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Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen auf einem Eichenstamm entlang. Ihre Haare machen sie so gefährlich. 

Klein aber oho

Gefährlich: Dieses Insekt breitet sich in Limburg-Weilburg immer weiter aus

Im hessischen Limburg-Weilburg breitet sich eine Raupe immer weiter aus. Bestimmte Bereiche in der Gegend sind abgesperrt. 

Limburg-Weilburg -  Sie sind klein, unscheinbar aber trotzdem gefährlich. Eichenprozessionsspinner belagern derzeit viele Bäume in der Region. Der Kontakt mit den Brennhaaren der Raupen kann zu verschiedensten gesundheitlichen Schädigungen führen. Wie kann man sich vor dem Tier schützen? Und warum gibt es in diesem Sommer so viele Eichenprozessionsspinner in der Region? Werner Wernecke, Leitender Forstdirektor des Forstamtes Weilburg, klärt auf:

"Aus fast allen Gemeinden und Städten im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Weilburg liegen Informationen vor, nach denen in verschiedenen zugehörigen Ortsteilen der Eichenprozessionsspinner innerhalb der Ortslage oder aber im Wald an Eichen festgestellt worden ist", sagt er. Zunächst sei das Forstamt davon ausgegangen, dass die Raupe tiefergelegene und warme Bereiche wie das Limburger Becken oder das Lahntal bevorzuge. Inzwischen sei das Tier allerdings bereits bis in die Plateau-Lagen des hohen Westerwaldes vorgedrungen.

Und das kann fatale Folgen für die Menschen haben: "Kontakt mit den Raupenhaaren kann zu Hautreizungen, Juckreiz, Ausschlag bis hin zu starken allergischen Reaktionen führen. Weiterhin kommen akute Augenreizungen und Reizungen der Atemwege bis hin zu Atemnot vor", erklärt Wernecke. In Einzelfällen könne es zu allergischen Schockreaktionen kommen.

Die gesundheitlichen Gefahren treten auf, wenn der Mensch in Kontakt mit den Brennhaaren kommt, die das Eiweißgift Thaumetopoein enthalten. Eine ausgewachsene Raupe besitzt etwa 600 000 dieser gefährlichen Haare. "Sie haben Widerhaken, so dass sie leicht in die menschliche Haut eindringen können", sagt der Forstdirektor. Und nicht nur der direkte Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner kann gefährlich sein: Die giftigen Haare verbreiten sich auch durch Wind.

Mit den Nestern sollte man ebenfalls nicht in Berührung kommen, da alte Raupenhäute inklusive der Brennhaare zum Schutz vor natürlichen Feinden in die Nester eingewebt sind.

Limburg-Weilburg: Hinweise auf Gefährdung

Befallene Areale sollten unbedingt gemieden werden, sagt der Förster. Deshalb weise das Forstamt an stark frequentierten Waldbereichen oder Waldrändern auch auf die Gefährdung hin. "Einzelne Flächen werden abgesperrt oder der Besucherverkehr durch Markierungen umgeleitet", erklärt Wernecke. In manchen Fällen sei die Bekämpfung der Raupen absolut notwendig. Besonders innerorts sowie an Schulen, Kindergärten, Friedhöfen und Parkanlagen vernichte man die Tiere.

Nicht nur Menschen werden die Haare gefährlich, auch für Hunde und Katzen kann Kontakt schädlich sein. Haustiere seien zwar durch ihr Fell geschützt, allerdings belecken Hund und Katze die betroffene Fellstelle des Öfteren. "Dies kann zu starken Schwellungen im Kopfbereich und zu schweren Verätzungen der Zunge führen."

Klimaerwärmung für Ausbreitung verantwortlich? 

Experten machen die Klimaerwärmung für die rasche Ausbreitung des Eichenprozessionsspinner verantwortlich. "Von einer fortgesetzten starken Ausbreitungstendenz ist auszugehen." Und davon, dass die Raupen ein Eingreifen notwendig machen: Das Zeltlager des TV Niederselters auf dem Sportplatz in Haintchen musste wegen der Tiere unterbrochen werden. 

Mitarbeiter des Bauhofes haben die Tiere von den Zelten abgespritzt. Anschließend sei das komplette Lager ein paar Meter weitergezogen, "bevor die Kinder ihre Zelte wieder betreten konnten", erklärt Michael Gros von der Gemeinde. Auf dem Parkplatz des Niederselterser Schwimmbades hatte sich der Eichenprozessionsspinner ebenfalls ausgebreitet. Dort konnten die Nester mit einem Hubsteiger erreicht und vernichtet werden.

An der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar mussten einige Hecken neben dem Sportfeld gesperrt werden. Mittlerweile sei der Bereich wieder frei zugänglich, da die Tiere entfernt wurden. Die Hadamarer Kommunalpolitiker haben nun außerplanmäßig 25 000 Euro in den Haushalt gestellt, um den Eichenprozessionsspinner stärker bekämpfen zu können, denn nicht nur in der Hadamarer Schule sorgt das Tier für Ausschlag und juckende Haut. Auch in Oberzeuzheim klagen die Bürger vermehrt über die starke Präsenz der Raupe.

Oliver Keßler, Sprecher des Regierungspräsidiums Gießen, erklärt, dass für die Beseitigung der Abfälle, die durch die Bekämpfung entstehen, die jeweiligen Kreise verantwortlich sind. Sie müssten die Überreste annehmen und in zugelassenen Abfallverbrennungsanlagen beseitigen. Eine Kompostierung sei genauso verboten, wie das eigenständige Verbrennen der Tiere und Nester.

Auf keinen Fall sollte man den Eichenprozessionsspinner selbst entfernen. "Solche Experimente gefährden nicht nur die eigene Gesundheit. Es wird möglicherweise ein noch größerer Schaden riskiert", sagt Keßler. Das Entfernen des Eichenprozessionsspinners sei eine Aufgabe für den Fachmann.

Von Tobias Ketter 

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