Heide Schiebel (76) erhält ihre Impfung von Dr. Christiane Langschied und Mitarbeiterin Meike Wagner.
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Heide Schiebel (76) erhält ihre Impfung von Dr. Christiane Langschied und Mitarbeiterin Meike Wagner.

Corona-Pandemie

Löhnberg: Impfmarathon geht in die zweite Runde

Im Seniorenzentrum Fellersborn erhielten sowohl Bewohner als auch Pfleger den schützenden Pieks

Löhnberg -Sämtliche 30 stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis Limburg-Weilburg sind mit Stand Freitag mit der Erstimpfung gegen das Coronavirus versorgt worden. Dies teilte der Pressesprecher des Landkreises Jan Kieserg mit. Einschließlich der Impfungen gestern seien 2973 Personen erstmals geimpft worden. Mit Zweitimpfungen wurden bis jetzt 15 von insgesamt 30 stationären Alten- und Altenpflegeheimen versorgt.

Zu ihnen gehört beispielsweise das vom Kreiskrankenhaus Weilburg betriebene Seniorenzentrum Fellersborn in Löhnberg. "Wir hatten keinen Coronafall in unserem Seniorenzentrum", schildert Heim- und Pflegedienstleiterin Daniela Ott. "Das liegt besonders an der kontinuierlichen Einhaltung und Weiterentwicklung des Hygienekonzepts seit März 2020. Bei jeder neuen Verordnung - insgesamt neun Mal - haben wir uns mit dem Ausbruchsmanagement des Kreiskrankenhauses Weilburg, mit dem Gesundheitsamt und mit der hessischen Betreuungs- und Pflegeaufsicht in Wiesbaden abgestimmt. Und vor allem liegt es auch daran, dass sich alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Einschränkungen im privaten Bereich gehalten haben. Das ist ein Glücksfall für unsere Einrichtung." Dem schließen sich auch Pflegedienstleiterin Karin Schmitt und der Bereichsleiter der beschützten Wohngruppe, Christian Schäfer, an.

Bereits einmal wurden Bewohner und Personal nun schon geimpft, die zweite Impfung fand am Dienstag statt. "Die Impfbereitschaft der Mitarbeiter war hoch und bei den Bewohnern noch höher", fügt Daniela Ott an. Insgesamt seien etwas mehr als 90 Prozent aller Personen geimpft worden. Dabei seien sie sehr bemüht, die in der Pflege tätigen Menschen so gut aufzuklären, dass Ängste minimiert würden und die Bereitschaft fürs Impfen steige, so Daniela Ott. "Wir freuen uns, dass es Dr. Christiane Langschied ermöglicht wurde, die beiden Impftermine durchzuführen", sagt Ott. "Sie ist eine demenzerfahrene Hausärztin, die unsere Bewohner kennt und gesundheitlich betreut. Ansonsten hätten wir diese hohe Impfquote bei den Bewohnern nicht erreicht."

Erst Schnelltest im Nebenzimmer

Karin Schmitt fügt an: "Ich sehe es als meine Pflicht in diesem Beruf an, die Bewohner durch Impfung zu schützen. Außerdem habe ich selbstverständlich auch ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Kollegen und natürlich auch mir selbst". Und Christian Schäfer sagt: "Auf längere Sicht ist die Impfung die einzige Möglichkeit, die Pandemie einzudämmen". Im Übrigen habe niemand über nennenswerte Nebenwirkungen geklagt.

Dienstag, 10 Uhr: Das siebenköpfige Gondermann-Apothekenteam reist an. Die fünf Frauen und zwei Männer gehören zum Impfzentrum Limburg-Dietkirchen und sind rund drei Mal in der Woche im Landkreis Limburg-Weilburg unterwegs. Zum mobilen Impfzentrum gehören weiterhin das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Verwaltung des Landkreises Limburg-Weilburg. Das DRK-Team betritt eine Viertelstunde später das Gebäude. Alle ankommenden Personen werden zunächst einzeln zum Schnelltest in einen Nebenraum gebeten und dürfen erst nach negativem Ergebnis die große - zum "Impfzentrum" umfunktionierte - Cafeteria betreten.

Vom DRK sind vier Ehrenamtler gekommen. Sie sind bei allen mobilen Impfaktionen im Oberlahnkreis dabei und kümmern sich um die Verwaltung, wie das Einscannen der Unterlagen und Ausstellen der Impfbescheinigungen. Aus dem Haus Fellersborn ist Simone Zanger die "Herrin" über die Ordner mit den Personaldaten, Einwilligungs- und Datenschutzerklärungen, Anamnese und Aufklärungsblätter.

In der Zwischenzeit hat Holger Lück vom Apothekenteam die BioNTech-Impfstoff-Konzentrate im Kühlkasten hereingebracht. Rund 105 Dosen werden heute gebraucht. "Sie kommen bei minus 80 Grad an und werden auf Kühlschranktemperatur aufgetaut, um dann gekühlt hierher transportiert zu werden", erklärt der Fachmann. "Hier werden sie dann mit Kochsalz verdünnt und als Impfdosen aufgezogen". Das Team hat sich in Ganzkörperanzüge über der normalen Kleidung begeben und trägt Masken und Haarschutz. Die fünf Frauen sitzen an einem langen Tisch und beginnen, die einzelnen Spritzen, die vorher noch mal alle einzeln desinfiziert wurden, mit Impfstoff und Kochsalzlösung zu befüllen.

"Keinerlei Nebenwirkungen"

Inzwischen sind auch Dr. Christiane Langschied und ihre Mitarbeiterin Meike Wagner eingetroffen. Für sie ist eine extra abgetrennte Ecke für die Impfung vorgesehen. Meike Wagner bereitet die Patienten vor: Desinfektionsmittel wird auf die Impfstelle aufgebracht. Sie reicht die Impfung an, ebenso das Pflaster.

Dann geht es los: Zuerst wird die Heimleitung geimpft, dann das Personal, das nach und nach in einer Schlange und mit anderthalb Metern Abstand voneinander dem Piekser entgegen schreitet. Mancher Pullover ist zur Hälfte schon ausgezogen und der nackte Arm wartet auf die Frau Doktor. Die Impfung selbst geht schnell: ruckzuck ist alles vorbei.

Geimpft wird an diesem Dienstag auch Heide Schiebel aus Löhnberg. Die 76-Jährige war zum Zeitpunkt der ersten Impfung aufgrund eines Fußtrümmerbruchs für sechs Wochen zur Kurzzeitpflege im Seniorenheim. "Ich wurde hier sehr gut versorgt und in dieser Zeit auch geimpft. Und heute kann ich mir meine zweite Impfung abholen", sagt sie, und fügt noch an, dass sie keinerlei Nebenwirkungen verspürt habe.

Die Heimbewohner selbst kamen danach an die Reihe - allerdings nicht in der Cafeteria, sondern in ihren Wohngruppen. Und diese durfte die Öffentlichkeit zum Schutz der Bewohner noch nicht wieder betreten. Besuche mit Angehörigen fanden nur nach Terminabsprache in der Cafeteria statt. Von Margit BAch

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