Revierförster Bachl leidet mit dem Wald.
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Revierförster Bachl leidet mit dem Wald.

Schlechte Nachrichten nicht nur in Mengerskirchen

Nach Fichte und Buche stirbt nun die Esche

Förster Winfried Bachl: Noch nie war der Wald so krank

Für Winfried Bachl ist das Forsthandwerk Beruf und Berufung zugleich. Er liebt seinen Beruf. Und wer als Förster seinen Beruf liebt, der liebt auch den Wald. Doch unter dieser Liebe leidet er seit Jahren. Mehr noch: Der geliebte Wald stirbt ihm quasi unter den Händen weg. Auch im Alter von fast 80 Jahren betreut Bachl als Pensionär den Gemeindewald der fünf Dörfer des Marktfleckens, wobei Mengerskirchen und Waldernbach die größten Waldanteile haben, insgesamt sind es 470 Hektar. 45 Prozent waren Fichten, dazu gesellen sich Buche, Esche und Bergahorn. Die Betonung liegt auf "waren". "Die Zahl der Fichten geht gegen Null", so die traurige Bilanz des erfahrenen Forstmanns. Noch nie sei der Wald so krank gewesen.

Nach dem Fichtensterben liegt nun die Esche auf dem Totenbett und wird wohl komplett aussterben, obwohl diese Baumart von Natur aus im oberen Westerwald beheimatet war. Verantwortlich für das Eschensterben ist laut Bachl ein Pilz, der aus südländischen Gefilden zugewandert ist. Generell krankt der Wald an der extremen Trockenheit der letzten Jahre. Das ruft "Trittbrettfahrer" wie den Borkenkäfer auf den Plan. In trockenen und sonnigen Jahren schlüpfen drei Käfer-Generationen. Da es dem Baum an Wasser fehlt, kann er sich dieser Invasion nicht mehr erwehren. Insgesamt schätzt Bachl den geschädigten Waldanteil auf 30 Prozent: "Selbst alte Buchenbestände machen schon schlapp."

Obwohl in diesem Frühjahr viel Regen fiel, bleibe der Gesamtzustand äußerst kritisch. Die Böden seien sehr tief ausgetrocknet und das in den letzten Monaten gefallene Nass habe noch keine Verbindung zum Grundwasser. Seit 53 Jahren betreut Bachl das Revier des Marktfleckens ("kenne jeden Baum persönlich"), aber ein solches Szenario hat er in seinem gesamten Berufsleben noch nicht erlebt. Selbst die Schäden durch die Orkanstürme der letzten Jahrzehnte (Wiebke, Kyrill, Lothar, usw.) haben nicht ein solches Ausmaß der Zerstörung hinterlassen. Zudem, so Bachl, sei das Holz früher gut zu vermarkten gewesen, und die Einnahmen seien für die Aufforstungen genutzt worden.

Das jetzige Überangebot habe zu einem enormen Preisverfall geführt. Dass trotzdem in Deutschland über Holzmangel geklagt wird, liege darin begründet, dass Länder wie die USA und China frühzeitig große Mengen geordert hätten, während die deutsche Holzwirtschaft hinterher hinke. In Mengerskirchen wurden im Forstwirtschaftsjahr 2020 rund 6500 Festmeter (FM) verkauft und in diesem Jahr bis jetzt nochmals 1300 FM, alles aus Käferbefall. Abnehmer ist mehrheitlich ein Holzexporteur aus Hamburg. Lkw bringen die hölzerne Fracht an den Rhein oder direkt nach Antwerpen. Auf dem Rhein kommt das Holz nach Rotterdam und wird von dort nach Übersee verschifft.

Die Roteiche verträgt Trockenheit besser

Wie die entstandenen Kahlflächen aufgeforstet werden sollen, da ist sich auch die Wissenschaft noch unsicher. In einem Gatter am Weg zum Knoten hat Bachl sechs Arten angepflanzt. Mit dabei Roteiche, Baumhasel und Douglasie. Besonders die Roteiche verträgt Trockenheit besser. Monokulturen werde es keine mehr geben, aber Fichten brauche man auch in Zukunft noch.

Pflanzgut ist momentan knapp und deshalb teurer geworden. Die Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen wird in Hessen durch Erlass geregelt. Das betrifft die Räumung (Fällung) der betroffenen Bäume, die Beseitigung des Reisigs (Brutmaterial) und die Wiederbewaldung (Aufforstung der Schadflächen). Dafür gibt es finanzielle Zuschüsse vom Land. Außerdem hat der Bund zur Unterstützung der geschädigten Waldbesitzer, wenn sie zertifiziert sind, je Hektar 100 Euro ausgezahlt. Diese Förderungen gestalten das Ergebnis des Forsthaushaltes für den Marktflecken erträglicher.

Mit welchen Baumarten klimagerecht aufgeforstet werden kann, werde sich in einigen Jahren zeigen, so Bachl. Die Fichte werde auch weiter angebaut, denn im Wald und Forstbetrieb müsse man in 50- bis 100-Jahresschritten denken. "Die augenblickliche Situation ist nicht einfach", sagt Bachl. Wolfgang Gerz

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