Natur-Idylle pur bietet der Seeweiher in Mengerskirchen.
+
Natur-Idylle pur bietet der Seeweiher in Mengerskirchen.

Freizeiteinrichtung vor ungewisser Zukunft

Mengerskirchen: Seeweiher-Pächterin wirft hin

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
    schließen

Kirsten Düngen gibt Freibad, Campingplatz und Restaurant zum Saisonende auf. Als Gründe nennt sie das fehlende Wasser im Vorjahr und nun die Corona-Pandemie.

Mengerskirchen -Die Corona-Pandemie gab Kirsten Düngen den Rest: Die Pächterin des Mengerskirchener Freibads und Campingplatzes Seeweiher gibt ihren Tourismus-Betrieb zum Ende der aktuellen Saison auf. Zwischen Januar und März 2021 will sie an einen Nachfolger übergeben, der den Betrieb dann vom 1. April an fortführen soll.

Vergangenes Jahr kein Wasser im See, in diesem Jahr Corona. "Irgendwann hat man dann einfach keine Lust mehr", blickt Seeweiher-Pächterin Kerstin Düngen (55) reichlich frustriert zurück. Deshalb habe sie sich entschlossen, die Reißleine zu ziehen und ihren Betrieb komplett aufzugeben. Seit 2012 betreibt Düngen den Campingplatz Seeweiher und das Freibad im Erbbaurecht. Außerdem führt sie ein Restaurant, zu dem auch ein Wohnhaus gehört. Die Immobilie ist ihr Eigentum und soll verkauft werden. Dafür gebe es auch schon Interessenten, sagt sie.

Nur noch ein

"Schlammbad"

Seit 2002 bereits arbeitet Kirsten Düngen am Mengerskirchener Seeweiher, damals noch im Betrieb der Schwiegereltern, den sie 2012 in Eigenregie übernahm. Die Geschäfte seien sehr gut gelaufen, sagt sie. Doch 2019 kam dann der Einbruch. Weil Hessen Forst Reparaturarbeiten an dem Stausee vornehmen musste, wurde über den Winter 2018/19 das Wasser komplett abgelassen - und laut Düngen zu spät wieder angestaut. Die Folge: Wegen des trockenen Sommers floss nicht genügend Wasser nach, so dass bestenfalls "Schlammbaden", aber kein ordentlicher Badebetrieb möglich gewesen sei. "Die Badesaison 2019 fiel komplett aus, der Tourismus zu 80 Prozent", so Düngen. Die Gastronomie lief nur noch "ein bisschen", sagt die Pächterin.

Hoffnungen, dass in diesem Jahr alles wieder gut wird, hat die Corona-Pandemie zunichte gemacht. Erst am 15. Mai durfte der Campingplatz wieder öffnen - allerdings mit einer Kapazität von nur 50 Prozent. Das bedeutet: Von 50 Stellplätzen dürfen nur 25 vermietet werden. Die drei Gruppenplätze für Jugend- und Vereinsgruppen dürfen ebenfalls nur zur Hälfte ausgelastet werden.

Restaurant und Freibad bleiben dicht

Betroffen von den Corona-Beschränkungen ist auch das Freibad. Höchstens 100 Gäste dürfen dort baden. Düngen: "Das lohnt kaum den Personalaufwand." Für den Badebetrieb benötige sie eine Aufsichtsperson. Deshalb habe sie sich entschlossen, das Freibad nicht wieder zu eröffnen. Davon nicht betroffen sind die Camper, die selbstverständlich den Seeweiher weiter nutzen können. Das Restaurant hingegen soll wegen der aus Düngens Sicht "unverhältnismäßigen" Corona-Auflagen ebenfalls geschlossen bleiben.

Von der "großen Politik" fühlt sich die 55-Jährige ein Stück weit im Stich gelassen, wie sie sagt. "Viele Maßnahmen sind übertrieben", sagt sie. Sie kenne viele Gastronomen, die zurzeit "den Bach runtergehen".

Gestrichen sind in diesem Jahr auch die musikalischen Events, die Düngen während der vergangenen Jahre veranstaltet hat. Dazu gehörte neben einem Techno-Konzert auch ein Linedance- und Country-Festival, das im Juni stattfinden sollte. Wegen Corona hat Düngen das Musikereignis abgesagt.

Eine wirtschaftliche Stütze sind immerhin 200 Dauercamper, die der Anlage treu geblieben sind. Die letzten Plätze habe sie sogar erst kürzlich vermietet, berichtet Kirsten Düngen, die eine ungebrochen hohe Nachfrage verzeichnet. "Daran zeigt sich der Trend, den Urlaub in Deutschland zu verbringen."

Mengerskirchens Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) bedauert Düngens Schritt und kündigt an, dass die Gemeinde als Verpächterin von Freibad und Campingplatz in den kommenden Wochen Gespräche mit potenziellen Interessenten führen und notwendige Ausschreibungen veranlassen werde. "In enger Abstimmung mit Frau Düngen, der Verwaltung und den Gremien, werden die notwendigen Maßnahmen für die Zukunft erarbeitet", teilt Scholz mit. "Es bleibt Ziel und Bestreben, diesen schönen touristischen Standort, eingebettet im intakten Naturraum, zu erhalten. Die hohe Beliebtheit und die in der Region bekannte Freizeit- und Erholungsfunktion der Anlage am Seeweiher erfordern diese Schritte und die Fortführung eines zeitgemäßen und qualitativen Betriebes. Bedürfnisse und Erwartungen, zum Beispiel gestiegener Komfort, erfordern auch eine Weiterentwicklung, Investitionen und Anpassungen der bestehenden Infrastrukturen."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare