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Möglichst rasch im neuen Leben ankommen

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Von: Anken Bohnhorst

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Volleyball ist international und funktioniert auch ohne Deutschkenntnisse, sagt Christoph Laux (rechts) von der Goetheschule. Sport hilft bei der Integration der ukrainischen Schülerinnen und Schüler.
Volleyball ist international und funktioniert auch ohne Deutschkenntnisse, sagt Christoph Laux (rechts) von der Goetheschule. Sport hilft bei der Integration der ukrainischen Schülerinnen und Schüler. © Anken Bohnhorst

Mehr als ein Dutzend von ihnen im Alter von zehn bis 14 Jahren besuchen die Limburger Goetheschule und fühlen sich hier wohl

Limburg -Mucola heißt der jüngste Neuzugang an der Goetheschule. Zehn Jahre ist der schmächtige Junge alt. Er mag Fußball, erzählt er, noch lieber Basketball, aber den FC Bayern kann er nicht leiden. Sein Lieblingsfach in der Schule ist Deutsch. Das versteht er im Augenblick allerdings noch besser als er es spricht, denn Mucola ist erst vor einigen Wochen aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. In der Nähe von Kiew stand sein Elternhaus. Jetzt lebt er in Limburg. Alles ist anders, übersetzt Anna vom Ukrainischen ins Englische, das die 13-Jährige nahezu fließend spricht. Ja, sagt sie, zu Hause beginnt der Fremdsprachenunterricht schon in der ersten Klasse. Überhaupt sei Schule in Deutschland schon sehr anders als das, was sie gewohnt war. Aber gut. In der Ukraine, berichtet sie, sei im Pensum schneller und straffer vorgegangen worden. Mehr Reproduktion der Inhalte als Transfer, beschreibt Schulleiterin Melanie Jansing diesen Ansatz. Für Kinder wie Anna sei das ein großer Vorteil, weil sie in der achten Klasse an der Goetheschule lernt, was sie an Wissen in ihrer Heimat bereits in der siebten Jahrgangsstufe in sich hineinschaufeln musste. Nur jetzt eben auf Deutsch und in deutscher Umgebung.

Die ist an der Goetheschule schon seit einigen Jahren auf Kinder anderer Herkunftsländer ausgerichtet, sagt die Schulleiterin. Bereits 2015 wurden hier die ersten DaZ-Schulklassen etabliert für Schüler, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Vier DaZ-Klassen gibt es mittlerweile für Kinder beispielsweise aus Eritrea, Nordmazedonien, Pakistan und Thailand. In einer Klasse werden Kinder unterrichtet, die in ihrer Heimat noch überhaupt keinen Schulunterricht hatten, und in eine Klasse gehen die Kinder aus der Ukraine. Es läuft, sagt Melanie Jansing, weil sie erfahrene und flexible DaZ-Kollegen im Lehrerteam hat sowie drei Lehramtsanwärter, die sich um die ukrainischen Schüler kümmern. Und dann gibt es noch zahlreiche ehrenamtliche Helfer.

Anschluss und

Freunde finden

Dabei geht es nicht nur um deren schulisches Fortkommen. Vielmehr sollen die Kinder auch ankommen. Sie sollen möglichst rasch an die regulären Klassen "andocken", Anschluss und neue Freunde finden, sagt die Schulleiterin. Die Arbeitsgemeinschaften helfen dabei, bestätigt Deutsch-Lehrerin Henrike Schneider. Sportunterricht auch, sagt Christoph Laux, der beispielsweise die Grundzüge des Volleyballs mit gestenreichem Englisch erklärt. Sport ist ein Integrationsmotor. Die Schulgemeinschaft ebenfalls, sagt Jansing. Tatsächlich hätten sich seit Kriegsbeginn immer wieder auch Eltern russischer Schüler gemeldet, um den Ankömmlingen bei ihrer Orientierung, bei Anmeldungen und Übersetzungen zu helfen.

Darüber hinaus könne man auf weitere Fachleute zurückgreifen, betont die Schulleiterin. Etwa auf den Schulsozialdienst, auf Dienste der Caritas und auf Psychologen. Schließlich müsse man davon ausgehen, dass die Kinder traumatisiert sind, sagt Jansing. Möglicherweise auch die 13-jährige Anna, bei der sich die Lehrer sicher sind, dass sie ihr Schulleben gut organisieren kann. Oder der zehnjährige Mucola aus der Nähe von Kiew, der alles mitmacht, aber der auch sehr still ist.

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