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Mit einer Lupe werden zwei 50-Euro-Banknoten in Augenschein genommen. Auch ein junger Mann aus dem Kreis Limburg-Weilburg soll versucht haben, sich Falschgeld zu verschaffen. (Symbolbild)

20 Tatverdächtige aus Deutschland

Ermittler durchsuchen Wohnungen aus Hessen: Was sie finden, verblüfft

Bei europaweiten Wohnungsdurchsuchungen führen Ermittler auch in Hessen Durchsuchungen durch. Unter anderem finden sie in Limburg-Weilburg Verblüffendes.

Limburg-Weilburg - Wegen des Verdachts des Erwerbs von Falschgeld im Darknet (anonymisierte Internet-Plattform) ist auch ein 19-Jähriger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg ins Visier der Justizbehörden geraten. Bei Wohnungsdurchsuchungen in ganz Europa war auch die Wohnung des 19-Jährigen aus einer Kommune im Landkreis dabei, wie der stellvertretende Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Georg Ungefuk, auf Anfrage mitteilte.

Allein in Deutschland sind 20 Tatverdächtige in sieben Bundesländern betroffen. Ihnen wird vorgeworfen, sich im Internet Falschgeld besorgt zu haben, das sie mit digitaler Währung bezahlt und sich per Post sollen zugeschickt haben lassen. Bei dem von den deutschen Tatverdächtigen mutmaßlich erworbenen Falschgeld handelt es sich nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt um 50-Euro- und 10-Euro-Banknoten.

Darknet: Tatverdächtige zwischen 15 und 59 Jahre alt

Die Beschuldigten im Alter von 15 bis 59 Jahren stehen im Verdacht, zwischen Dezember 2018 und Juli 2019 auf illegalen Handelsplattformen im Darknet sowie über verschlüsselte Messenger-Dienste dieses Falschgeld gekauft zu haben. Dieses ist mutmaßlich in Portugal hergestellt worden.

Im Juli hatte eine Spezialabteilung der portugiesischen Polizei den Hersteller des Falschgelds in einer Provinz im Westen des Landes ausfindig gemacht - in Catanhede, einem Landkreis, dessen Hauptort gerade einmal knapp 8000 Einwohner hat und der international vor allem durch seinen Rotwein bekannt ist. Fünf mutmaßliche Hersteller und Verkäufer von Falschgeld wurden in Portugal, aber auch in Kolumbien festgenommen.

Bei den Wohnungsdurchsuchungen, die zwischen dem 9. und 16. Dezember stattfanden, konnte die Polizei zahlreiche Beweismittel sicherstellen - neben Falschgeld, Drogen, gefälschten Ausweisen, Materialien zur Fälschung amtlicher Ausweise, Waffen und Munition auch Computer, Tablets, Smartphones und Datenträger. Ermittelt wird auch wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Betäubungsmittelgesetz.

In Hessen sind neben der Wohnung im heimischen Landkreis auch drei Wohnungen in Frankfurt und eine im Landkreis Gießen durchsucht worden. Die meisten Durchsuchungen gab es in Baden-Württemberg. Aber auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg schlugen die Fahnder zu.

Weitere Durchsuchungen fanden in Frankreich, Griechenland, Luxemburg, Irland, Österreich und Spanien statt. Die europäische Polizeibehörde Europol koordinierte die europaweiten operativen Maßnahmen. In Deutschland war die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit dem Bundeskriminalamt und mit den Polizeidienststellen der Bundesländer involviert. Unterstützung gab es zudem von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg (Zentralstelle Cybercrime Bayern) sowie der Staatsanwaltschaft Köln (Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW).

Strafbar ist nicht allein, Falschgeld in Umlauf zu bringen. Mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr wird auch derjenige bestraft, der sich falsches Geld in dieser Absicht verschafft oder anbietet. Deutlich höher fallen die Strafen aus, wenn falsches Geld als echt in Verkehr gebracht wird - dann drohen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Und: Schon der Versuch ist strafbar. 

red/dick

So funktioniert das Darknet

Wer Waffen, Drogen oder Falschgeld kaufen oder verkaufen möchte, wird im sogenannten Darknet aktiv. Das ist wörtlich übersetzt ein "dunkles Netz", das man mit entsprechender Software im Internet findet; im Grunde handelt es sich um einen unkontrollierten, digitalen Schwarzmarkt.

Im normalen Internet - um sich zu informieren, Filme zu schauen, Spiele zu spielen oder einzukaufen - greifen die Nutzer in der Regel auf einen Server zu, auf dem alle diese Inhalte gespeichert sind und nachverfolgt werden können. Das Darknet funktioniert ohne einen zentralen Server und ist dadurch sehr viel anonymer, weil es einen persönlichen Verbindungsaufbau zwischen einzelnen Rechnern gibt. So schnell diese Verbindungen aufgebaut sind, so schnell können sie auch wieder verschwinden - so, als ob ein Schwarzhändler auf der Straße eine dunkle Hausecke nie wieder aufsucht. Das Darknet ist also kein einziges einheitliches Netz, vielmehr gibt es zahlreiche solcher mitunter kleinsten Netzwerke.

Nicht alles im Darknet ist automatisch illegal, aber wer online illegale Geschäfte abwickeln will, bewegt sich hier. Gezahlt wird mit anonymen Währungen wie zum Beispiel Bitcoins. Das ist digitales Bargeld, das nicht physisch aus Münzen oder Scheinen besteht, sondern rein digital - mit entsprechenden Währungsschwankungen. 

red

Schrecklicher Fund auf einem Parkplatz bei Marburg: Ein Hund lag in einem Altkleidercontainer. Er war zuvor als gestohlen gemeldet worden.

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