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In keinem guten Zustand: Vor 20 Jahren erfolgte die letzte Sanierung an der Laneburg.

Renovierung

Löhnberg: "Die Bürger bekommen ihr Schloss zurück"

4,9 Millionen Euro für die Sanierung der Laneburg - Festsaal und Ausstellungsraum geplant

Löhnberg -Im Jahr 2024 jährt sich zum 700. Mal die erste urkundliche Erwähnung des Löhnberger Schlosses Laneburg. Das im Rahmen der Stadtrechtsverleihung errichtete Schloss der Grafen von Nassau-Dillenburg wurde im 16. Jahrhundert als Renaissanceschloss ausgebaut. Die exponierte Lage über dem Lahntal und der besonders kompakte Baustil zeichnen die Laneburg gegenüber den beiden anderen nassauischen Schlossanlagen in Hadamar und Weilburg aus.

Im 18. Jahrhundert folgte dann die barocke Umgestaltung und die Laneburg erhielt ihr weithin sichtbares markantes Mansarddach. Bei einem Brand im Jahr 1900 wurde der Bau in Mitleidenschaft gezogen. Seitdem wurde immer wieder versucht, die Bausubstanz zu erhalten. Vor 20 Jahren erfolgte die letzte Sanierung. Diese durfte aus damaligen Denkmalschutzgründen die Mauerkronen nicht überbauen. Das ungehindert eindringende Wasser sorgte für starke Verfallserscheinungen, die ein umgehendes Handeln erfordern. Die Gemeinde ist als Eigentümer verpflichtet dafür Sorge zu tragen, dass keine Mauerteile herabfallen.

Nach eingehenden Beratungen mit dem zuständigen Architekturbüro gibt es dafür zwei Alternativen: Alternative eins, so das Büro, wäre die Sanierung und jährliche Sicherung der Bausubstanz. Eine Maßnahme, die sich im Laufe der Zeit auf eine siebenstellige Summe summieren würde, ohne dass die Burg tatsächlich umfassend genutzt werden könnte, was nicht im Sinne der Löhnbergerinnen und Löhnberger sein könne.

Zuschüsse in Aussicht

Die zweite Alternative stellt eine umfassende Sanierung dar, die folgende Ziele berücksichtigen könnte: Zum einen den Anschluss der Laneburg an das Fernwärmenetz der Gemeinde, um insbesondere die Kellerräume trocken zu legen. Zum anderen eine umfangreiche Sanierung und Stabilisierung sämtlicher Wände sowie den Wiederaufbau des historischen Mansarddachs, um auf diese Weise gleichzeitig alle Mauerkronen zu schützen. Zu einer Gesamtsanierung fehlt dann nur noch der Innenausbau. Aus diesen Gründen präferiert die Gemeinde den zweiten Weg, der zwar zunächst viel Geld kosten wird, für den aber erhebliche Zuschüsse in Aussicht gestellt wurden. Diese konnten nun zur großen Freude der Gemeinde und Bürgermeister Dr. Frank Schmidt konkretisiert werden.

Im Rahmen der Haushaltsberatungen des Bundes wurde das Förderprogramm "National Wertvolle Kulturdenkmäler" aufgestockt und eine zusätzliche Antragstellung ermöglicht. "Natürlich haben wir einen Antrag gestellt, der dann auch die Gesamtsanierung beinhaltete, um allein schon alle Möglichkeiten auszuloten", so Bürgermeister Dr. Frank Schmidt (SPD).

Spätestens hier müsse die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Ritz & Losacker, der Denkmalpflege im Landkreis, dem Ersten Kreisbeigeordneten Jörg Sauer und Antje Mackauer-Brühl und Bezirkskonservator Frank Aulbach hervorgehoben werden.

Weinkeller bleibt erhalten

Mit tatkräftiger Unterstützung des Bundestagsabgeordneten Martin Rabanus wurde dann im Rahmen der Beratungen im Haushaltsausschuss die Laneburg mit einem Betrag von 4,9 Millionen Euro Förderung aufgenommen. "Hier gilt es allen Dank zu sagen", so der Bürgermeister. Ein so hoher Betrag sei einmalig. Der für Denkmalschutz zuständige Dezernent des Landkreises und ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Löhnberg Jörg Sauer zeigte sich hocherfreut, dass das vor mehr als 20 Jahren verfolgte Ziel des Wiederaufbaus, das damals abgelehnt wurde, durch ein Umdenken an den zuständigen Stellen wahr werden wird.

Nun sei das Land Hessen am Zug, kräftig mitzufinanzieren, damit eine Gesamtsanierung ermöglicht werde, heißt es vonseiten des Bürgermeisters weiter. Denn die Gemeinde wäre aus eigener Kraft nicht in der Lage, derartige Summen zu stemmen. Die Gespräche hierzu seien bereits am Laufen.

Bei der Gesamtsanierung durch Förderung kommt es auch darauf an, eine umfangreiche Nutzung vorzulegen. Dabei stehen die Bereiche, die den Bürgern und Vereinen zur Verfügung gestellt werden können, im Mittelpunkt. Der Weinkeller bleibt für Feierlichkeiten erhalten und im neuen Dach entsteht ein Festsaal. Der Turm mit Trauzimmer wird komplett restauriert. Mit Vorraum und Besprechungsraum entstehe ein Bereich für Trauungen.

Die historische Halle im Erdgeschoss, zurzeit Küche, Lager und Kühlraum, wird mit zwei Säulen wieder hergerichtet. Hier entsteht neben einem umfangreichen Bürgerbüro ein Ausstellungs- und Empfangsraum für Vereine und die Gemeinde. An die kombinierte Außennutzung ist dabei auch gedacht. Technik und Toiletten werden hierzu extra errichtet. Wenn durch diese ganzen Maßnahmen noch zwei bisher nicht vorhandene Zwischengeschosse mit normaler Raumhöhe entstehen, besteht die Möglichkeit, die Gemeindeverwaltung hier unterzubringen und damit die Auflage der eigenen Nutzung zu erfüllen.

"Ob die Laneburg dann rechtzeitig zum 700. Geburtstag 2024 in altem Glanz erstrahlt, ist eher unwahrscheinlich, denn derartige Sanierungen dauern halt", so Bürgermeister Schmidt. "Aber ein Anfang mit hervorragenden Förderbedingungen wäre gemacht. Und etwas, was vor einigen Monaten noch unmöglich erschien, wird plötzlich Wirklichkeit. Die Bürgerinnen und Bürger bekommen ihr Schloss zurück. Darauf können wir alle stolz sein." red

Eine Skizze von der Laneburg der Architektin Patricia Wolf.

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