Für 72 Kinder war der Schulbus konzipiert, der derzeit in Hintermeilingen zu einem Wohnmobil umgebaut wird.
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Für 72 Kinder war der Schulbus konzipiert, der derzeit in Hintermeilingen zu einem Wohnmobil umgebaut wird.

Tolle Idee in Waldbrunn

Mit dem Kult-Schulbus auf große Fahrt gehen

Sandra und Andreas Bohm haben sich einen Traum erfüllt

Der wohl berühmteste Bus - geht man von der Historie und seiner Wiedererkennung aus - ist der rote Linienbus in London. Der "AEC Routemaster" gehört als Doppeldecker-Linienbus zum Stadtbild von London wie die Tower Bridge. Ein weiterer Bus, der an den gleichen Bekanntheitsgrad herankommt, ist jedoch der amerikanische Schulbus.

Geprägt hat diesen Bekanntheitsgrad unter anderem die Nutzung des Busses in unzähligen Hollywood-Spielfilmen, in denen der Bus Kinder in ihre Schulen transportiert. Der amerikanische Schulbus hat sein Erscheinungsbild seit dem Jahr 1939 und hat seit dieser Zeit Millionen von amerikanischen Kindern in ihre Schulen gebracht. Immer in dem gelben "National School Bus Chrome".

Wer nun aber am Ortsrand von Hintermeilingen einen Spaziergang in Richtung Wald unternehmen möchte, der wird genau einen solchen amerikanischen Schulbus sehen, der dort unter einem großen, hölzernen Carport steht. Eigentümer dieses 11,30 Meter langen und 2,50 Meter breiten Busses ist die Familie Bohm, auf deren Grundstück der Bus steht.

Hintergrund des Kaufs war das Interesse an einem Wohnmobil. Während nun Andreas Bohm mehr in Richtung eines "Greyhound-Bus" tendierte, hatte Ehefrau Sandra Bohm den Wunsch nach einem amerikanischen Schulbus "und diesen auch durchgesetzt" wie Andreas Bohm mit einem Schmunzeln im Gesicht erklärte.

Danach ging alles recht schnell. Im Internet wurde nach einem Bus gesucht und ein privater Busunternehmer in Miami gefunden, der zwei seiner 20 Busse im Jahr 2020 verkaufte. Im Einsatz waren die Busse seit 1996 und sie waren für 76 Kinder konzipiert.

Mit den 1000 Dollar Kaufpreis für den Bus bei einer Versteigerung fingen dann die Finanzen an, die mit weiteren 5000 Dollar für den Schiffstransport fortgesetzt wurden. "Wir mussten einem Busfahrer im Hafen von Jacksonville 100 Dollar geben, damit er den Bus auf das Schiff fährt, da wir das nicht machen durften", erzählt Sandra Bohm weiter.

Hafengebühren

in Bremerhaven

In Bremerhaven ging es weiter mit den Hafengebühren, und es mussten die roten Nummernschilder für die 430 Kilometer lange Fahrt vom Zollhafen bis nach Hintermeilingen angebracht werden. Hier kam ihnen entgegen, dass Andreas Bohm schon im Besitz eines Lkw-Führerscheins ist. Acht Stunden dauerte die Fahrt und schon auf den Rastplätzen sorgte das Fahrzeug für Bewunderung. "Viele haben ein Foto gemacht", erzählten beide.

Wieder zurück im Westerwald wurden Pläne für den Umbau des Schulbusses zu einem Wohnmobil gestartet, um das Fahrzeug auf deutschen Straßen fahren zu können. Dies fing schon mit den Reifen an, denn "die amerikanischen Reifen hatten keine E-Kennzeichnung", ging weiter über fehlende Nebelschlussleuchten "und auch die Warnblinkanlage funktioniert in Amerika anders als in Deutschland".

Zu den größten technischen Änderungen gehörte das Bremssystem, das auf deutsche TÜV-Standarts umgebaut werden musste. War dieser Umbau geschafft, gingen die Arbeiten in dem 21 Quadratmeter großen "Innenleben" des Busses weiter: Er wurde komplett entkernt. "Hier haben wir viele Schülerausweise und Kleingeld gefunden", erzählen die Bohms.

Um nun den Bus als Wohnmobil über den TÜV fahren zu können, mussten Standards erfüllt werden. Diese besagen mindestens ein Bett, eine Herdplatte, Tisch und feste Sitze mit Gurten. Mit dem begehrten TÜV-Stempel wurden dann auch erste Fahrten "bis an den Wiesensee" unternommen, immer verbunden mit vielen Fans, die Fotos von dem Bus machen wollten.

Dann fingen die Hauptarbeiten im "Innenleben" an. Zuerst wurde die Decke im Bus von drei befreundeten Sprayern mit einer Motivreise durch Amerika dekoriert. "Im Schlafzimmer ist Seattle, im Führerhaus New York, im Bad Miami und in der Küche die Freiheitsstatue", erzählt Sandra Bohm.

In unzähligen Stunden arbeiteten die beiden im Innenraum weiter. So wurden 800 Meter Kabel verlegt, eine neue Klimaanlage eingebaut, "und der Umbau des Führerhauses ist nächstes Jahr dran". Bis dahin soll aber der Bus schon so weit fertig sein, dass er zu einem Besuch der Eltern in den neuen Bundesländern als Wohnmobil genutzt werden kann. Damit haben sich die beiden dann einen großen Traum erfüllt, und auch gleich schon den nächsten ins Auge gefasst. "Einmal mit dem Bus durch Australien", erzählen beide wie aus einem Mund. Dieser Wunsch scheitert dann wohl aber an den enormen Transportkosten für den Bus per Schiff nach Australien. Wird dieser Wunsch irgendwann doch einmal Realität, wird das Schicksal des Busses dann einen weiteren Weg einschlagen. "Dann wird der Bus in Australien verkauft", so Andreas Bohm. Bis dahin sorgt er in Deutschland und Europa bei Ausfahrten für Furore.

Klaus-Dieter Häring

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