Pfarrer Ulrich Finger beschreibt sich selbst als "bunten Vogel". Das hat ihn kreisweit bekannt gemacht und ihm bei der Kommunalwahl viele Stimmen beschert.
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Pfarrer Ulrich Finger beschreibt sich selbst als "bunten Vogel". Das hat ihn kreisweit bekannt gemacht und ihm bei der Kommunalwahl viele Stimmen beschert.

Lokalpolitik

Von Klimazielen bis zur Bildungsreform – Die Politiker des neuen Kreistags

  • vonTobias Ketter
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Nach den Wahlen im Landkreis Limburg-Weilburg ziehen insgesamt 71 Personen aus sieben Parteien in den Kreistag ein. Für die Zukunft haben die Politiker ganz unterschiedliche Zielsetzungen.

Limburg-Weilburg – Der Landkreis Limburg-Weilburg hat gewählt. 71 Frauen und Männer aus sieben Parteien ziehen in den Kreistag ein. Mit dabei sind zahlreiche bekannte Lokalpolitiker, die auf den Listen von CDU, SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke und Freien Wählern weit vorne zu finden waren.

Aber auch einige Personen, die hintere Listenplätze belegten, haben es in das Parlament geschafft. Für viele dieser Kandidaten war das positive Ergebnis eine große Überraschung.

Wahlen im Landkreis Limburg-Weilburg: Ulrich Finger aus der SPD verzeichnet größten Erfolg

Den größten Sprung nach vorne hat Ulrich Finger (SPD) gemacht. Er rangierte auf Listenplatz 43 und zieht nun als Zehnter der Sozialdemokraten in den Kreistag ein. "Das Ergebnis ist für mich sehr überraschend, da ich eigentlich keinen Wahlkampf betrieben habe", sagt der evangelische Pfarrer aus dem Selterserer Ortsteil Münster. Bereits vor fünf Jahren kandidierte Finger für den Kreistag. Damals rutschte er zwar auch etwas nach vorne, für den Einzug in das Parlament reichte es aber nicht.

Der Münsterer wurde von Parteikollegen über seinen Erfolg informiert. "Ich selbst habe die Auszählung der Kreistagswahl nicht wirklich verfolgt", so Finger. In den darauffolgenden Tagen habe er viele Gratulationen von SPD-Mitgliedern, Freunden und Bekannten erhalten. Doch warum hat der Sozialdemokrat so viele Stimmen bekommen? "Ich bin ein bunter Vogel, der sich in vielen Bereichen engagiert", begründet der Pfarrer aus Münster sein gutes Ergebnis. Er sei im Landkreis recht bekannt. Dies erkenne man besonders daran, dass Finger auch in der Oberlahn-Region viele Stimmen erhalten habe.

Wahlen im Landkreis Limburg-Weilburg: Ulrich Finger (SPD) will Klimapolitik vorantreiben

Der Pfarrer ist bereits seit 40 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. In seinem früheren Heimatdorf Bromskirchen im Landkreis Waldeck-Frankenberg war er über mehrere Jahre hinweg Ortsvereinsvorsitzender der SPD. "Außerdem saß ich während meiner Studienzeit bereits eine Legislaturperiode lang im Kreistag von Waldeck-Frankenberg", erinnert sich Finger. Nach seinem Umzug nach Weilmünster war er dort in der Gemeindevertretung tätig. Der Sozialdemokrat musste sein Mandat aber dann wegen des Umzugs nach Münster niederlegen. Seit 2016 sitzt Finger im Gemeindeparlament von Selters.

Der Pfarrer möchte im Kreistag nun einiges bewegen. Die Ökologie sei ein wichtiges Thema. "Klimapolitik muss gerechte Politik sein", sagt Finger. Er werde auch in Zukunft ein offenes Ohr für alle Bürger haben und seine langjährigen politischen Erfahrungen in das Parlament einbringen.

CDU-Politiker Markus Stillger zieht bei den Wahlen in Limburg-Weilburg in den Kreistag ein

Markus Stillger (CDU) rangierte auf Listenplatz 52 der Christdemokraten. Ihm ist es gelungen, 26 Plätze gutzumachen und so in den Kreistag einzuziehen. "Ich freue mich über das Ergebnis, aber überrascht hat es mich nicht", sagt der 58-jährige Unternehmer. Er habe aufgrund seines "Bekanntheitsgrades" mit einem Einzug in den Kreistag gerechnet. Trotz seiner Popularität stand er auf der Liste der CDU recht weit hinten. "Ich wollte niemandem einen vorderen Platz wegnehmen. Es gibt viele junge und engagierte Leute in der Partei, die zurecht vordere Listenplätze belegt haben", so Stillger, der im Internet von seinem guten Ergebnis erfahren hat.

Der CDU-Politiker, der in Limburg wohnt und aus Niederbrechen stammt, ist seit 30 Jahren Mitglied der Partei. Seit zehn Jahren ist er in der Kommunalpolitik aktiv. Von 2011 bis 2016 saß Stillger im Gemeindeparlament von Brechen. Seine Kandidatur für den Kreistag im Jahr 2016 scheiterte knapp. Allerdings zog er im Januar 2020 als Nachrücker in das Parlament ein.

"Ich möchte gute Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft sicherstellen", sagt Stillger mit Blick auf seine politischen Ziele. Darüber hinaus will er das Ehrenamt und die ärztliche Versorgung stärken. "Es geht darum, das Leben für die Menschen im Kreis lebenswert zu machen", so der 58-Jährige.

Wahlen in Limburg-Weilburg: Georg Horz bekam bei den Freien Wählern die meisten Stimmen

Auch Georg Horz (Freie Wähler) hat es in den Kreistag geschafft. Der Lokalpolitiker aus dem Selterser Ortsteil Eisenbach bekam die meisten Stimmen innerhalb seiner Partei, obwohl er nur auf Listenplatz neun geführt wurde. "Ich habe mir eine Chance ausgerechnet, gerade so in den Kreistag reinzurutschen", sagt Horz. Dass er letztlich den ersten Platz auf der Liste der Freien Wähler belegt, sei für ihn aber eine große Überraschung. Von seinem Einzug in den Kreistag erfuhr der Eisenbacher per Nachricht auf seinem Smartphone.

Horz begründete das gute Ergebnis mit seiner Popularität. "Ich bin im Kreis als Fußballer, Schiedsrichter, Bundestags- sowie Landtagskandidat bekannt und halte mit meinen Meinungen nicht hinter dem Berg." Das habe ihm Sympathien eingebracht.

Georg Horz von den Freien Wählern: Einsatz für bessere Gesundheitspolitik in Limburg-Weilburg

Der pensionierte Polizist ist seit Sommer 2015 politisch aktiv. "Wir haben damals die Unabhängigen Wähler Eisenbach gegründet, um etwas gegen die absolute Mehrheit der CDU in der Gemeinde Selters zu tun", erinnert sich Horz. Im Jahr 2016 wurde er in die Gemeindevertretung gewählt. Darüber hinaus war er als Fraktionsvorsitzender der UWE tätig. Obwohl Horz bei der diesjährigen Kreistagswahl für die Freien Wähler antrat, bleiben die UWE sein "Heimathafen". Er fühlt sich aber auch mit den Ansichten der Freien Wähler verbunden. "Es handelt sich um eine Gruppierung aus der Mitte der Gesellschaft. Das ist eine gute Sache", so Horz.

In den kommenden Jahren möchte er sich für eine bessere Gesundheitspolitik einsetzen. "Die ärztliche Versorgung auf dem Land muss verbessert werden", sagt der Eisenbacher. Außerdem seien das Ehrenamt und der Sport wichtige Themen. "Vereine, die durch die Corona-Pandemie benachteiligt sind, müssen unbedingt unterstützt werden", betont Horz. Und auch die personelle Situation der Polizei im Landkreis möchte er verbessern.

Birgit Geis (Die Grünen): Besseres Radwegnetz für den Landkreis Limburg-Weilburg

Birgit Geis (Grüne) blickt auf eine erfolgreiche Kommunalwahl zurück. Neben ihrem Einzug in die Stadtverordnetenversammlung von Limburg hat es die 64-Jährige auch in den Kreistag geschafft. Nur sieben Grünen-Politiker erhielten mehr Stimmen als sie. Und das obwohl Geis auf Platz 13 der Liste geführt wurde. "Ich habe mir durchaus Chancen ausgerechnet, in den Kreistag zu kommen. Die Steigerung um fünf Plätze hat mich aber schon überrascht und sehr gefreut", sagt die Sachbearbeiterin im Sozialamt des Landkreises. Sie wurde von Parteikollegen über ihr starkes Ergebnis informiert.

Geis hat auch aufgrund ihrer Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Limburg viel Wahlkampf betrieben. "Die Art und Weise, wie ich dabei rübergekommen bin, hat die Leute angesprochen", merkt die Grünen-Politikerin an. Auch einige Presseberichte seien dafür verantwortlich, dass viele Menschen in der Region sie mittlerweile kennen und ihr einige Stimmen gegeben haben.

Geis ist den Grünen 1983 beigetreten. Ende die 1990er Jahre saß sie im Ortsbeirat von Dietkirchen. Von 2009 bis 2011 war die 64-Jährige Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Limburg. Seit zehn Jahren ist sie im Magistrat der Kreisstadt tätig. Birgit Geis möchte das Radwegenetz im Landkreis ausbauen und sich dafür einsetzen, dass die "Ortskerne lebendig bleiben". "Bei der Verkehrspolitik liegt noch einiges im Argen", sagt sie. Besonders die ÖPNV-Anbindungen im ländlichen Raum müssten verbessert werden.

Wahlen in Limburg-Weilburg: FDP-Politiker Bruchmeier setzt auf bessere Schul- und Bildungspolitik

Hans Werner Bruchmeier (FDP) ist es gelungen, acht Plätze emporzuklettern und somit als dritter seiner Partei in den Kreistag einzuziehen. "Ich habe nicht erwartet, dass es so weit nach vorne geht", sagt pensionierte Lehrer aus dem Weilburger Stadtteil Ahausen. Auch er hat im Internet von seinem guten Wahlergebnis erfahren. "Dass ich nur auf Listenplatz elf gesetzt wurde, erklärt sich damit, dass ich einer jüngeren Parteikollegin aus Weilburg den Vortritt gelassen habe", so der 68-Jährige.

Auch Bruchmeier begründet das gute Abschneiden mit seiner Bekanntheit. "Ich bin in Weilburg als Fraktionsvorsitzender aktiv. Deshalb habe ich in der Region viele Stimmen erhalten", sagt er. Außerdem sei ihm auch sein Engagement als Vorsitzender und Trainer im Ruderverein zugute gekommen. Bruchmeier ist 1970 in die FDP eingetreten. Seit 1982 ist er Stadtverordneter, seit 1998 auch Fraktionsvorsitzender im Weilburger Stadtparlament und seit 1993 Mitglied des Ortsbeirates Ahausen. Die vergangenen 15 Jahre war er als Ortsvorsteher tätig.

Der pensionierte Lehrer saß bereits in der vergangenen Legislaturperiode im Kreistag. Auch für die kommenden fünf Jahre hat er sich viel vorgenommen. Bruchmeier möchte sich für eine gute Schul- und Bildungspolitik einsetzen. Außerdem seien Umwelt und Sport wichtige Themen. (Tobias Ketter)

Alle Ergebnisse zur Kommunalwahl im Landkreis Limburg-Weilburg im Kommunalwahl-Ticker.

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