Katja Adler möchte für die FDP in den Bundestag einziehen. Die Liberale, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, ist seit fast 20 Jahren in Oberursel zu Hause.
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Katja Adler möchte für die FDP in den Bundestag einziehen. Die Liberale, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, ist seit fast 20 Jahren in Oberursel zu Hause.

Bundestagskandidaten im Porträt

Limburg-Weilburg: "Liberalität ist mein Lebensgefühl"

  • VonAlexander Schneider
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Katja Adler aus Oberursel, Kandidatin der FDP, will in den Bundestag einziehen

Limburg-Weilburg -Wäre Katja Adler nur für einen Tag Bundeskanzlerin, und hätte sie eine Entscheidung frei, ohne Bundestag oder Bundesrat fragen zu müssen, würde sie die unter der Groko gestiegenen Sozialausgaben - die Mütterrente und das Baukindergeld - auf den Prüfstand stellen und stattdessen in die Zukunft des Landes investieren. Etwa in eine bessere Ausstattung der Schulen und in die Grundlagenforschung.

Aber statt von der Kanzlerschaft zu träumen, hofft Adler erst einmal in den Bundestag einzuziehen. Sollte sie es nach Berlin schaffen, würde sie ihren Fokus auf Bildung und Wissenschaft ausrichten. Dabei würde die Liberale, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, ihre eigenen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Bildungssystemen in Ost und West einbringen. Auch würde sie auf ihre Expertise aus jahrelanger Arbeit im Wissenschaftssektor zurückgreifen wollen.

Bildung ist für Adler ein zentrales Thema, bei dem eine moderne digitale Ausstattung der Schulen unabdingbar sei. Der Hochtaunuskreis bleibe in dieser Hinsicht leider weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, die Ausstattung der Schulen sei erbärmlich, meint Adler.

Eine ihrer Aufgaben in Berlin werde es sein, sich im Interesse ihres Heimatwahlkreises für Förderprogramme zu verwenden, zu deren Inanspruchnahme es keines Doktortitels bedürfe. Die vorhandenen Programme seien zu aufgebläht und zu bürokratisch. In einer ähnlichen Situation sieht Adler auch die Landwirte. Förderprogramme für sie gebe es zwar. Sie seien aber mit oftmals wirklichkeitsfremden Vorschriften verbunden.

Katja Adler sagt, sie entstamme keiner politischen Familie. Zwar war ihr Vater in der DDR Parteimitglied, die Mutter jedoch nicht. Politik sei daheim bewusst kein Thema gewesen, das "Nichtreden" dann aber doch. Es habe sie beim Älterwerden mehr und mehr zum Nachdenken gebracht und nach und nach gestört.

Doch auch nach ihrem Umzug nach Oberursel habe es zunächst nicht zu ihrer Lebensplanung gehört, Politikerin zu werden. "Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren, um etwas für die Gesellschaft zu erreichen", sagt sie. 2009 sei dann eine von ihr initiierte Kinderkrippe eröffnet worden. Dazu habe es über Jahre vieler Gespräche und großer Überzeugungsarbeit bedurft, "da habe ich wohl Blut geleckt, ich wollte aktiv bleiben und ändern, was mich stört".

Ihr Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung habe bei ihr die Spur in die Politik gelegt. Dieter Rosentreter, damals liberaler Sozialdezernent in Oberursel, habe sie hinsichtlich der Kinderkrippe sehr unterstützt und sie am Ende überhaupt erst ermöglicht, "damit war die FDP für mich stark in den Fokus gerückt", blickt Adler zurück.

Kommunen in der Verantwortung

Um sich letzte Gewissheit über die Ziele dieser Partei zu verschaffen, habe sie sich das Wahlprogramm der FDP genauer angeschaut. Als politische Heimat infrage gekommen seien zwar auch die Grünen. Doch Ende 2009 habe sie doch den Mitgliedsantrag der FDP unterschrieben. "Liberalität ist mein Lebensgefühl, es drückt Freiheit sowie Verantwortung und das Eintreten für die Bürgerrechte aus", lautet ihr Credo.

In der Entscheidung bestärkt habe sie als herausragende Liberale auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Eine der aus ihrer Sicht wichtigsten politischen Entscheidungen, an der sie gerne mitgewirkt hätte, sei der deutsch-deutsche Einigungsvertrag gewesen, sagt Adler. Die falscheste politische Entscheidung der letzten Jahre, des letzten Jahrzehnts, sei die sogenannte "Ausländermaut", mit der Verkehrsminister Scheuer sehenden Auges in ein finanzielles Desaster hinein gerannt sei, für das jetzt der Steuerzahler aufzukommen habe, "skandalös".

Politiker sollten für sie fünf wesentliche Eigenschaften besitzen: Gestaltungswillen, Überzeugungskraft, gesunden Menschenverstand, Durchhaltevermögen und eine gute Portion Optimismus.

Dies sei insbesondere bei der Bewältigung der Klimakrise wichtig. Hochwasser- und Katastrophenschutz sowie die Warnsysteme müssten verbessert werden, dazu gehöre auch eine der Lage angepasste Bauleitplanung. Hier sieht Adler die Kommunen in der Verantwortung, präventiv durch die Schaffung von personellen Kapazitäten in der Verwaltung, das Anlegen von Hochwasserbarrieren oder die effektivere Ableitung von Niederschlagswasser tätig zu werden. Allerdings dürften die Kommunen dabei von der Politik nicht alleingelassen werden.

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