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Das Wasser am Seeweiher steigt langsam wieder an. Pächterin Kirsten Düngen fürchtet trotzdem um ihre Existenz.

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Ohne Regen keine Badegäste - Damit der Seeweiher schnell voll wird, muss das Wetter mitspielen

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Eine Campingplatzbetreiberin, die sich nichts sehnlicher wünscht als viele, viele verregnete Tage - das klingt absurd. Aber Kirsten Düngen braucht die Niederschläge, damit "ihr Seeweiher" bald wieder voll Wasser und damit badetauglich ist.

Mengerskirchen - Die Arbeiten am Stauwerk des Seeweihers Mengerskirchen sind beendet. Seit fast zwei Wochen wird das Wasser wieder aufgestaut. Doch Campingplatzpächterin Kirsten Düngen fürchtet nach wie vor um einen Verdienstausfall von 100 000 Euro in der Sommersaison 2019 und somit um ihre Existenz. Natürlich können Gäste jetzt schon den Campingplatz nutzen, die Liegewiese und das Restaurant, "doch keiner will sich vor einen leeren Graben setzen". Auch die Besucherzahlen auf dem Campingplatz und im Restaurant hängen maßgeblich vom Wasser im Seeweiher ab, sagt Düngen.

Normalerweise wünscht sich die Pächterin im Sommer viele heiße Tage, denn dann sind bis zu 1000 Badegäste pro Tag bei ihr in Mengerskirchen zu Gast. Doch nun braucht sie erst einmal viel Regen, damit der Seeweiher im Optimalfall in zwei Monaten wieder voll Wasser ist. "Dieses Wochenende ist Regen gemeldet, aber dann soll es bis zum 17. Mai noch mal trocken werden", so Kirsten Düngen.

Einige Campingdauergäste hätten bereits ihren Unmut geäußert, berichtet sie. Sie befürchtet, dass viele Stammkunden für den kompletten Sommer auf andere Campingplätze und Badeseen ausweichen und sie ihren üblicherweise drei Saisonkräften 2019 keine Arbeit bieten kann. Vielleicht müsse sie sogar fest angestelltes Personal entlassen, befürchtet Düngen. Fünf Mitarbeiter beschäftigt sie aktuell am Seeweiher. Eine Entschädigung für den Verdienstausfall durch HessenForst als Besitzer der Wasserfläche kann sie nicht erwarten. Düngen hofft aber nach einem Gespräch mit Mengerskirchens Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) darauf, dass der Marktflecken als Verpächter des Geländes ihr wenigstens einen Teil der Jahrespacht erlässt.

HessenForst habe ihr zwar die komplette Wasserfläche für den Kaufpreis von nur einem Euro angeboten. Doch dann hätte Kirsten Düngen in Zukunft sämtliche anfallenden Pflege- und Reparaturkosten zu zahlen und lehnte deshalb ab. Sie ist trotz gegenteiliger Beteuerungen von HessenForst immer noch der Meinung, dass die Arbeiten am Stauwerk zügiger hätten durchgeführt werden können, so dass nun längst wieder deutlich mehr Wasser im Seeweiher wäre. "Die ganze Situation ist für mich wirklich existenzbedrohend", betont Kirsten Düngen.

Noch keine Entscheidung

Bürgermeister Thomas Scholz erklärt, dass der Gemeindevorstand noch keine Entscheidung getroffen habe, inwieweit Kirsten Düngen die Pacht fürs laufende Jahr erlassen werden könne. Der Mengerskircher Verwaltungschef will HessenForst keinen Vorwurf machen, denn dass sich die Arbeiten verzögert hätten, habe mit der Beschaffung eines Schiebers zu tun gehabt, der vorübergehend nicht lieferbar gewesen sei. "Wir sind aber sehr froh, dass jetzt das Aufstauen des Sees stattfinden kann", sagt Scholz. Und er hoffe natürlich auf soviel Regen, dass der Seeweiher wieder in zwei bis drei Monaten voller Wasser sei. Der Seeweiher habe als Badesee nämlich eine regional hohe Bedeutung, erklärt der Bürgermeister. Er sei schon einmal zu Hessens schönstem Badesee gewählt worden. Deshalb besuchten ihn nicht nur viele Menschen aus der Region. Manche würden extra von weit her aus dem Rhein-Main-Gebiet anreisen, um im Seeweiher zu baden. Wenn der kein Wasser habe, würden sich die Leute dann, so Scholz, natürlich andere Ausflugsziele suchen. Gästen, die derzeit in Mengerskirchen einen Badesee besuchen wollen, empfiehlt Scholz den Waldsee bei Probbach. Davon hätte auch Kirsten Düngen finanziell etwas, weil sie dort ebenfalls Pächterin ist.

Werner Wernecke, Leiter des Forstamtes Weilburg, kann Kirsten Düngens Sorgen verstehen. Doch von HessenForst sei kein Schadensersatz zu bekommen, da nicht HessenForst, sondern die Gemeinde ihr Vertragspartner sei. Düngen habe nicht die Wasserfläche, sondern nur das Land gepachtet, das dem Marktflecken gehöre. Von daher zahle sie auch nichts an HessenForst dafür, dass Besucher das Wasser zum Schwimmen nutzen könnten. Das erlaube HessenForst den Badegästen aber weiterhin gerne. Verträge habe HessenForst am Seeweiher, so Wernecke, aber lediglich mit den Fischereivereinen Oberlahn und Mengerskirchen, die das Angelrecht am Gewässer erworben hätten.

Werner Wernecke drückt die Daumen, dass in nächster Zeit viele Niederschläge kommen und nicht sofort eine längere Hitze- und Dürrephase eintritt. Die Forstverwaltung braucht den Regen ebenfalls, weil nach dem heißen Sommer 2018 viele Bäume zu vertrocknen drohen. Ohne ausreichende Niederschläge wird laut Wernecke in diesem Jahr auch die Waldbrandgefahr in der Region deutlich steigen.

Der Forstamtsleiter gibt offen zu: "Natürlich besteht ein Risiko, dass es dieses Jahr keinen Badebetrieb mehr am Seeweiher gibt, falls es 2019 so trocken wie im vergangenen Sommer wird." HessenForst könne aber nichts für die Situation. Man sei verpflichtet, spätestens alle 20 Jahre eine grundlegende Sicherheitsüberprüfung durchzuführen. Die Forstverwaltung habe die einzelnen Sanierungsschritte zügig nacheinander abgewickelt, so dass man nichts dafür könne, dass mit dem Aufstauen nicht früher habe begonnen werden können.

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