Gebühren abgeschafft

Gemeindevertretung streicht die Beiträge für Kinderbetreuung

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Der Marktflecken Mengerskirchen macht in Sachen kostenlose Kinderbetreuung ernst. Die Gemeindevertreter beschlossen, weit über die Pläne des Landes Hessen hinauszugehen und ab 1. August sämtliche Mengerskircher Krippen- und Kitakinder beitragsfrei zu stellen.

Der Marktflecken Mengerskirchen schafft zum 1. August die Kita- und Krippengebühren für einheimische Kinder ab. Das hat Dienstagabend die Gemeindevertretersitzung im Bürgerhaus Schloss einstimmig beschlossen. Für auswärtige Kinder bleiben die Betreuungsgebühren allerdings wie bisher.

Karl-Leo Schlicht (SPD) freut sich, dass durch die Initiative des Landes Hessen, pro Kind sechs freie Stunden am Tag einzuführen, auch die CDU in Mengerskirchen auf diesen Zug aufgesprungen sei. Die SPD, so Schlicht, fordere bereits seit Jahren eine kostenfreie Kinderbetreuung. Doch in der Vergangenheit sei die CDU immer dagegen gewesen. Schlicht sagte: „Für uns ist es wichtig, dass alle Eltern ihre Kinder in die Tagesstätte schicken können und niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen wird.“

Katja Konheiser von der Gemeindeverwaltung berichtete, dass das Land pro Kind und Jahr künftig 1627 Euro zur Beitragsfreistellung beisteuere. Hinzu kämen 100 Euro zur Qualitätssicherung an den Einrichtungen; bis 2020 soll auf 300 Euro erhöht werden. Zum Stichtag Mitte März wurden 166 Kinder in den Mengerskircher Kitas betreut. Nach den Erfahrungen anderer Kommunen geht Konheiser davon aus, dass auch in Mengerskirchen der Großteil der Eltern für ihre Kinder die kostenlose Ganztagsbetreuung wählen wird.

Damit kein öffentliches Geld verschleudert wird, werden Anwesenheitslisten geführt. Das heißt: Auch im Marktflecken werden Eltern angesprochen, die ganztags buchen, ihre Kinder aber dann doch nicht oder nur sporadisch zur Nachmittagsbetreuung schicken.

Durch den Landeszuschuss sinke der kommunale Anteil an den Betreuungskosten im kommenden Kindergartenjahr bei den Kitas von 940 000 auf 857 000 Euro. Sollten alle Eltern auf Ganztagsbetreuung umsteigen, kämen pro Jahr wegen höherer Personalkosten weitere 102 500 Euro auf die Gemeinde zu, macht insgesamt rund 960 00 Euro.

Konheiser berichtete, dass momentan in den Kitas in Mengerskirchen 20 Kinder unter drei Jahre betreut würden und 24 weitere in reinen Krippengruppen. Derzeit liege der Zuschussbeitrag der Gemeinde im Jahr bei 275 000 Euro. Sollten alle Eltern auf Ganztagsbetreuung umstellen, wären es 453 000 Euro. Konheiser sagte, dass die Kosten im Krippenbereich über eine Senkung der Kreis- und Schulumlage kompensiert werden können. Die Ausschüsse empfahlen auch die Beitragsfreistellung für alle Kinder unter Schulalter.

Zum Thema Neubau der Kita „Neue Mitte“ im Ortsteil Mengerskirchen sagte Bürgermeister Thomas Scholz (CDU), dass zwei Varianten noch in der engeren Auswahl seien. Am 3. Mai würden von den jeweiligen Planern die beiden Konzepte vorgestellt und diskutiert. Scholz rechnet mit einem

Baubeginn im Herbst

diesen Jahres.

Auf der Pfarrwiese hinter der bisherigen Kita soll eine Einrichtung mit 100 Plätzen entstehen, überwiegend für Ü3-Kinder. Scholz sagte, dass die neue Einrichtung eng mit dem benachbarten Seniorenheim kooperieren wolle. Wie dies funktionieren kann, habe der Arbeitskreis im Pflegeheim St. Georg in Limburg angesehen. Auch auf dem Gelände in Mengerskirchen könnten Innenräume und Außenflächen entstehen, die beide Gruppen gleichermaßen nutzen könnten.

Auch für Insekten möchte der Marktflecken Mengerskirchen die Lebensbedingungen verbessern. Darum wurde letztes Wochenende mit dem Anlegen von Blühwiesen begonnen. Manche Flächen hätten Landwirte zur Verfügung gestellt, andere aber auch die Gemeinde, so Scholz. So werde eine Blühfläche beispielsweise an der Staumauer des Waldsees entstehen.

Die Zahl der Flüchtlinge in Mengerskirchen ist seit der letzten Gemeindevertretersitzung um zehn Prozent auf 100 Personen gesunken. 21 bleibeberechtigte Personen seien in privaten Wohnraum gewechselt. Zum 30. Juni würden zwei von acht Gemeinschaftsunterkünften im Marktflecken geschlossen, kündigte Scholz an. Da aktuell nur noch zehn Flüchtlinge pro Woche im Landkreis Limburg-Weilburg ankämen, sei auch in Mengerskirchen mit der Schließung weiterer Unterkünfte nach Ablauf der Verträge zu rechnen.

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