Dr. Johannes Löw beim Imfpen eines Patienten gegen das Coronavirus. "Im Vergleich zu den Imfpzentren können wir schneller und unbürokratischer impfen", sagt der Allgemeinmediziner. foto: privat
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Dr. Johannes Löw beim Imfpen eines Patienten gegen das Coronavirus. "Im Vergleich zu den Imfpzentren können wir schneller und unbürokratischer impfen", sagt der Allgemeinmediziner.

Kampf gegen das Coronavirus

Limburg-Weilburg: "Impfen, impfen, impfen!"

Die Hausärzte würden gern noch mehr tun - gäbe es nur mehr Impfstoff

Limburg-Weilburg -Das Dehrner Zentrum für Allgemeinmedizin von Dr. Johannes Löw, Dr. Melanie Löw und von Dr. Kristoffer Loos hatte in den beiden Wochen nach Ostern insgesamt 300 Impfdosen geordert, aber nur 156 geliefert bekommen: 102 in der ersten und 54 in der zweiten Woche, wie Johannes Löw berichtet. Nach Aussage der Apotheke habe die größere Menge in der ersten Woche daran gelegen, dass zwei andere Praxen, die sonst dort Sprechstundenbedarf beziehen, weniger Impfstoff geordert haben.

Die Nachfrage nach Impfungen gegen Covid 19 sei riesig, berichtet Löw. "Bereits in der ersten Minute hatten wir fast 50 E-Mails zur Anmeldung gehabt. Insgesamt waren es an dem Mittwoch nach Ostern über 300." Dazu seien noch viele Anfragen per Telefon oder persönlich gekommen. Löw bedauert, dass angesichts dieser enormen Nachfrage die Impfstofflieferung auch in der kommenden Woche nicht steigen werde.

In den vergangenen beiden Wochen habe die Dehrner Praxis ausschließlich Impfstoff von Biontech erhalten. In dieser Woche seien 18 Impfungen mit Biontech und 30 Impfungen mit Astrazeneca zugesagt, also insgesamt 48. Die Ankündigungen aus der Politik, dass die Impfstoffmenge, die den Arztpraxen zur Verfügung stehen soll, kontinuierlich steigen soll, habe sich nicht bewahrheitet, bemängelt Löw. Auch viele Kollegen hätten dasselbe Problem: viel zu wenig Impfstoff.

Schnelle und unbürokratischer

Die anhaltende Bevorzugung der Impfzentren sähen viele Ärzte kritisch, sagte Löw. "Wir können schneller und unbürokratischer impfen. Von den Patienten, die im Impfzentrum geimpft wurden, wird meistens berichtet, dass es mindestens 30 bis 45 Minuten dauert, bis man durch ist. Bei den Allgemeinmedizinern sind es oft nur Minuten." Die Bevorzugung der Impfzentren sei deshalb nicht nachvollziehbar. "Wir haben 102 Dosen in zweieinhalb Stunden an die Patienten verimpft und sind damit deutlich effektiver als die Impfzentren", sagt der Dehrner Mediziner. "Das höhere Tempo liegt vor allem daran, dass wir aus unseren Unterlagen heraus direkt ersehen, ob eine Impfpriorisierung vorliegt oder nicht." Erfreulich sei, dass die Patienten die Impfpriorisierung "im Großen und Ganzen" akzeptiert hätten, so Johannes Löw. Allerdings gebe es auch eine große Zahl von Patienten, die sich per E-Mail angemeldet hätten, ohne dass eine Priorisierung vorliege.

Ärgerlich findet Johannes Löw, dass es Patienten gebe, die in den Impfzentren Termine, bei denen Astrazeneca geimpft werden soll, einfach nicht wahrnehmen und dann bei ihm in der Praxis mit Biontech geimpft werden wollen. Das sei nicht sehr solidarisch, meint der Mediziner. So sei es für einen gesunden 70-Jährigen unbedenklich, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen, während für den 50-jährigen Krebspatienten, der eine Chemotherapie mache, Biontech benötigt werde.

"Impfen, impfen, impfen", lautet auch das Credo des Limburger Allgemeinmediziners Klaus Lanio (52), der ebenfalls davon überzeugt ist, dass das Impfen bei den Hausärzten sehr viel besser sei als in Impfzentren - schon allein deshalb, weil jeder Hausarzt seine Patienten sehr gut kennt. Das Problem: Es hakt noch immer mit der Lieferung des bei den Apotheken bestellten Impfstoffs. "Ich kann diese Woche nur zwölf Patienten impfen, dabei würde ich auch am Wochenende und spätabends impfen, wenn ich denn nur könnte", sagt der Hausarzt. Nur mit Impfungen sei die Pandemie in den Griff zu kriegen.

Deshalb plädiert er auch dafür, Astrazeneca mehr Vertrauen zu schenken. Wie Biontech sei dies ein "sehr guter Impfstoff". Rund 400 Patienten stehen derzeit auf seiner Liste, die auf einen Impftermin in seiner Praxis warten, etwas mehr als 60 dieser Patienten habe er bislang impfen können.

Als Kreisverbandsarzt beim Deutschen Roten Kreuz Limburg gehörte Lanio zu den mobilen Teams, die nach Weihnachten in den Altenpflegeeinrichtungen im Landkreis impften; und auch im Impfzentrum ist er im Einsatz gewesen. Lanio hofft nun, dass von Mai an deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung steht und bis Spätsommer alle Bürger in diesem Land geimpft sind, die das wollen. Denn das Tückische am Coronavirus sei nicht nur der zum Teil schwere akute Krankheitsverlauf, sondern die Langzeitfolgen der Erkrankung, unter der mancher Patient noch wochen- oder monatelang leide.

In der Bad Camberger Gemeinschaftspraxis von Dr. Ivo Fadljevic, Dr. Arnold Klink, Dr. Jan Rußler und Werner Stuhlman werden besonders viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft. "Wir sind eine Pilot-Praxis mit Sonderstellung, so dass wir neben den Lieferungen aus den Apotheken zusätzliche Dosen von den Impfzentren erhalten", sagt Rußler. In den vergangenen 14 Tagen habe man rund 440 Personen die Spritze gegen das Virus verabreicht. Rußler rechnet damit, dass seine Praxis zukünftig weitere 80 Dosen pro Woche erhält. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Wir könnten die Anzahl der Impfungen sogar noch etwas steigern", sagt er.

In seiner Praxis werde sowohl mit Biontech als auch mit Astrazeneca geimpft. Beide Vakzine seien gut einsetzbar und es bestehe kein erhöhtes Gesundheitsrisiko, betont der Facharzt für Allgemeinmedizin. Allerdings gebe es bei Astrazeneca einen vermehrten Beratungsbedarf. "Vor der Verabreichung des Biontech-Impfstoffs fragen die Patienten dagegen eher selten nach einer Beratung." In der Bad Camberger Praxis werden derzeit alle Impfwilligen, die über 60 Jahre alt sind, ausschließlich mit Astrazeneca geimpft. Die Dosen von Biontech seien zunächst nur für die jüngeren Menschen vorgesehen.

Die Resonanz ist riesig

In der Arztpraxis wird nicht täglich geimpft. "Wir haben Impftage eingerichtet", erklärt Rußler. Diese seien meist dienstags und mittwochs sowie manchmal auch samstags. "Die Impfungen gegen das Coronavirus bringen einen großen Mehraufwand für alle Mitarbeiter mit sich", sagt der Allgemeinmediziner. Das Team leiste tolle Arbeit und die Menschen seien oftmals dankbar, dass sie nun die Möglichkeit bekommen, sich in der Praxis impfen zu lassen.

Wer dort seine erste Dosis erhält, bekommt zugleich auch schon einen Termin für die zweite Spritze. Die Ärzte der Gemeinschaftspraxis gehen nämlich davon aus, dass auch in den kommenden Wochen genügend Impfstoff vorhanden sein wird. "Wir wissen, dass die Impfung eine Wirksamkeit von mindestens sechs Monaten hat", sagt Rußler. "Es ist deshalb durchaus möglich, dass sich die Menschen im kommenden Jahr erneut gegen das Virus impfen lassen müssen." Sicher sei dies aber nicht.

Eine weitere Pilot-Praxis für Impfungen gegen Covid-19 ist in Elbtal. Hier impfen die Hausärzte Dr. Heinz Mastall, Karl Sokalla, Isabell Mastall und Björn Mastall seit Anfang April jeweils an einem Tag in der Woche. 125 Patienten hätten bereits die Immunisierungsspritze bekommen, berichtet Isabell Mastall. Die Resonanz auf das Impfangebot sei riesig, und "die Patienten sind sehr dankbar". Sie sind "glücklich, wenn wir sie anrufen", sagt die Medizinerin. Dass die Praxis sich strikt an die Vorgaben der Priorisierung halte und sämtliche Impfvorgänge gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung dokumentiere, sei selbstverständlich. Das sei aufwendig. Allerdings bestehe ein Vorteil der Hausarztpraxis gegenüber den Impfzentren darin, dass "wir unsere Patienten und deren Gesundheitszustand kennen".

Dass bislang ausschließlich das Vakzin von Biontech verimpft wurde, habe den Beratungsaufwand in der Sprechstunde bislang gering gehalten. Sobald es aber um das Mittel von Astrazeneca gehe, das demnächst in der Praxis verimpft wird, steige die Unsicherheit. Tatsächlich würden Patienten bereits abwinken, wenn ihnen eine Impfung mit diesem Vakzin angeboten würde. Viele wollten lieber auf das Biontech-Produkt warten. Nur: "Dann rutschen sie in der Priorisierung nach hinten", sagt Mastall. abv/tob/goe/dick

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