Christian Reim, Dr. Matthias Schlotmann (von links), Werner Heuser, Karin Ohm-Winter, Dr. Christoph Ullrich, Stephan Schmidt und Ralf Ukleja in der Grube Wimpfsfeld III.
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Christian Reim, Dr. Matthias Schlotmann (von links), Werner Heuser, Karin Ohm-Winter, Dr. Christoph Ullrich, Stephan Schmidt und Ralf Ukleja in der Grube Wimpfsfeld III.

Gewinnung von Ton

Mengerskirchen: Auf den Spuren des "weißen Goldes"

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich besucht Tongrube Wimpfsfeld III und Werk Maienburg

Mengerskirchen -Das Rattern ist allgegenwärtig. Unaufhaltsam transportiert ein Förderband nach dem nächsten tonnenweise Tonklumpen in Richtung Lagerhalle. Ein ganzes Stück müssen Besucher laufen, um zu sehen, woher die mal kleinen, mal größeren Brocken kommen. Auf dem Weg entlang der Förderbänder werden sie schon bald mit einem spektakulären Blick in den offenen Tagebau belohnt: oben Bäume, dann dunkle Erd- und Steinschichten. Und je tiefer es geht, desto heller wird es auch. Erst gelblich und grau, dann weiß. Spätestens jetzt erkennt auch der, der mit Tage- und Bergbau nichts am Hut hat, warum der Ton, den die Stephan Schmidt KG in Mengerskirchen gewinnt, als das "weiße Gold des Westerwalds" bezeichnet wird.

Dass es in "seinem" Regierungsbezirk und noch dazu in seinem Heimatlandkreis Limburg-Weilburg abgebaut wird, darauf ist der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich natürlich stolz. Er stattet dem Unternehmen daher gerne - und nicht zum ersten Mal - einen Besuch ab, und ist erneut beeindruckt von dem, was er sieht und hört.

Gemeinsam mit Umweltabteilungsleiterin Karin Ohm-Winter und Ralf Ukleja, dem stellvertretenden Leiter des RP-Dezernats für Bergaufsicht, besichtigt Ullrich an diesem Herbsttag sowohl die Grube Wimpfsfeld III als auch das Werk Maienburg mit Misch- und Aufbereitungsanlage. Stephan Schmidt (geschäftsführender Gesellschafter) und Werner Heuser (Geschäftsleitung Produktion und Technik) vonseiten des Unternehmens mit Sitz in Dornburg sowie Dr. Matthias Schlotmann (Geschäftsführer) und Christian Reim (Referent Umwelt und Energie) vom Bundesverband Keramische Rohstoffe und Industrieminerale e. V. (BKRI) sind ihre Gesprächspartner.

An Themen mangelt es nicht. Da ist zum einen das 1947 gegründete Familienunternehmen mit seinen rund 200 Mitarbeitern, über das es viel zu erzählen gibt. Zum anderen geht es auch um Rohstoffe im Allgemeinen und den verantwortungsbewussten Umgang mit ihnen, die Abhängigkeit von China oder auch die Klimakrise. "Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind uns wichtig. Aus diesem Grund werden wir anlässlich unseres 75-jährigen Bestehens, das wir 2022 feiern, 75 000 Bäume im Westerwald pflanzen", kündigt Stephan Schmidt an.

Zur Fliesenproduktion nach Italien

Im Mittelpunkt steht an diesem Nachmittag aber das "weiße Gold" und das, was daraus gemacht wird. "Ein Mensch verbraucht in 70 Jahren etwa 29 Tonnen Ton." Schon Stephan Schmidts Aussage zu Beginn lässt aufhorchen. Ziegel, Waschbecken, Fliesen, Gipskartonplatten, emaillierte Backbleche, Feinsteinzeug - da kommt im Laufe eines Lebens viel zusammen. Zudem wird der Ton als Füllstoff oder auch für Umweltprojekte wie Deponieabdichtungen eingesetzt.

In den 20 Gruben, von denen sich 16 im Westerwald befinden, werden alles in allem über 400 Tone abgebaut. Mehr als 1,5 Millionen Jahrestonnen vermarktet das Unternehmen, etwa 60 bis 70 Prozent werden exportiert. Rund 500 000 Tonnen pro Jahr werden allein zur Fliesenproduktion nach Italien geliefert. Mit der Bahn, da ein paar Kilometer weiter in Löhnberg eine Verladestelle ist. Aber auch mittels Schiff und natürlich Lastwagen kommen die Produkte zu ihren Kunden. "Wir sind traditionell sehr international aufgestellt. Unsere Kunden sind meist im europäischen Ausland, aber auch in China", berichtet Schmidt. Er leitet die Stephan Schmidt Gruppe, zu der neben der Stephan Schmidt KG fünf weitere Unternehmen gehören, seit 2013 zusammen mit seinem Vater.

Was hier in der Grube Wimpfsfeld III abgebaut wird, ist 30 Millionen Jahre alt, wie Werner Heuser berichtet. "Unten liegt das Beste", ergänzt der geschäftsführende Gesellschafter. Mit großen Baggern geht es Meter für Meter in die Tiefe. "Es dauert einige Zeit, bis die Maschinenführer eingearbeitet sind", erklärt Schmidt beim Blick auf die zwei Mitarbeiter, die hier zugange sind. Denn sie müssen nicht nur die Maschinen bedienen können, sondern auch Ahnung von Ton haben. Ist er sandig? Oder lehmig? Anschauen und anfassen helfen zur ersten Einordnung. Die chemischen Analysen werden dann in den unternehmenseigenen Laboren gemacht. "Mein Opa hat den Ton früher auch in den Mund gesteckt und geschmeckt", erzählt Stephan Schmidt lachend. Hat der Ton die Grube und die dazugehörige Lagerhalle verlassen, wird er mit Lastwagen ins Werk Maienburg transportiert. Dort wird er weiterverarbeitet. Je nach Kunde und geplanter Verwendung werden die Rohstoffe zerkleinert und nach bestimmten "Rezepten" vermischt oder gar gemahlen. "Wir verkaufen in der Regel Kompositionen mit ganz bestimmten Eigenschaften", sagt Werner Heuser. Abgebaut wird übrigens fast das ganze Jahr über. "Wir müssen kontinuierlich fördern. Sonst steht im schlimmsten Fall die Produktion beim Kunden", weiß er.

Neben der Rohstoffgewinnung und der Aufbereitung wird übrigens kräftig geforscht und entwickelt. "Die Stephan Schmidt KG ist sehr innovativ", lobt Dr. Matthias Schlotmann vom Rohstoffverband BKRI, in dem das Dornburger Familienunternehmen Mitglied ist. Immer wieder gibt es neue Produkte und Anwendungsbereiche, wie Stephan Schmidt bestätigt. Doch das kommt nicht von ungefähr: "Durch unsere jahrzehntelange Erfahrung sowie durch unsere modern ausgestatteten Betriebe und Labore sind wir immer einen Schritt voraus, wenn es um Innovationen geht", sagt er.

"Unsere Branche ist sehr fortschrittlich. Unsere Mitgliedsfirmen investieren intensiv in Forschung und Entwicklung. Was auch notwendig ist, denn wir befinden uns im internationalen Wettbewerb. Leider wird unsere Branche aktuell durch die steigenden Energiekosten belastet. Denn diese benachteiligen insbesondere unsere energieintensiven mittelständischen Unternehmen, die ihre hoch veredelten Produkte weltweit vermarkten", ergänzt BKRI-Geschäftsführer Dr. Matthias Schlotmann.

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