Nach dem zwischenzeitlichen 2:1 wieder da, die Eschhöfer EM-Euphorie, wenn auch im kleinen Kreis.
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Nach dem zwischenzeitlichen 2:1 wieder da, die Eschhöfer EM-Euphorie, wenn auch im kleinen Kreis.

Anlaufschwierigkeiten bei den Fußballfans

Limburg-Weilburg: Wo erst langsam Euphorie einzieht

  • VonRobin Klöppel
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Von der EM ist nur wenig zu bemerken - Sieg gegen Portugal als Initialzündung?

Limburg-Weilburg -So richtig scheint der EM-Hype noch nicht in der Region angekommen zu sein. Früher sah man auf den Straßen bereits während Vorrunden viele mit Deutschlandfahnen geschmückte Autos. Diesmal muss man bei einer Stunde Fahrt schon froh sein, wenn man eine Handvoll Fähnchen an Fahrzeugen entdeckt. Okay, aus dem einen oder anderen Fenster weht wenigstens noch eine kroatische oder italienische Flagge, aber das war es dann auch schon.

Liegt es an den teils schwachen Leistungen der deutschen Fußballnationalmannschaft in der Vorbereitung oder an der Corona-Pandemie, wegen der die Menschen noch zögerlich sind? Die Reaktionen heimischer Bekannter in den sozialen Medien nach dem Mut machenden Erfolg gegen Portugal nähren aber die Hoffnung, dass es mit der EM-Euphorie in Limburg noch etwas geben könnte, wenn Deutschland an das begeisternde 4:2 anknüpfen und lange im Rennen bleiben kann. Darauf hofft auch der Verkäufer in einem Handyladen an der Hospitalstraße. Denn im Geschäft lägen noch etliche Kappen und Fahnen, die keiner mehr kaufen werde, falls das deutsche Team früh ausscheide. Auch in dem einen oder anderen Billigmarkt oder der einen oder anderen Tankstelle gibt es günstig Fanutensilien. Doch beim Gang durch Altstadt, City und WERKStadt ist nicht zu sehen, dass die EM für die Werbung der Limburger Einzelhandelsgeschäfte ein großes Thema wäre.

Das bestätigt auch Horst O. Hoppe, Vorsitzender des Limburger City Rings: "Ich habe selbst nichts gesehen in den Geschäften der Stadt", sagt er. Hoppe erzählt, dass er in Sachen Fußball zumindest Länderspiele normalerweise schaue. Aber auch bei ihm selbst ist die Euphorie noch nicht groß. "Ich hätte nicht an Joachim Löw als Bundestrainer festgehalten", sagt der Geschäftsmann.

"Viele andere Dinge im Kopf"

City Ring-Aktiver Jochem Holzhäuser sagt: "Die Menschen haben noch viele andere Dinge im Kopf. Aber wenn Deutschland Spiele gewinnt, wird sich eine Euphorie noch entwickeln." Bei Marina Jerman auf dem Wochenmarkt auf dem Neumarkt ist die Euphorie hingegen schon da. Die Italienerin schwenkt stolz ihre Fahne. "Italien hat keine großen Stars in der Mannschaft. Aber sie treten als Team auf und können deshalb weit kommen", prognostiziert sie.

André Werner, Inhaber des Cocktailtaxis "Shake it!", gibt den Tipp, dass er in Lahr am späten Nachmittag ein Paar beliefert, das mit der Familie draußen das Deutschland-Spiel gegen Portugal schaut. "Wir wollen uns ein bisschen zusammensetzen und die EM genießen", sagen Melanie und Mirko Lippert. Sie haben eine Begründung, warum man auf den Straßen noch nicht viel von der EM sieht: "Viele trauen sich noch nicht öffentlich und normal zu sein." Sie selbst wollen sich aber die EM-Freude nicht nehmen lassen. Das Miteinander habe sehr gefehlt.

Kurz vor Anpfiff des Deutschland-Spiels auf dem Limburger Campingplatz: Der Biergarten ist so voll, dass Leute abgewiesen werden müssen, die nicht reserviert haben. Die niederländischen Gäste Simon und Gea Vellinga sind clever. Sie stellen sich einfach die Klappstühle neben den Biergarten. "Wir schauen uns jeden schönen Fußball gerne an", sagt Simon Vellinga. Das Niederlande-Spiel davor habe er sogar am Camper des Inhabers mit schauen dürfen.

Von der Seite ist aufgrund der starken Sonneneinstrahlung trotz großer Leinwand nicht viel von der Partie zu sehen. Also weiter - wobei noch euphorischer Jubel zu hören ist, der allerdings nur einem Abseitstor galt. Beim Eintreffen im Sportlehrerheim des TuS Eschhofen hat Cristiano Ronaldo auch schon das 1:0 für Portugal erzielt. Angelockt von Inhaber Andy Nattermann, der vorschwärmt, dass in Eschhofen EM-Euphorie pur zu erleben sei, geht es auf die Terrasse des "Clubheims Grün-Weiß". Dort aber sitzen nur zehn Leute.

Symbiose aus Corona, Hitze und den Spielen

Eine Frau im Götze-Trikot erinnert daran, dass es mit der letzten großen Fußball-Euphorie schon ein bisschen her ist. Zwischendurch fällt im Clubheim auch noch das Bild aus. Nattermann sagt, dass es wohl an der extremen Hitze liege. Er weiß, warum das EM-Fieber in der Region noch überschaubar ist: "Es ist die Symbiose aus unheimlich schlechten Spielen, Corona-Verunsicherung und extremer Hitze." Zumindest Letztere ist ja nun erst einmal vorbei.

Thomas Schmitt ist nach eigenen Angaben ein sportbegeisterter Mensch, der fast alle Spiele schaut. "Im Moment ist hier noch alles verhalten, aber das kann sich noch ändern, wenn wir gute Leistungen sehen und weiter im Rennen bleiben", prognostiziert er. Achim Kunrath glaubt nach klarer Führung gegen Portugal, dass die Euphorie jetzt nach jedem Sieg zunehmen werde. Der Ennericher hofft auf weiterhin schöne Spiele und ist guter Dinge, dass die Mannschaft wenigstens ins Halbfinale kommt.

Zur Schlussphase geht es nach Elz. Im Hof der Kneipe "Altes Fass" sieht man strahlende Gesichter. Matthias Rump sagt: "Ich bin noch vorsichtig und sage nicht, dass wir jetzt Topfavorit sind, aber wir können weit kommen und die EM-Euphorie wird dann steigen." Max Fruhner denkt, dass die Euphorie durch den Portugal-Sieg größer werden wird. Denn wenn die so weiterspielten wie eben, könnten sie den Titel gewinnen. "Ich habe meine Fahne jedenfalls schon am Auto", sagt Fruhner grinsend.

Wenig Hoffnung mit rot-weiß-grün bemalten Gesichtern

Bei der Familie Gabor im Elbtaler Ortsteil Dorchheim wird der gemütliche Garten am heutigen Mittwoch unter einem weitläufigen Sonnenschirm ganz in die Farben Rot-Weiß-Grün getaucht sein. Das Herz der ganzen Familie schlägt für Ungarn, dessen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft um 21 Uhr in München gegen Deutschland antreten muss. Die Ungarn können allerdings nur bei einem Sieg noch ins Achtelfinale einziehen, für die deutsche Elf reicht ein Unentschieden sicher.

Bei der Familie Gabor herrscht aber Skepsis. "Ungarn ist derzeit nicht so top", schätzt Bernadett Gabor ein, die selbst in einer Frauenmannschaft Fußball spielt. Überhaupt ist ihre gesamte Familie mit Vater Attila, Sohn Zétény und Tochter Jazmin sportbegeistert. Das reicht vom Fußball bis hin zum Handball, den Sohn Zétény in Holzheim pflegt.

Immer wenn große Fußballereignisse anstehen, "wird Party gemacht", berichtet Bernadett Gabor - in diesem Jahr, aus Gründen von Corona, allerdings eher im Familienkreis. Dann werden auch Erinnerungen an den letzten Stadionbesuch in der neuen "Puskás Aréna" in Budapest ausgetauscht. Ein Name ist Bernadett Gabor in Erinnerung geblieben, den sie heute durch die Bundesliga mit ihrer Heimat Ungarn verbindet - "den Leipziger Verteidiger Willi Orban und Torwart Péter Gulácsi". Letzterer wird auch heute im Tor stehen und von der ganzen Familie Gabor angefeuert. "Vorher werden auch die Gesichter wieder rot-weiß-grün bemalt", sagt Bernadett Gabor.

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