Jetzt ist eine Frau die „Haupt-Frau“

Ein Mann, vier Frauen, 23 Kinder

  • schließen

Bereits im vergangenen Jahr ist ein syrischer Geschäftsmann mit vier Frauen und 22 seiner 23 Kinder aus seiner Heimat in den Westerwald geflohen. Jetzt lebt er mit einer „Hauptfrau“ und fünf Kindern in der Kreisstadt. Die anderen Mitglieder seiner Großfamilie besucht er regelmäßig.

Das Familienmodell hierzulande ist übersichtlich: Ein Ehepaar besteht aus Mann und Frau. Die Geburtenrate deutscher Frauen liegt derzeit bei knapp 1,5 Kindern. Die islamische Rechtsauffassung erlaubt dagegen einem Mann, sich mit bis zu vier Frauen zu verheiraten und darüber hinaus mit weiteren Geliebten verbandelt zu sein. In dieser Familienkonstellation lebte auch ein Geschäftsmann aus Syrien, der im vergangenen Jahr aus seiner Heimat floh und sich mit seinen vier Frauen und 22 Kindern in der Verbandsgemeinde Montabaur niederließ.

Weil diese Form der Bedarfsgemeinschaft im deutschen Sozialhilferecht aber nicht vorgesehen ist, musste der Mann sich für eine Frau entscheiden, die als seine Ehefrau anerkannt wurde. Dies habe zu „familieninternen Auseinandersetzungen“ geführt, berichtet ein Mann aus der Nachbarschaft der Großfamilie.

Dennoch mussten Fakten geschaffen werden: Der 49-jährige Geschäftsmann lebt jetzt mit seiner „Hauptfrau“ und fünf Kindern in der Kreisstadt. Zwei der anderen Frauen und ihre Kinder sind mittlerweile nicht mehr in der Verbandsgemeinde Montabaur gemeldet, sondern in der Nähe von Koblenz untergebracht. Und eine Frau und vier Kinder wohnen im nahe gelegenen Ruppach-Goldhausen.

Er müsse sie alle regelmäßig besuchen, erklärt der Mann. Dies entspreche den Vorgaben seiner Religion. Allerdings seien die Rundreisen zu seinen an verschiedenen Orten untergebrachten Familien so zeitaufwendig, dass er kaum Gelegenheit habe, eine Arbeitsstelle zu suchen, sagt der Westerwälder Neubürger, der in seiner Heimat nach eigenen Angaben einen Autohandel und mit Kfz-Werkstatt betrieben hat.

„Für alle in der Verbandsgemeinde Montabaur lebenden Familienmitglieder wurde inzwischen über das Asylverfahren entschieden. Demnach wurde der

Aufenthalt befristet

genehmigt. „Weitere Angaben dazu können wir aus Gründen des Datenschutzes nicht machen“, sagt Christina Weiss, Sprecherin der Verbandsgemeinde. Die befristete Aufenthaltsgenehmigung bedeutet, dass die hier lebenden Bedarfsgemeinschaften keine Leistungen mehr nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, die die VG auszahlt, sondern Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB II), für die das Jobcenter Westerwald zuständig ist. Das heißt, „dass sich auch die Zuständigkeit für die Familie dorthin verschoben hat“. Das Jobcenter hält sich indes ebenfalls „aus Gründen des Datenschutzes“ zu diesem konkreten Fall bedeckt, erklärt dessen Mitarbeiter Matthias Görgen.

Fest steht aber: „An die SGB-II-Leistungen sind bestimmte Auflagen und Pflichten gebunden. So müssen die Familienmitglieder, für die keine Schulpflicht mehr besteht, beispielsweise Integrationskurse belegen“, teilt Christina Weiss mit. Dass die nunmehr getrennt lebenden syrischen Familien Probleme oder Schwierigkeiten bei der Orientierung in ihrer neuen Heimat hatten, ist der Sprecherin der Verbandsgemeinde nicht bekannt. „Die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen besuchen Schulen und lernen dort die deutsche Sprache.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare