Einmal die deutschen Meister ärgern: Michael Puschkasch und Ralf Friese von den "Golden Puppets" forderten die Doppel-Champions Benni Struth und Marc Stoffel (von links) heraus.
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Einmal die deutschen Meister ärgern: Michael Puschkasch und Ralf Friese von den "Golden Puppets" forderten die Doppel-Champions Benni Struth und Marc Stoffel (von links) heraus.

Der Ball rollt in Steinbach

Mit Kondition und Augenmaß am Tisch

  • VonRobin Klöppel
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Internationales Tischfußballer-Treffen

Der Darts-Sport hat es längst aus den Kneipen auf die großen Bühnen geschafft. Die Stars wie Michael van Gerwen, Gerwyn Price und Peter Wright Price verdienen mittlerweile durch Preisgelder und Webe-Deals Millionen. Diese Aufmerksamkeit hätte die deutsche und internationale Tischfußball-Elite auch gerne. Stars aus Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz trafen sich nun auf Einladung des Tischfußballclubs (TFC) "Golden Puppets" in der Steinbacher Mehrzweckhalle zu einem Weltranglistenturnier. "Puppets" bedeutet auf Deutsch Puppen. So nennen die Spieler die Spielfiguren, wie Michael Puschkasch vom heimischen Verein berichtet. Im September zieht der Verein von Elbtal nach Lindenholzhausen in einen Raum der "Cäcilia"-Chöre um.

Seit 2016 nehmen die "Golden Puppets" am Ligaspielbetrieb teil. Mittlerweile spielen sie mit ihrer zweiten Mannschaft in der 2. Verbandsliga und mit ihrer ersten in der Landesliga, der dritthöchsten deutschen Klasse. Puschkasch sagt, dass die "Puppets" seit 2018 ein eingetragener Verein seien, weil man nur als solcher in der Bundesliga spielen dürfe. Das Ziel für diese Saison ist der Aufstieg in die 2. Liga. Beim letzten Mal sei man nur hauchdünn in der Qualifikation gescheitert.

Die "Golden Puppets" haben derzeit 16 aktive Spieler von 14 bis 70 Jahren. Der Verein hätte gerne mehr als einen Jugendspieler. Die Verantwortlichen hoffen, durch mehr Internet-Livestreams die Jugend für ihren Sport zu begeistern. Dass Tischfußball vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) noch nicht anerkannt werde, liege nicht am Sport, sondern alleine an der Mitgliederzahl, erzählt Puschkasch. 7000 Spieler gibt es bundesweit, 10 000 müssten es für eine DOSB-Aufnahme sein. Dieses Ziel möchten die Tischfußballer bald erreicht haben. Im Hessischen Sportbund ist Tischfußball mittlerweile bereits vertreten. Puschkasch selbst hat erst mit 16 Jahren angefangen, in der Kneipe "Captain Cook" in Waldernbach zu spielen. Zurück zum Tischfußball ist er gekommen, als er vor acht Jahren für ein Firmen-Team bei den Limburger "Summer Games" beim Tischfußball-Turnier mitmachte.

Ein "starker Kopf" entscheidet

Was aber jetzt in der Mehrzweckhalle geboten wurde, hat mit dem Kneipenspiel von einst nicht mehr viel zu tun. Hier wird hochprofessionell Sport betrieben. Die Besten der Besten achten auch auf Fitness, Ernährung und kümmern sich um Dinge wie mentales Training, denn wie Puschkasch weiß, werden bei solchen Top-Turnieren in den letzten Runden die Titel meist über einen "starken Kopf" entschieden. 20 solcher Ranglistenturniere wie das in Steinbach gibt es im Tischfußball in Deutschland pro Jahr. Drei der "Golden Puppets" waren auch kürzlich bei der Deutschen Meisterschaft am Start.

Puschkasch ist froh, dass Nationalspieler und Deutsche Meister nach Steinbach gekommen sind, auch Topleute aus Benelux. Das ist laut dem heimischen Spieler das Schöne an dem Turnier, dass man als normaler Spieler gegen solche Asse im Turnier mal am Tisch stehen könne. "Am Tisch sind wir alle Gegner, doch danach geben wir uns die Hand. Es herrscht ein großartiges Gemeinschaftsgefühl", erzählt Puschkasch. Matthias Erlei, rheinland-pfälzischer Landespräsident der Tischfußballer, berichtet, Tischfußball sei hautnah am Tisch, ein intensiver Sport voller purer Emotion. Man müsse konditionell und mental fit auf den Punkt sein, denn das Spiel sei über einen Turniertag anstrengend.

Beim Turnier in Steinbach wurde im Modus "Best of 3" gespielt. Das heißt, wer zuerst zwei Sätze gewann, hatte auch das Spiel für sich entschieden. Für einen Satzgewinn sind fünf Tore nötig. Erlei verrät, dass das Interesse an Tischfußball deutlich steige. Bei der DM hätten Zehntausende die entscheidenden Partien live im Netz verfolgt. Der Präsident meint, dass viele Kneipentischfußballer der Turniersport abschrecke, weil der mittlerweile etwas völlig anderes sei. Das Spiel sei sehr schnell geworden. Man brauche folglich eine überragende Augen-Kopf-Koordination. Deutscher Meister Benjamin "Benni" Struth aus Dortmund sagt, dass er mit 17 Jahren eigentlich zu spät angefangen habe. Was ihn an seinem Sport fasziniert, ist die hohe Intensität der Spiele, die nötige Reaktionsgeschwindigkeit. Die guten Spieler kennen sich und ihre Spieltaktiken natürlich alle. Von daher muss Struth für den Erfolg "den Gegner lesen" und mit seinem Spiel beeindrucken, Taktiken während der Partie ändern können. Nationalspieler Uli Stoepel, auch in Steinbach am Tisch, schaffte mit seinem Team der Frankfurter Eintracht, was die Fußballer bisher nicht schafften, Champions-League-Sieger zu werden. Wer einmal bei den "Golden Puppets" reinschnuppern will, findet hier alle nötigen Infos www.golden-puppets.com.

robin klöppel

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