Merenberg und Löhnberg

Bürger stimmen über Windpark ab

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Auf der Merenberger Höhburg könnten vier Windkraftanlagen entstehen – ein Vorhaben, das nicht allen Bürgern gefällt. Am 18. Dezember soll daher die Bevölkerung über das Projekt entscheiden.

Nach dem Ausstieg der Stadt Weilburg schien der „Windpark Oberlahn“ endgültig erledigt. Jetzt steht das Thema erneut auf der Tagesordnung – wenn auch in deutlich abgespeckter Form: Die „Öko-Aktiv Beteiligungs GmbH“ aus Villmar-Weyer will am „Roten Kopf“, auf der „Höhburg“, vier Windenergieanlagen der neuesten Generation errichten – drei auf Merenberger und eine auf Löhnberger Gemarkung. Das ist zwar deutlich weniger als die neun Windräder des ursprünglich geplanten Windparks Oberlahn, gleichwohl ist das Thema in der Bevölkerung nicht unumstritten. Auf Beschluss der Gemeindevertretung Merenberg können die Bürger daher am 18. Dezember für oder gegen Windräder auf dem Roten Kopf stimmen.

Geplant sind laut einem Exposé von Öko-Aktiv vier Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von jeweils 159 Metern und einer Gesamthöhe von 229 Metern. Die Anlagen wären damit höher als die auf dem „Knoten“ oder auch die kürzlich gebauten Räder bei Elz. Der Mindestabstand zu den Wohnhäusern liegt nach Angaben von Öko-Aktiv bei etwa 1300 Metern und damit etwa 30 Prozent über den Vorgaben des Teilregionalplans Energie Mittelhessen. Schatten und Schall sollen in den Ortsteilen „so gut wie nicht wahrnehmbar sein“, verspricht der Investor. Und auch Eiswurf, so ein weiteres Versprechen, sei „so gut wie auszuschließen“. Denn alle vier Anlagen würden mit Blattheizung ausgestattet.

Der Standort Roter Kopf auf einer Höhe von 365 bis 395 Metern ist nach Angaben von Öko-Aktiv für Windräder geeignet; dies hätten avifaunistische und naturfachliche Gutachten ergeben. Auch der Wind wehe stark genug: Im Schnitt seien 6,3 m/s auf 140 Meter Nabenhöhe gemessen worden. Auszahlen soll sich der Windpark für die Bürger, die sich unternehmerisch an dem Projekt beteiligen können, aber auch für die Gemeinde in Form von Pacht- und Steuereinnahmen. Für jedes Windrad will das Weyerer Unternehmen 70 000 Euro Pacht zahlen, also 210 000 Euro für Merenberg und 70 000 Euro für Löhnberg. Geld, das die Gemeinden für Vereinsprojekte nutzen könne, die sie als Schutzschirm-Kommunen ansonsten nicht finanzieren dürften. Hinzu komme laut Öko-Aktiv eine jährliche Gewerbesteuereinnahme für Merenberg von geschätzten 80 000 Euro pro Jahr – über einen Zeitraum von 20 Jahren. Dazu will Öko-Aktiv eigens eine Tochterfirma mit Sitz in Merenberg gründen.

Während SPD und Grüne im Merenberger Gemeindeparlament sowie Bürgermeister Oliver Jung (SPD) den Windpark am „Roten Kopf“ aus vorwiegend finanziellen Gründen weitgehend vorbehaltlos unterstützen, lehnt die CDU-Fraktion das Projekt strikt ab. In vier Bürgerversammlungen will die Union möglichst viele Merenberger davon überzeugen, am 18. Dezember mit „Nein“ zu stimmen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Schuh nennt dafür eine Reihe von Gründen: Die Windräder seien immer noch viel zu dicht an die Wohnbebauung heran geplant, ein für die Naherholung wichtiges Stück Natur werde zerstört, und viele Bürger befürchteten, dass der Wert ihrer Immobilien sinkt. Kritisch sehe die CDU auch die wirtschaftliche Seite: Mit 6,3 m/s sei der Rote Kopf ein Schwachwindgebiet und daher im Grunde nicht geeignet für Windkraftanlagen. Hinzu komme eine Verschandelung der Landschaft, zumal rund um Merenberg schon viele Windräder stehen oder geplant seien. Schuh: „Wir werden von Windrädern umzingelt, bei Allendorf, Heckholzhausen, an der Füllburg, am Waldernbacher Kreuz, auf dem Knoten und bald auf der Höhburg?“ Merenberg – von der B 49 ohnehin stark belastet – werde „zugespargelt“ – eine Entwicklung, die mit den versprochenen Einnahmen nicht aufzuwiegen sei. „Geld ist schließlich nicht alles“, sagt Schuh.

Auf Unverständnis, ja Verwunderung stoßen die Bedenken der CDU bei Bürgermeister Oliver Jung (SPD). Er verweist auf früher gefasste einstimmige Beschlüsse im Gemeindeparlament, bis die CDU „plötzlich festgestellt hat, dass es Wanderwege an der Höhburg gibt“.

Die geplanten Windräder seien sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll, ist Jung sich sicher. Mit 6,3 bis 6,5 m/s gehöre der Rote Kopf hinsichtlich der Windstärke zum oberen Viertel in Hessen. Und als Schutzschirm-Gemeinde könne die Gemeinde Merenberg Pachteinnahmen von insgesamt 210 000 Euro jährlich mehr als gut gebrauchen. Allerdings macht Jung auch deutlich, dass die Bürger das letzte Wort haben. „Sollten sie sich gegen Windkraft entscheiden, wäre das Thema in Merenberg erledigt“, verspricht der Verwaltungschef.

Das würde nicht nur für Merenberg, sondern auch für die Nachbargemeinde Löhnberg gelten. Denn das dortige Gemeindeparlament hat bereits mehrheitlich entschieden, sich der Entscheidung des Merenberger Bürgervotums anzuschließen – egal, wie es ausgeht.

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