Erstklässlerin Eva Hoffmann mit Vater Thorsten und Mutter Nadine.
+
Erstklässlerin Eva Hoffmann mit Vater Thorsten und Mutter Nadine.

Einschulung

Limburg-Weilburg: Jede Klasse hat ihre eigene Feier

  • VonRobin Klöppel
    schließen

Viel Platz zwischen den Stühlen bei der Einschulung - Gottesdienst fiel aus

Limburg-Weilburg -Gestern und vorgestern wurden in der Region nach den Sommerferien die Erstklässler eingeschult. Durch die Corona-Pandemie konnten die Feierlichkeiten aber nicht so unbeschwert stattfinden wie in normalen Jahren. So auch in der Limburger Leo-Sternberg-Schule, wo 65 Erstklässler auf drei Klassen aufgeteilt ihren ersten Schultag erlebten.

Denn wer zu den Feiern rein wollte, musste am Eingang einen Nachweis vorlegen, dass er geimpft, genesen oder tagesfrisch getestet ist. "Normalerweise hätten wir für alle drei Klassen zusammen eine Feier organisiert. Diesmal haben wir pro Klasse eine Feier gemacht", berichtet Schulleiter Attilio Forte. So konnte zwischen den Stühlen der unterschiedlichen Familien der nötige Abstand gewahrt werden. Ein größeres Problem für viele Betroffene war die Beschränkung auf zwei Begleitpersonen pro Schüler. Die meisten der neuen Erstklässler der 1c hatten ihre Eltern mit. Es gab aber auch Fälle, wo der Oma den Vorzug vor dem Papa oder den Geschwistern vor den Eltern gegeben worden war.

Der Gottesdienst fiel, wie Forte erläutert, komplett aus, weil die Kirche für alle 65 Schüler plus je zwei Begleitpersonen unter den Corona-Bedingungen zu klein gewesen wäre. Und für drei Mal Gottesdienst wäre dem Schulleiter dann der Aufwand doch zu hoch gewesen. "Die aktuellen Einschränkungen führen auch dazu, dass bei der Einschulungsfeier niemand Musik macht und niemand singt", verrät Forte. Auch der Förderverein und die Schulseelsorge konnten sich in der verkürzten Feier nicht persönlich vorstellen. Folglich wurde Schülern und Eltern alles, was in der Schule von Belang ist, in einem Video vorgestellt.

Für Forte bedeuteten die Corona-Bedingungen auch einen erheblichen Arbeitsmehraufwand. Nicht nur aufgrund der größeren Zahl an Feiern, sondern weil er alles alleine managen musste. "Ich bin sozusagen heute auch selbst der Hausmeister", sagt er. So muss sich auch selbst um die Technik alleine kümmern. "Ich habe damals genauso aufgeregt wie ihr heute in der damals noch Lahntalschule heißenden Schule als Kind gesessen. Vielleicht wird ja jemand von euch auch irgendwann hier mal Schulleiter", meint er.

Viele Familien aus dem Ausland zurück

Die kommenden Tage werden die Erstklässler eher daran denken, dass die Corona-Pandemie noch längst nicht überstanden ist. Denn alle Schüler müssen nach Schuljahresbeginn - wie von oben verordnet - die ersten zwei Wochen in den sogenannten Präventionswochen die Masken nicht nur beim Gang durchs Gebäude und auf dem Schulhof in der Pause, sondern auch im Unterricht tragen. Das hat damit zu tun, dass viele Familien aus dem Ausland zurückkehrten. In einer Schule mit vielen Migrantenkindern wie der Sternberg-Schule sind es besonders viele. Der Schulleiter sagt: "Darum müssen wir alle Schüler und Lehrer aktuell auch wöchentlich drei und nicht wie vorher zwei Mal pro Woche testen".

Forte verrät offen, dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht gelungen sei, Corona komplett aus der Schule herauszuhalten. In vielen Wochen gab es seinen Aussagen nach "immer mal wieder einen Fall", wo der Schüler, teilweise auch seine Lerngruppe oder im schlimmsten Falle eine komplette Klasse vorübergehend zu Hause bleiben musste. Letzteres trat laut Forte kurz vor den Sommerferien auf, als die Schüler ohne Masken im Unterricht saßen, auch gemeinsam aßen und ein Kind sich die hochansteckende Delta-Variante eingefangen hatte.

Auch am Schulanfang merkt Attilio Forte stark, dass die Corona-Gefahr noch unter uns ist. Eine Familie beispielsweise stecke im Heimatland fest. Andere Eltern könnten vorerst ihre Kinder nicht in den Unterricht schicken, weil sie aus Risikogebieten zurückgekommen und jetzt erst einmal in Quarantäne seien.

Nadine Hoffmann berichtet über die eingeschulte Tochter Eva: "Sie trägt die Maske ohne zu meckern. Sie ist es ja nicht anders gewohnt." Man müsse sie nur manchmal dran erinnern, dass die Maske runtergerutscht sei. Ihr Mann Thorsten ergänzt, dass es nur schade sei, dass sie ihre kleinere Tochter wegen der Beschränkung auf zwei Begleitpersonen nicht hätten mitnehmen können. "Sonst feiern wir die Einschulung nicht anders, als wir sie sonst gefeiert hätten. Wir sind ja alle geimpft", berichtet der stolze Vater.

Eine andere Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, meint dagegen, dass ihrem Sohn das Masketragen etwas ausmache und die Einschulungsfeier auch nicht das Erlebnis sei, das man sich gewünscht habe. Mutter Ina Pitkowski hingegen sieht es gelassen: "Wir sind an die Corona-Bedingungen gewöhnt und akzeptieren sie. Für unseren Sohn Damian ist es kein Problem, die Maske zu tragen." Holger Mefest, der mit Frau Susan und Tochter Mathilda gekommen ist, sagt: "Ich finde es schade, dass wir nun schon das zweite Jahr in Folge von einer Einschulung unter Corona-Bedingungen betroffen sind. Und seit letztem Jahr hat sich nichts verbessert." Seine Frau ärgert sich auch ein bisschen, dass sich nicht bemüht wurde, wenigstens einen Gottesdienst möglich zu machen und auch anderen Verwandten beispielsweise über einen Livestream die Teilnahme zu ermöglichen. Denn Mathildas Großeltern waren extra für den Tag der Einschulung von weiter weg angereist und konnten vom Akt der Einschulung nichts miterleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare