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Limburg-Weilburg: Holzpreise werden noch weiter ansteigen

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Von: Tobias Ketter

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Die Preise für Holz sind gestiegen.
Die Preise für Holz sind gestiegen. © msc

Nicht nur Gas wird teurer: Mehr Nachfrage und weniger Angebote beim Forst

Limburg-Weilburg -Der Ukraine-Krieg, Corona und der Klimawandel belasten die Weltwirtschaft. Globale Krisen gibt es derzeit freilich einige. Das sorgt dafür, dass die Preise für verschiedene Produkte steigen. Besonders beim Gas und bei den Lebensmitteln bekommen dies auch die Bürger der Region aktuell mehr denn je zu spüren. Doch wie haben sich eigentlich die Holzpreise in den vergangenen Monaten und Jahren entwickelt? Und wie hoch ist die Nachfrage in diesem Sommer? Armin Wiche, Bereichsleiter der Produktion beim Forstamt Weilmünster, kennt die Antworten.

"Die Märkte für Nadelholz sind sehr lebhaft und in den vergangenen Monaten sind sprunghaft gestiegene Preise zu verzeichnen", sagt Wiche. Das liege einerseits an den Angebotsverknappungen bei den heimischen Forstbetrieben und andererseits an den unterbrochenen Lieferketten, welche durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg entstanden seien. "Die Preise waren bis 2020 völlig zusammengebrochen. Nun liegen sie aber deutlich über dem Niveau von vor den Dürrejahren", erklärt der Experte. Den Angaben von Wiche zufolge seien auch die Preise für Laubholz gestiegen. Unterschiede in den verschiedenen Sektoren der Holzverwertung gebe es in Bezug auf den Preisanstieg kaum. Sowohl beim Bau- und Industrieholz als auch beim Brennholz und bei den Hackschnitzeln habe das Forstamt insgesamt deutliche Preiserhöhung festgestellt. Konkrete Angaben zur prozentualen Preissteigerung wollte Wiche allerdings nicht machen. Das Magazin Focus berichtete in der vergangenen Wochen von einem Preisanstieg bei den Holzbriketts von mehr als 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Nachfrage spiele bei der Preisentwicklung eine entscheidende Rolle, weiß Wiche. "Wenn bei großer Nachfrage das Angebot an Rohholzprodukten durch die heimischen Forstbetriebe nicht mehr im gewohnten Maß bereitgestellt werden kann und sich durch Importrestriktionen nochmals das Angebot für die heimische Industrie verringert, sind Preissprünge die logische Folge", sagt er. Insbesondere beim Bauholz bestehe ein Nachfrageüberhang. Und auch die Nachfrage nach Laubholz sei vonseiten der Sägeindustrie sehr hoch. Das betreffe hauptsächlich die Baumarten Buche und Eiche.

Zeitweise Überangebot

Und wie beeinflusst der Zustand des heimischen Waldes die Preisentwicklung? "Extremwetter wie beispielsweise der Orkan Friederike im Januar 2018 und die Dürrejahre seit 2018 sind unstrittig Folgen der Klimaveränderung", sagt Wiche. Durch diese Ereignisse und den damit verbundenen Borkenkäferbefall seien besonders die Fichtenbestände in einem "epochalen Ausmaß" vernichtet worden. "Während der Räumung der Schadflächen fielen innerhalb kurzer Zeit große Mengen Fichtenschadholz an. Auch wegen des Erhalts der Qualität musste das Holz zügig aufgearbeitet werden", berichtet der Forstamtmitarbeiter. Die Sägewerke und holzverarbeitende Industrie seien teilweise durch das herrschende Überangebot nicht mehr aufnahmefähig gewesen. "Nun sind diese Überhänge aber abgebaut. Da die Vorräte der Fichte in unseren Wäldern erheblich zurückgegangen sind, ist eine nachhaltiges Angebot wie vor 2018 nicht mehr möglich", so Wiche. Wo nichts mehr stehe, könne auch nichts geerntet werden. Und der Verlust von sehr vieler Fichtenbeständen könne auch nicht vollständig durch Nutzung anderer Baumarten wie beispielsweise der Kiefer sowie der Douglasie kompensiert werden. Das Angebot sinkt also bei gleichzeitig steigender Nachfrage.

Laut Wiche werde sich die schwierige Situation für die Verbraucher zeitnah nicht verbessern. "Die Preise für alle Baumarten und Verwendungszwecke steigen mutmaßlich noch weiter an", sagt er. "Sie werden spätestens dann gedeckelt, wenn die finanzielle Belastbarkeit der Kunden erreicht ist."

Trotz der angespannten Preissituation sei die Nutzung von Bau- und Brennholz sinnvoll. Die Verwendung von Holz im Bausektor schütze nämlich das Klima. Denn der Rohstoff binde große Mengen Kohlenstoffdioxid. Und Brennholz sei bei der energetischen Verwendung CO2-neutral. Bei der Verbrennung von Holz werde nämlich nur so viel Kohlenstoffdioxid abgegeben, wie der Baum während seines Wachstums aufgenommen habe. Brennholz sei zudem ein nachwachsender und effizienter Rohstoff, der oft regional geerntet werde. Ein Raummeter trockenes Buchenscheitholz könne 190 Liter Heizöl ersetzen.

Und profitiert das Forstamt eigentlich von den Preissteigerungen? "Stabile und angemessene Preise sind für den Forstbetrieb und auch für die Kunden im Hinblick auf Planungssicherheit und Kostenkalkulation die beste Situation", berichtet Wiche. Das aktuell sehr hohe Preisniveau beschere aber mehr Erlöse und sei deshalb begrüßenswert. "Ein schneller Preisverfall, wie bei den Überangeboten von Fichtenrohholz in 2019 und 2020 ist für die Forstbetriebe hingegen wirtschaftlich schwierig", sagt der Experte.

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