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Limburg-Weilburg: Gemeinsam junge Leute in Ausbildung bringen

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Von: Sebastian Semrau

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Vertreterinnen und Vertreter viele Institutionen trafen sich gestern bei der IHK Limburg mit Olov-Koordinatorin Jutta Golinski (rechts), um die Olov-Zielvereinbarungen zu unterzeichnen.
Vertreterinnen und Vertreter viele Institutionen trafen sich gestern bei der IHK Limburg mit Olov-Koordinatorin Jutta Golinski (rechts), um die Olov-Zielvereinbarungen zu unterzeichnen. © Sebastian Semrau

Viele Institutionen wollen gemeinsam den Übergang Schule - Beruf verbessern

Limburg-Weilburg -Es ist ein "sperriges Wort" und doch "für die Region wertvoll", wie Jutta Golinski, Geschäftsbereichsleiterin Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg, betont. Am Montag haben Vertreter mehrerer für die Ausbildung wichtige Institutionen bei der IHK die "Olov-Zielvereinbarungen" unterschrieben. Sperrig vor allem wird Olov dann, wenn man es ausschreibt: Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang - Beruf. Wie wichtig das ist, zeigen die in der vergangenen Woche veröffentlichten Zahlen zum Ausbildungsmarkt der Agentur für Arbeit: So ist die Zahl der Ausbildungssuchenden im Landkreis Limburg-Weilburg in den vergangenen sieben Jahren um ein Viertel geschrumpft.

Dagegen wird mit Olov bereits seit 2008 angekämpft - und nun weiter für drei Jahre. Die Zielvereinbarungen haben dabei die IHK, die Handwerkskammer, das Staatliche Schulamt, die Agentur für Arbeit, der Landkreis, die kreiseigene und gemeinnützige Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung (GAB), der Kreiselternbeirat und nun auch die Kreisvolkshochschule. Sie gehören auch der Olov-Steuerungsgruppe an.

"Wir brauchen den regionalen Rückhalt", sagt Golinski darüber, dass damit alle für die Ausbildung namhaften Institutionen im Kreis vertreten sind. Es zeige auch, dass man sich in die richtige Richtung bewege. Golinski ist für Olov verantwortlich, seit die IHK 2019 die Leitung übernommen hat. Vorher waren es von 2008 bis 2012 die Arbeitsagentur und von 2013 bis 2018 die Kreishandwerkerschaft.

Gefördert wird das Programm vom Land Hessen, das 28 "Olov-Regionen" entsprechend den Gebietskörperschaften des Landes gebildet hat, und der Europäischen Union. 24 000 Euro stehen dabei jeder Region jährlich zu. Davon werden vor allem Personalkosten getragen. Im Landkreis Limburg-Weilburg etwa wird immer eine "Olov-Assistenz" beschäftigt. Da aber nicht alle Kreise ihre Möglichkeiten ausschöpfen, sind auch immer wieder Sondermittel erhältlich. Für die Kampagne "Gönn Dir . . . eine duale Ausbildung" etwa gab es 36 400 Euro an Sondermitteln. "Wir generieren enorme Mittel für die Region", erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer.

Auch ein Oberziel wird in der Olov-Zielvereinbarung für Region Limburg-Weilburg, die sich an den Vorgaben des Ministeriums orientiert, formuliert: "Stärkung der Region durch Minimierung des Wegzugs und Bindung Jugendlicher an die heimische Region, bei gleichzeitiger Steigerung und Förderung der Vermittlung in das duale System und allgemeiner Verbesserung der Berufsorientierung."

Anteil der Azubis immer weiter gesunken

Von Anfang an sei das Ziel gewesen, junge Leute in Ausbildung zu bringen, sagt die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar, Angelika Berbuir. Wie wichtig das Ganze ist, kann sie auch mit Zahlen unterlegen. So lag der Anteil der Auszubildenden an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in den 1960er Jahren noch bei fast 20 Prozent. Noch viel länger waren die Werte zweistellig. Heute sind es im Landkreis Limburg-Weilburg nur noch 4,8 Prozent - was aber immer noch besser ist als in Hessen (3,9 Prozent) und bundesweit (4,3).

"Wir haben im Vergleich gute Zahlen", freut sich Golinski. Dies liege auch am vorbildlichen Austausch der Institutionen. Der soll durch Olov weiter intensiviert werden. "Viele junge Menschen, die sich im Übergang von der Schule in den Beruf befinden, benötigen Unterstützung und Orientierung. Und hier müssen alle an diesem Prozess beteiligten Institutionen Hand in Hand arbeiten", betont Monika Sommer.

Jahrgänge werden weiterhin kleiner

Die IHK-Hauptgeschäftsführerin berichtet auch noch von einer positiven Entwicklung im Kreis: "Insgesamt wurden im Jahr 2021 bis Ende September bei der IHK Limburg 531 neue Ausbildungsverhältnisse eingetragen." Dies sei ein Plus von 9 Prozent. Hessenweit hätten die Industrie- und Handelskammer dagegen ein Minus von 0,2 Prozent verzeichnet.

Berbuir kennt dennoch die Probleme. Die Jahrgänge werden weiterhin kleiner. Dazu kommt das weitere Nachlassen der Nachfrage nach einer betrieblichen Ausbildung. Die Chefin der Arbeitsagentur spricht von quantitativen und qualitativen Problemen - auch wenn dies in diesem Jahr einmal anders war: Bei 5 Prozent weniger Schulabgängern sank die Zahl der gemeldeten Bewerber nur um 3,6 Prozent. Ein weiteres Problem für die Region ist, dass nach Zahlen der Agentur mehr Auszubildende aus dem Kreis heraus pendeln als hinein. Es gibt 704 Einpendler und 1251 Auspendler. 1974 junge Menschen leben im Landkreis und machen dort auch ihre Lehre.

Trotz der Erfolge bleibt also einiges zu tun. Die Olov-Strategie soll dabei weiter helfen. "Sie ist ein Paradebeispiel, wie eine Region zum Wohle der Ausbildung zusammenarbeitet", sagt IHK-Präsident Ulrich Heep. Dies sei wichtig, "damit wir auch morgen noch genügend Fachkräfte im Landkreis haben", ergänzt Landrat Michael Köberle (CDU). Der Geschäftsführer der Handwerkskammer, Stefan Laßmann, ergänzt, dass viele immer noch nicht wüssten, dass eine duale Ausbildung ein guter Start ins Berufsleben sei und anschließend viele Möglichkeiten biete.

Auch Handwerkspräsident Wolfram Uhe ist ein Anhänger der Strategie. Er betont zudem: "Wir brauchen zugewanderte Menschen." Diese müssten mehr an die Hand genommen werden, damit sie nicht, wie es derzeit häufig geschehe, "in ungelernten Jobs verschwinden". Ein Thema, dem sich die Olov-Verantwortlichen um Jutta Golinski nun stellen wollen.

Die Kampagne "Gönn Dir"

Die Kampagne "Gönn Dir . . . eine duale Ausbildung" ist derzeit das zentrale Projekt der regionalen Olov-Gruppe im Landkreis Limburg-Weilburg. "Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Webseite", sagt die regionale Olov-Koordinatorin Jutta Golinksi. Unter www.goenn-dir-eine-ausbildung.de ist diese erreichbar. Genutzt wurde für diese Idee das im Jugendsprachgebrauch verbreitete "Gönn Dir". Dies ist positiv belegt und steht für "sich etwas Gutes tun" - suggeriert werden soll, dass man sich mit einer dualen Ausbildung etwas Gutes tut.

Gestartet wurde die Kampagne im November 2019. Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler die sich gerade oder perspektivisch für eine Ausbildung interessieren, unzufriedene Schülerinnen und Schüler, die vor kurzem auf ein Gymnasium gewechselt sind und insgesamt junge Menschen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Und da zählt natürlich nicht nur die Internetseite, sondern auch die Präsenz in sozialen Medien. Also ist man auch bei Facebook, Instagram und Youtube präsent.

Plakate und Flyer gehören genauso zur Kampagne wie auch mittlerweile fünf Filme. In einem etwa erläutern Prominente aus dem Kreis wie der Landrat oder Sternekoch Alexander Hohlwein, wie sie es von der Ausbildung an die Spitze geschafft haben. "Die Prominenz soll Eltern ansprechen", erklärt Golinski. Auch ein Spot fürs Limburger Kino wurde erstellt. Nach Dezember 2019 soll dort nun in diesem Dezember erneut geworben werden. Dafür gab es jeweils 2000 Euro an Sondermitteln.

"Die Kampagne ist immer noch im Aufbau", sagt Golinski. Auch neue Schulen gewinne man weiterhin dazu. "Zehn bis zwölf machen bereits toll mit." An der Erlenbachschule in Elz, der Westerwaldschule in Waldernbach und der Theodor-Heuss Schule in Limburg werden zudem Mutmacher-Seminare des Start-Ups "Mein mutiger Weg" für moderne Berufsorientierung veranstaltet. Dafür stehen Sondermittel in Höhe von 10 000 Euro zur Verfügung. Geplant ist an einem Samstag im März 2022 ein "Tag der Betriebe", an dem alle Unternehmen im Landkreis die Möglichkeit haben sollen, ihre Pforten für potenziellen Nachwuchs zu öffnen.

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