Der Hildegardishof ist in den vergangenen Jahren für zehn Millionen Euro generalsaniert und erweitert worden.
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Der Hildegardishof ist in den vergangenen Jahren für zehn Millionen Euro generalsaniert und erweitert worden.

Hildegardishof eingeweiht

Kinder sollen Leben in die Bude bringen

Projekt des Bistums Limburg im Mengerskirchener Ortsteil Waldernbach: Sanierung und Erweiterung kostete 10 Millionen Euro.

Mengerskirchen -Mehr als ein Jahrzehnt wurde konzipiert, geplant, beraten, entschieden und gebaut. Nun ist der neue Hildegardishof fertig und eröffnet. Bischof Dr. Georg Bätzing hat das generalsanierte und erweiterte Tagung- und Bildungshaus in Waldernbach eingeweiht.

Bischof Dr. Georg Bätzing ist sich sicher, dass der Hildegardishof den Menschen im Bistum Limburg und weit darüber hinaus zugutekommen wird. "Dieser Ort hat eine Geschichte und diese Geschichte lebt in ganz vielen Herzen", so Bätzing. Viele Menschen hätten im Hildegardishof Natur erlebt, Gemeinschaft und Kirche erfahren und seien so geprägt worden, dass sie sich auch Jahrzehnte später noch eng mit dem Haus verbunden fühlten. "Diese Verbundenheit und eine hohe Energie habe ich gespürt als ich Bischof von Limburg wurde und in der Bistumsleitung diskutiert wurde, ob der Hildegardishof eine Zukunft haben kann", sagte der Bischof. Die Entscheidung für das Haus sei dann voll Energie getroffen worden.

Für ihn passt der Hildegardishof mit seinem Konzept und seiner neuen Gestalt gut in die Zeit. Die kirchliche Situation habe sich geändert. Papst Franziskus habe neue, wichtige Zukunftsthemen, wie die Bewahrung der Schöpfung oder auch die Rolle der Familien in Kirche und Gesellschaft stark gemacht. Die Flutkatastrophe an der Ahr und in anderen Regionen des Landes habe gezeigt, dass der Mensch nur dann eine Zukunft haben wird, wenn er mit der Natur und mit ihren Kräften lebe. Der Hildegardishof mit seiner nachhaltigen Einrichtung, mit seiner naturnahen Farbgestaltung und mit Raumnamen, die auf biblische Pflanzen und Tiere verweisen, sensibilisiere dafür.

Familien besonders

benachteiligt

Der Bischof hofft zudem, dass Kinder "Leben in die Bude bringen", denn Familien sollen hier besonders willkommen sein und gestärkt werden. "Familien sind in dieser Corona-Pandemie besonders benachteiligt, gefährdet und bedroht. Wenn sie eingeengt sind, ist es schwer für sie, ihren Auftrag zu erfüllen, Kinder ins Leben einzuführen", erklärte Bätzing. Dafür brauche es Leichtigkeit, Kreativität und gute Räume.

"Wir wollen hier das Wohl von Kindern und Familien stärken. Das können wir als Kirche nicht mehr alleine tun. Und wir wollen es auch nicht mehr. Wir sind ein Player unter vielen anderen. Gemeinsam mit ihnen werden wir dieses Haus verlebendigen", sagt der Bischof. Vor vier Jahren seien die Türen des Hildegardishofs geschlossen worden. Nun stünden die Türen wieder weit offen und das Haus habe eine neue Aufgabe.

Intensiv begleitet wurde die Generalsanierung und Erweiterung des mehr als 100 Jahre alten Hauses vom Architekturbüro Schoeps & Schlüter aus Münster. Architekt Martin Schlüter ist stolz auf den neuen Hildegardishof. "Das nächste Mal kommen wir als Gäste in dieses Haus und werden es ganz anders erleben als in der langen Bauzeit. Den Schlüssel übergebe ich gerne und mit Stolz. Aber es ist auch ein bisschen Wehmut dabei", so Schlüter. Für ihn ist der Hildegardishof ein einzigartiges Gebäude, das in die Landschaft reingewachsen ist.

Voller Begeisterung für den neuen Hildegardishof ist auch der Bürgermeister von Mengerskirchen, Thomas Scholz. "Ich danke dem Bistum für seinen Mut hier im Westerwald ein solches Projekt zu wagen. Bewusst haben Sie sich für Waldernbach entschieden und sind mit dem Konzept nicht in die Großstadt gegangen", machte Scholz deutlich. Es brauche solche mutigen Entscheidungen, um vor Ort gestalten zu können und bei den Menschen zu sein. Scholz erinnerte daran, dass es zunächst den Plan gab, das historische Gebäude abzureißen und ein paar Meter weiter, ein neues Gebäude zu errichten. "Ich bin dankbar, dass diese Pläne umgeplant wurden und das Haus, das das Leben vieler über Jahrzehnte geprägt hat und so gut ins Ortsbild passt, erhalten werden konnte", sagte der Bürgermeister.

Marco Gasparini, der Geschäftsführer des Eigenbetriebs kirchlicher Tagungshäuser im Bistum Limburg, freut sich über die große Kontinuität, die mit dem Hildegardishof fortgeführt wird. 1956 habe Bischof Dr. Wilhelm Kempf in das Haus investiert und es zu einem Haus des Bistums gemacht. "Mehr als sechs Jahrzehnte später haben wir hier ein katholisches Innovationsprojekt realisiert. Viele haben hier mitgewirkt und werden das Haus nun mit Leben füllen", lobt Gasparini.

Rund zehn Millionen Euro hat die Generalsanierung und Erweiterung des Hildegardishofes gekostet. Ab Mitte 2018 wurde das viergeschossige Haus entkernt und erweitert: Das bisher vorgelagerte Treppenhaus, wurde durch zwei Treppenhäuser rechts und links im Gebäude ersetzt. Im Erdgeschoss der Tagungs- und Bildungsstätte sind ein Foyer und darüber hinaus eine Kapelle entstanden. Neu ist Gartengeschoss, das sich zur Talseite Richtung Süden öffnet und an den Speisesaal anschließt. Im ersten Obergeschoss ist ein 150 Quadratmeter großer Saal entstanden, der einer Schublade gleich zur Talseite aus dem Gebäude herausragt und eine tolle Aussicht über den Westerwald bietet. In der dritten und vierten Etage stehen 68 Betten in Mehrbett- sowie Betreuerzimmer zur Verfügung. Ein Highlight des Hauses ist das Oratorium, die Kapelle. Der Künstler Klaus Simon hat sie unter anderem mit Elementen aus dem Holz eines Mammutbaumes gestaltet. red

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