Martin Rabanus (SPD), Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg, möchte für weitere vier Jahre in den deutschen Bundestag.
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Martin Rabanus (SPD), Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg, möchte für weitere vier Jahre in den deutschen Bundestag.

Martin Rabanus (SPD) im Porträt

Limburg-Weilburg: "Wir sind keine bezahlten Entertainer"

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Martin Rabanus (SPD) und seine Leidenschaft für Solidarität

Limburg-Weilburg -Martin Rabanus ist 49 Jahre alt. Seit mehr als der Hälfte seines bisherigen Lebens ist er Sozialdemokrat. Aus Überzeugung, betont der Mann aus Taunusstein. Und aus Leidenschaft - womit das Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten, der den Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg auch in den kommenden vier Jahren in Berlin vertreten will, bereits einen zentralen Punkt erreicht hat. Wie viel Leidensfähigkeit ist erforderlich, um Sozialdemokrat zu sein und zu bleiben? Und wie schafft es Martin Rabanus, dieses Leiden zu verkraften? Gar nicht, sagt er. Er leide nicht. Seine Partei habe bisweilen Schwierigkeiten bei der Kommunikation, weil die SPD eben keine Partei ist, deren Mitglieder durch ein oder zwei Ansagen zum Schweigen gebracht werden. Auch darin unterscheiden sich die Genossen von anderen politischen Organisationen. Allerdings, räumt er ein, gelingt es der SPD häufig nicht, sich die eigenen politischen Errungenschaften an die eigene Fahne zu heften. Statt dessen trägt sie als Juniorpartner in einer Koalition mit CDU/CSU zwar zum großen Ganzen bei; zugeschrieben werden ihr aber allenfalls kleine Randbereiche - oder nur das, was fehlt. Klar sei das unbefriedigend.

Erste politische Gehversuche

Nur geht es darum nicht, sagt Martin Rabanus. Es geht nicht um Äußerlichkeiten und Befindlichkeiten und auch nicht um Karriere. "Wenn man nur Karriere machen will, geht man gleich zur FDP", sagt er. Die Triebfeder seines politischen Wirkens ist der Solidaritätsgedanke. Der Stärkere gibt auf den Schwächeren acht. Diese Verschränkung von Sozialdemokratie und christlichen Werten sei ihm, der aus einem katholischen Elternhaus stammt, wichtig. Dafür habe er sich eingesetzt, noch ehe er das Parteibuch der Genossen besaß. Denn mit dem Parteieintritt wartete Martin Rabanus bis nach dem Abitur, weil er sich als Schülervertreter nicht parteipolitisch eingruppieren lassen wollte.

Allerdings war es genau jene Zeit, in der er im damals rot-grün regierten Hessen erste politische Gehversuche unternahm: Als Landesgeschäftsführer der Hessischen Schülervertretung durfte er in den frühen 1990er Jahren an der Neugestaltung des hessischen Schulgesetzes mitwirken, erzählt er. Da habe er demokratische Teilhabe in der Wirklichkeit erlebt - und Feuer gefangen an der Vorstellung, einen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander leisten zu können. Dass er nach dem Abitur Politologie studierte, war da aus seiner Sicht nur konsequent. Ebenso wie seine Mitarbeit bei Armin Clauss, dem ehemaligen Staatsminister und SPD-Fraktionsvorsitzenden im hessischen Landtag. 1998 wurde Rabanus Mitarbeiter, ein Jahr später Referent der SPD-Landtagsfraktion zuständig für die Bereiche Schule und Kultur, Wissenschaft und Kunst. Der Kultur- und Bildungsbereich zieht sich wie ein roter Faden durch sein politisches Wirken, sagt der Sozialdemokrat, der in der zurückliegenden Wahlperiode dem Ausschuss für Kultur und Medien angehört und kultur- und medienpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. Außerdem ist er Mitglied im Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung sowie ehrenamtlicher Vorsitzender des Deutschen Volkshochschul-Verbandes.

Erst im dritten Anlauf

Für den Bundestag trat Martin Rabanus erstmals 2005 an und scheiterte. Auch vier Jahre später gelang ihm der Sprung nach Berlin nicht. Erst 2013 zog er über Platz 11 der SPD-Landesliste in den deutschen Bundestag ein. Bei der darauffolgenden Bundestagswahl stellte er sich erneut dem Votum der Wähler und konnte über die SPD-Landesliste in den Bundestag einziehen. In diesem Jahr rangiert er auf Position 9 der Landesliste, "übrigens an gleicher Stelle wie Klaus-Peter Willsch auf der CDU-Liste", berichtet der Genosse. Die gleiche Platzierung auf dem Wahlzettel dürfte indes schon alle Gemeinsamkeiten mit dem Christdemokraten abgedeckt haben. Zwar sei auch er viel unterwegs, durchaus gesellig, sagt Rabanus über sich. Nur sei er eben kein "Bierzeltkapitän". Denn mehr Bürgernähe dürfe nicht die Sachlichkeit in der politischen Arbeit herunterkurbeln. Der Auftrag der Abgeordneten besteht darin, an der Gesetzgebung mitzuwirken, sagt Rabanus. Finanziert wird diese Aufgabe durch "die Ressourcen der Steuermittel". Seine Überzeugung ist daher: "Wir sind keine bezahlten Entertainer." Für Martin Rabanus besteht die "vornehmliche Aufgabe darin, Interessen auszugleichen, Kompromisse zu schließen".

Dafür will er sich auch weiterhin einsetzen, wenn auch künftig nicht mehr als Juniorpartner in einer Regierungskoalition. "Wir wollen die Regierung führen", sagt er, ohne sich auf eine bevorzugte parteipolitische Farbkombination festzulegen. Nur eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt der Sozialdemokrat aus. Deren Mitglieder sind Demokratiefeinde, betont Martin Rabanus, und mit denen will er weder persönlich, noch politisch etwas zu tun haben. So weit werde seine Leidensfähigkeit nie gehen.

Fortsetzung folgt

Wir porträtieren bis zur Bundestagswahl am 26. September jeweils alle sechs Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien in unseren beiden hessischen Wahlkreisen.

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