„Alles richtig gemacht“

  • Rolf Goeckel
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Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben die Bauarbeiten für den Windpark Mengerskirchen am Knoten offiziell begonnen. Spätestens im Dezember sollen drei neue Windräder Strom produzieren, erklärte Bürgermeister Thomas Scholz.

Auf ein gewaltiges öffentliches Interesse stieß der erste Spatenstich, mit dem die bereits vor Wochen begonnen Bauarbeiten zum Windpark Mengerskirchen am späten Montagnachmittag nun auch offiziell gestartet sind. Gut 100 Besucher nahmen an der Feier teil, unter ihnen der Gießener Regierungspräsident Dr. Lars Wittek (CDU). 13,5 Millionen Euro investiert die Windpark-Gesellschaft, an der neben der Süwag und der Hermann-Hofmann-Gruppe auch der Marktflecken Mengerskirchen beteiligt ist. Später will sich die Gesellschaft auch für eine Bürgergenossenschaft öffnen, sagte Bürgermeister Thomas Scholz (CDU). Marktflecken und Bürgergenossenschaft sollen bis zu 70 Prozent der Gesellschaftsanteile halten.

Lokale Wertschöpfung

Wittek erinnerte an den langen Weg von der Idee bis zur Realisierung des Windparks Mengerskirchen – und das obwohl der Marktflecken eigentlich „alles richtig gemacht“ habe. Die Energiewende sei auf Bundesebene „verheerend geplant“ worden, kritisierte Wittek. Diese Unzulänglichkeiten müssten anschließend auf der kommunalen Ebene ausgebügelt werden. Der Regierungspräsident lobte das Mengerskirchener Genossenschaftsmodell als den richtigen Weg, die Bürger ins Boot zu holen. „Die Energiewende funktioniert nicht, wenn für die Bürger Energie nur immer teurer wird“, sagte der CDU-Politiker. Wichtig sei, dass auch heimische Banken und Firmen eingebunden seien. „Die Energiewende wird im ländlichen Raum entschieden“, sagte Wittek, „und Mengerskirchen hat es gut gemacht.“ Auch wenn die interkommunale Solidarität fast ausgereizt worden sei. Wittek spielte damit auf eine Klagedrohung der Gemeinde Greifenstein an, die erst im Dezember 2013 zurückgezogen wurde. Jahre zuvor hatte die Gemeinde Mengerskirchen gegen den benachbarten Windpark Knoten auf Driedorfer und Greifensteiner Gemarkung geklagt.

Scholz lobte die gemeindlichen Gremien – Gemeindevertretung und Energiekommission –, die „ohne politische Scharmützel und ideologische Haltungen“ die notwendigen Beschlüsse gefasst hätten. Die Früchte des Projekts seien vielfältig. Neben einem wesentlichen Beitrag zur Energiewende nannte er die lokale Wertschöpfung (Firmen und Banken aus der Region), die mögliche Bürgerbeteiligung, aber auch ergänzende Bestimmungen zum Fledermausschutz und Schallschutz sowie eine Schattenabschaltautomatik. Der Mindestabstand zur Wohnbebauung sei auf 1360 Meter erhöht und die Zahl der Windräder von vier auf drei verringert worden. Allerdings blieben die Anlagen sichtbar. Die Voraussetzungen für einen Bürgerstromtarif seien geschaffen worden, Bau und Betrieb der Anlagen erzielten eine hohe Wirtschaftlichkeit. Scholz erwähnte neben Pacht und Ertrag auch die Einnahmen aus der Gewerbesteuer.

Michael Koch von der Hermann Hofmann Erneuerbare Energien versprach, dass der gerodete Wald „eins zu eins“ wiederaufgeforstet werde. Außerdem soll der Radweg R 8 an den Windpark heranführen, geplant seien ferner kostenloser Strom für E-Bikes und ein kleiner Themenpark zu „Erneuerbare Energien im Einklang mit der Natur“.

Jouke Landman (Süwag) erklärte, dass der von den Windrädern produzierte Strom (bis zu 20,4 Megawattstunden) direkt ins Stromnetz des Marktfleckens eingespeist werde. Ein Umspannungswerk sei nicht notwendig. Dirk Pumplun von der Süwag lobte Zielstrebigkeit und Tatkraft von Politik und Verwaltung vor Ort. Die jahrzehntelange vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Marktflecken und dem Energieunternehmen trage Früchte.

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