingestellt. Diese Zeit ist jedenfalls lange vorbei. Die Morgenmesse findet an Werktagen längst ohne Ministranten statt - wenn überhaupt. Und an Sonntagen haben oft immer dieselben Dienst. Einige Priester müssen inzwischen manchmal ohne Messdiener auskommen. Pfarrer Andreas Fuchs zum Beispiel. „In Hadamar ziehe ich seit geraumer Zeit alleine ein“, sagt er. In anderen Kirchorten der Pfarrgemeinde St. Johannes Nepomuk ist die Lage ein bisschen komfortabler, aber sogar in Obertiefenbach, wo es immer sehr viele Ministranten gab, seien es inzwischen nur noch ein paar.

Der Ministrantenmangel sei inzwischen ein bistumsweites Phänomen, sagt Florian Almeyda Sánchez aus dem Referat Ministrantenarbeit. Und das nicht erst, seit die Pandemie Gottesdienste erst unmöglich gemacht und dann erschwert hat. Aber seitdem ganz besonders.

Aktuelle Zahlen gibt es keine, aber schon bei der letzten Zählung, im Sommer 2021, waren es im Bistum Limburg nur noch etwa 5800 Messdienerinnen und Messdiener und damit rund 34 Prozent weniger als bei einer Zählung im Jahr 2014.

„Corona hat den Rückgang der Ministrantenzahl rapide beschleunigt“, sagt Florian Almeyda Sánchez. Immerhin sei das Kerngeschäft der Minis fast zwei Jahre ausgefallen. Erst waren Gottesdienste verboten, dann konnten sie nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Der Wegfall der Sonntagspflicht hatte Folgen: Gerade Familien blieben den Gottesdiensten fern, der potenzielle Ministranten-Nachwuchs konnte gar nicht erleben, worum es geht. Und selbst die Minis mit Erfahrung sind nicht unbedingt wiedergekommen.

Am 17. September ist der nächste Minitag

Viele Pfarreien hätten sich wirklich bemüht, in Kontakt zu bleiben, sagt Florian Almeyda Sánchez. Sie hätten sich online getroffen und dann Ausflüge veranstaltet, hätten versucht, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und die Jugendlichen zu begeistern. Aber das ganze Engagement helfe nichts, wenn der Mittelpunkt wegfällt: der Gottesdienst. „Ohne Gottesdienst wird es beliebig.“ Denn das sei doch das Ziel: die Kinder und Jugendlichen für die Liturgie zu begeistern. Und das funktioniere nur, wenn sich die Freude und Begeisterung im Gottesdienst überträgt. „Die Kinder und Jugendlichen müssen den liturgischen Dienst als etwas Erstrebenswertes erleben“, sagt Florian Almeyda Sánchez. Nicht umsonst ist „1000 gute Gründe“ das Motto des nächsten Minitages. Am 17. September findet nach der Corona-Pause wieder ein Minitag im Bistum statt. Ein Höhepunkt und gemeinsamer Abschluss des Tages wird ein Open-Air-Gottesdienst im Bischofsgarten mit Bischof Georg Bätzing sein. Der Einzug aller Ministrantinnen und Ministranten werde sicher ein besonderes Erlebnis.

Und vielleicht auch eine Inspiration. Jedenfalls zeige die Erfahrung, dass es einfacher ist, neue Messdienerinnen und Messdiener zu gewinnen, wenn schon viele da sind, sagt Florian Almeyda Sánchez. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die Dompfarrei keine Ministranten-Sorgen hat. „Gott sei dank sind wir in einer glücklichen Lage“, sagt Bruder Elmar Moosbrugger, der Küster. Bei manchen Pontifikalämtern sei es gar nicht so einfach, die Aufgaben so zu verteilen, dass sich niemand überflüssig vorkommt. Natürlich hat die Fülle auch damit zu tun, dass eine Messe im Dom sowieso etwas ganz Besonderes ist. Aber sie sei auch den Domschwestern zu verdanken, die nicht nur regelmäßig mit den Ministranten proben und ihnen die Schönheit der Zeremonien näher bringen, sondern auch fürs Rahmenprogramm sorgen. „Es ist wichtig, dass sich die jungen Leute ganz persönlich angesprochen fühlen.“ Dann kämen sie auch. „Und so ein Hochamt mit acht bis zehn Messdienern gibt der Liturgie eine Feierlichkeit, die einfach schön ist.“

Das weiß auch Kaplan Eronim Varga von der Pfarrei St. Peter und Paul Bad Camberg. Rund 180 Ministrantinnen und Ministranten gebe es in seiner Pfarrei, in dem einen Ort mehr in dem anderen weniger. In Würges zum Beispiel sei keines der Kommunionkinder Messdiener geworden, in Niederselters sei gerade mal einer dazugekommen. In der Corona-Zeit sei es einfach schwierig gewesen, das Interesse der Kinder zu wecken. „Es ist nicht mehr so einfach wie früher“, sagt Kaplan Eronim Varga. Deshalb setzt auch er auf Rahmenprogramm: Einen Ausflug in den Freizeitpark, Spielnachmittage. Und natürlich regelmäßige Treffen für Jugendliche, um gemeinsam zu beten und über den Glauben zu sprechen. „Katechese und Gemeinschaft.“ Es sei wichtig, eine Verbindung zu schaffen, sagt Eronim Varga. Wenn es gelinge, die jungen Menschen in die Kirche zu bringen, sie für den Glauben zu begeistern und ihnen die Schönheit der Liturgie näher zu bringen, dann blieben sie auch viele Jahre im Dienst. In Bad Camberg gebe es Messdiener, die längst in der Ausbildung sind oder studieren.

Die Kinder lernen am Vorbild

Davon träumt Pfarrer Andreas Fuchs. Denn auch Messdiener lernen am Vorbild. Er hofft jetzt in Hadamar auf die Kommunionkinder und auf Chiara Bausch, eine ehemalige Ministrantin. Sie könnte den Neuen zeigen, worum es es geht. Denn so sei es am besten, sagt Pfarrer Andreas Fuchs. Dass die älteren Messdiener die jungen ausbilden, damit die langsam in den Dienst hineinwachsen können. Auf die Dauer wolle er jedenfalls nicht auf die liturgischen Dienste verzichten, sagt Pfarrer Andreas Fuchs. Und auch nicht auf den pädagogischen Aspekt. Denn die Übernahme der Dienste sei ja auch eine Bestätigung für die Kinder und Jugendlichen, lehre sie, Verantwortung zu übernehmen und in der Öffentlichkeit zu stehen, zeige dass sie gebraucht werden. Und zeige ihnen, welche unterschiedlichen Aufgaben es in der Kirche gibt, nicht nur in der Liturgie, sondern auch in den Gremien, in der Jugendvertretung, im Pfarrgemeinderat. „Die Menschen, die bei uns in den Gremien sitzen, waren in der Regel früher Messdiener“, sagt Pfarrer Andreas Fuchs. „So kann man in die Kirche hineinwachsen.“

Auch interessant

Kommentare