Mobilität ist lebenswichtig, sagt Joachim Zierau. Und deshalb setzt sich der 82-Jährige aus Limburg regelmäßig in sein Auto, um in die Innenstadt zu fahren.
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Mobilität ist lebenswichtig, sagt Joachim Zierau. Und deshalb setzt sich der 82-Jährige aus Limburg regelmäßig in sein Auto, um in die Innenstadt zu fahren.

Senioren und ihre Bedürfnisse

Limburg-Weilburg: "Lasst den Alten ihre Stadt"

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Serie beschäftigt sich mit den Bedürfnissen und den Angeboten für Senioren im Landkreis - Heute geht es um die Mobilität

Limburg-Weilburg -Die Arbeit im Vorstand der FDP hat er längst aufgegeben. "Das wollte ich den Jüngeren überlassen." Aber für seine Rechte kämpft er immer noch. Das will Joachim Zierau nicht den Jüngeren überlassen. Schließlich ist er erst 82, und es geht es um sein Leben. Und um das der anderen Senioren in Limburg. Und dazu gehört es, in die Stadt zu fahren. Mit dem Auto, mit dem Rad, mit dem Bus oder Zug - je nach Vermögen, Lust und Laune. "Auch wir haben das Recht, die Stadt zu erreichen", sagt Zierau. Und dieses Recht werde den Menschen genommen, wenn in der Innenstadt die Parkplätze fehlen. Oder so teuer sind, dass sie niemand mehr bezahlen kann, schon gar nicht mit einer kleinen Rente. Und wenn der Luftreinhalteplan maßgeblich sei, müsse man sowieso überlegen, ob es nicht bessere Methoden gebe, die Kohlendioxidbelastung zu reduzieren.

Nicht alle Senioren können Fahrrad fahren

Peter Licht, der Vorsitzende der Senioren Union, formuliert es so: "Eine Verminderung der CO2-Belastung durch erhöhte Parkgebühren ist unrealistisch." Denn eines sei ganz klar: "Nicht alle Senioren können Fahrrad fahren." Aber sie können Auto fahren, solange sie in der Übung bleiben. Peter Licht zum Beispiel kommt gerade aus Magdeburg. Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt sei ein gutes Vorbild für Limburg, sagt er. Magdeburg zeige, wie gut es einer Stadt tue, wenn es genügend kostengünstige Parkplätze in der Innenstadt gibt und es zeige, dass man auch zentrale Plätze mit Autos schön gestalten könne.

Noch habe er die Hoffnung für Limburg nicht aufgeben, sagt Joachim Zierau. "Ich setze immer noch auf den Grips der Verantwortlichen." Schließlich gebe es gute Argumente für Parkplätze in der Innenstadt, am besten sogar kostenfreie. "Es ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn, diese zu streichen." Die Verödung der Innenstadt koste Millionen, schließlich fehlten nicht nur die Steuereinnahmen für Limburg.

Wer den Alten ihre Mobilität nehme, verursache auch gesellschaftliche Kosten. Denn wer nicht mehr am Leben teilnehmen könne, werde früher zum Pflegefall. "Und ein Pflegefall kostet im Monat mehr als 130 kostenfreie Parkplätze in der Innenstadt im Jahr." Die Kosten für die neuen Verkehrskonzepte, Schilder und Markierungen könne man sich eigentlich auch sparen: mit Tempo 30 überall. "Dann könnten sich alle Fahrzeuge hintereinander einreichen", Radwege wären überflüssig und die Fußgänger hätten ihre Ruhe vor rowdyhaften Radfahrern, die auf Bürgersteigen und in Fußgängerzonen unterwegs sind oder gegen die Einbahnstraße fahren. Und viel länger müssten die Radfahrer auch nicht unterwegs sein, wenn sie sich an die Regeln halten.

Joachim Zierau hat es ausprobiert. Er war mit Fahrrad und Stoppuhr in der Innenstadt unterwegs, hat alle Strecken abgefahren und genau gemessen: "Radfahrer brauchen nur drei Minuten länger, wenn sie sich an die Verkehrsregeln halten." Und vielleicht würde es ihnen dann auch leichter fallen, den anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber den nötigen Respekt zu zeigen und Rücksicht zu nehmen. "Dieses völlig falsche Verkehrskonzept erlaubt es jedem, sich aufzuspielen." Er sei nicht der Einzige, den es immer wieder ärgert, wenn andere Autofahrer zu dicht auffahren oder blöde Bemerkungen machen, wenn es ihnen nicht schnell genug geht. Aber andere würden resignieren und einfach nicht mehr in die Stadt fahren, weil sie Angst vor Pöbelei haben oder keinen Parkplatz zu finden.

Tempo 40 ist "zwischen den Gängen"

Joachim Zierau fährt noch regelmäßig mit dem Auto in die Stadt. Und er rät das auch seinen Freunden und Bekannten, "damit sie in der Übung bleiben". Und deshalb ärgert er sich auch regelmäßig über die Tempo-40-Zone auf der Schiede. "Das ist zwischen allen Gängen." Tempo 30 wäre für die Autofahrer besser zu halten, wäre besser für Luft und für die Radfahrer. Und es wäre auch besser für die Luft, wenn Senioren, die zum Beispiel in die Radiologische Praxis am Neumarkt müssen, dort auch parken könnten, statt ewig nach einem Parkplatz suchen zu müssen.

Aber er habe von der Stadtverwaltung noch nicht mal die Auskunft bekommen, wie viele Parkplätze dort denn möglich seien. Also hat Joachim Zierau selbst gerechnet: 30 Parkplätze wären dort ohne weiteres zu machen. Und den Neumarkt könne man doch trotzdem schön gestalten. Das Selbstwertgefühl des Menschen müsse immer Priorität haben, sagt Joachim Zierau. "Es darf nicht sein, dass man die Leute, die Limburg nach dem Krieg aufgebaut haben, so von oben herab behandelt." Und es könne nicht sein, dass ausgerechnet die Haupt-Umsatzträger, all jene, die nicht sowieso schon im Internet bestellen, außen vor bleiben. "Lasst den Alten ihre Stadt."

Drei Euro pro Stunde an der Straße

Keine Parkplätze mehr auf dem Neumarkt - und auf den verbliebenen Plätzen wird das Parken teurer. Als die Limburger Stadtverordneten Anfang Juli eine Tariferhöhung beschlossen, regte sich schnell Widerstand. Auch wenn die Einführung aus technischen Gründung erst einmal auf Oktober verschoben wurde, an den Tarifen soll sich nichts ändern: Die von der Stadt betriebenen Straßenrandparkplätze in der Innenstadt kosten künftig drei Euro die Stunde (derzeit noch ein Euro), die Kurzparkertarife in den Parkhäusern Altstadt und ZOB und in der Tiefgarage der Stadthalle kosten vom 1. Oktober an 1,50 Euro pro Stunde (bislang ein Euro). Und das Tagesticket im ZOB- und im Altstadt-Parkhaus verteuert sich von fünf auf 7,50 Euro. Dauerparker und Zugpendler müssen ebenfalls mehr bezahlen. Klares Ziel der Stadt bleibe es, den Parksuchverkehr in den Straßen zu reduzieren und Autofahrer, die ihr Fahrzeug abstellen wollen, vor allem in die Parkhäuser zu lotsen. Damit komme die Stadt zudem einer Forderung aus der vorgesehenen Fortschreibung des Luftreinhalteplans des Landes nach. Durch die Reduzierung des Parksuchverkehrs sollen rund 500 Fahrten entfallen, da (wegen der günstigeren Tarife) direkt die Parkhäuser angefahren werden oder aber der Weg in die Innenstadt mit anderen Mobilitätsangeboten zurückgelegt werde. Weniger Fahrten mit dem motorisierten Individualverkehr bedeuteten auch weniger Schadstoffausstoß, sagt die Stadt.

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