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Fritz Mohr an seiner alten Wirkungsstätte als Schüler, Lehrer und Schulleiter: Die Verbundenheit ist geblieben.

Einschätzung von Fritz Mohr

Mons-Tabor-Gymnasium wird 150 Jahre alt

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Schwänzen heißt heute chillen, Mobben ist die Weiterentwicklung von Hänseln, und Schülerspäße gab es auch schon immer. Das ist die Einschätzung von Fritz Mohr, der es wissen muss: Er war Schüler, Lehrer und Schulleiter an derselben Schule. Er kennt das Mons-Tabor-Gymnasium seit mehr als 55 Jahren.

An seinen ersten Schultag am Mons-Tabor-Gymnasium erinnert sich Fritz Mohr gut. „Es heißt jetzt nicht mehr, Guten Morgen Herr Lehrer. Es heißt jetzt, Guten Morgen Herr Studienrat!“ Das war die Begrüßung für die 56 Jungen und Mädchen, die an Ostern 1960 das ehrwürdige Backsteingebäude am oberen Ende der Kirchstraße als Sextaner betraten. Einige Jahre später, beim Abitur, hatten sich die Reihen gelichtet. Nur 13 der Kandidaten vom ersten Tag erlangten die Allgemeine Hochschulreife auf direktem Weg, sagt Mohr. Er war einer von ihnen, die 1968 die Schule als Abiturienten verließen. Das Mons-Tabor-Gymnasium feierte gerade 150. Geburtstag. Dass er schon wenige Jahre später an seine Schule zurückkehren würde, hätte sich der heute 68-Jährige damals nicht träumen lassen. Aber davon später.

Zunächst also zurück in die Sexta, an die Tische und Bänke, die schon wenige Monate nach der Aufnahmefeier verrückt werden mussten. Das Schulgebäude war zu klein geworden. Die Schule zog um und ließ sich in den Räumlichkeiten der heutigen Anne-Frank-Realschule nieder. Verlief alles reibungslos? Waren die Schüler in jenen Jahren tatsächlich respektvoller als heute? Fritz Mohr überlegt und meint, das könne man nicht so eindeutig sagen. Die Jugendlichen hänselten sich, gerieten in Raufereien und vertrugen sich wieder. Der Einfluss der Eltern auf das Schulleben waren geringer, die Schüler schauten zu den Lehrern auf – und benahmen sich dennoch genauso häufig daneben wie jetzt.

Etwa auf der Oberstufen-Fahrt nach Berlin. An der Grenze zur DDR habe der Übermut so hohe Wellen geschlagen, dass einer der Klassenkameraden Orangen aus dem Busfenster hinein ins sozialistische Gebiet warf. Natürlich habe man sofort eine lange Ansprache der Grenzbeamten bekommen und eine empfindliche Verzögerung der Weiterfahrt hinnehmen müssen. In Berlin ging der Schülerspaß trotzdem weiter: Bereits in der ersten Nacht versumpften einige Buben im feucht-fröhlichen Getümmel der Großstadt, schwänzten Veranstaltungen und mussten den Rest der Klassenfahrt in der Jugendherberge verbringen. Mohr lächelt. So viel hat sich nicht geändert.

Auch nicht im Spätsommer 1976, als Mohr als Diplom-Mathematiker mit pädagogischer Zusatzausbildung ans Mons-Tabor-Gymnasium zurückkam. Diesmal zog er im Lehrerzimmer ein, freute sich über das offene Klima, das im Kollegium herrschte, und nahm zur Kenntnis, dass auch die strengen Siez-Regeln relativiert worden waren. Die Schüler wurden überwiegend geduzt; nur einige wenige Kollegen schalteten mit Eintritt ihrer Zöglinge in die Oberstufe auf das förmliche „Sie“ um. Anders als während seiner Schülerzeit wurden die jungen Leute aber mit dem Vornamen angesprochen. Das Miteinander gefiel ihm.

Die Abwechslung im Schulalltag ebenfalls – auch, als 1988 der nächste Umzug nötig war. Ein Häusertausch war geplant, denn die Realschule, die in den ersten Gebäuden des heutigen Gymnasiums logierte, expandierte weniger gewaltig als die Mons-Tabor-Schülerschaft. Zum zweiten Mal erlebte Fritz Mohr in seiner Schulzeit, dass Tische und Bänke verrückt wurden. Nur packten diesmal die Schüler selbst mit an und trugen ihr Mobiliar und Material ein paar Straßen weiter. Nach zwei Tagen sei alles erledigt gewesen, erinnert sich Mohr.

Die Schule wuchs weiter, wurde ausgebaut, erhielt 2003 eine Aula, 2007 und 2011 weitere Gebäudeteile. Die Schülerzahl war weit über 1 000 geklettert. Mehr als 1 600 Jugendliche aus der Region besuchten 2010 das Gymnasium in Montabaur, das zu den größten in Rheinland-Pfalz zählte. Da war Mohr längst Schulleiter und zufrieden mit „seiner“ Schule. Ja, sagt er, die Schullandschaft hatte sich verändert. Die Einführung der Mainzer Studienstufe, die Zergliederung des Klassenverbands in individuell zusammengestellte Kurse, hatte der Gemeinschaft andere Impulse verpasst. Besser oder schlechter? Anders, sagt der Studiendirektor a.D.

2012 schied Fritz Mohr aus dem Schuldienst. Mehr Integration des Schulalltags in der Region würde er der Schule wünschen, sagt er. Aber alles in allem „läuft es gut“. Das Mons-Tabor-Gymnasium sei eine besondere Schule, weil die Spannweite seines akademischen Angebots enorm breit sei und weil er voller Überzeugung bilanzieren könne: „Wir haben viele junge Menschen weitergebracht.“ Ansonsten aber „ist es eine ganz normale Schule mit ganz normalen Problemen – Bombendrohungen, wegen derer die Schule geräumt werden musste, oder Düsenjäger, die über das Dach lärmten, dass kein Unterricht möglich war.“ Schule habe schon immer alle Facetten des gesellschaftlichen Lebens abgebildet, sagt Fritz Mohr, ehemaliger Schüler, Lehrer und Schulleiter vom Mons-Tabor-Gymnasium.

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