Corona-Krise

Montabaur: 300 000 Euro gegen Pandemie

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Westerwaldkreis ermöglicht Gesundheitsamt eine "Luxussituation": Jeder kann getestet werden

Montabaur -"Im Moment ist die Lage relativ entspannt." Das ist die Zwischenbilanz, die die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) bei ihrem gestrigen Besuch im Kreishaus zog. Zehn Gesundheitsämter standen auf ihrem Reiseplan. Zehn Stationen, an denen die Politikerin sich einen Eindruck von der Arbeit im Land verschaffen wollte und an denen sie sich für den enormen Einsatz der Mitarbeiter bedanken wolle. "Die Gesundheitsämter sind eine tragende Säule bei der Bekämpfung und Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten mit ihrer vielfältigen Arbeit tagtäglich einen wichtigen und außerordentlichen Beitrag, in den letzten Wochen bis an ihre Belastungsgrenzen."

Die aktuellen Zahlen zur Corona-Pandemie stimmten hoffnungsvoll, erklärte die Ministerin: Derzeit seien im Land knapp 5900 Menschen mit dem Virus infiziert; 149 Todesfälle wurden gemeldet, wobei die überwiegende Zahl der Verstorbenen über 70 Jahre alt gewesen sei und zu der Corona-Infektion auch an einer anderen Krankheit gelitten habe. Das Gesundheitssystem ist stabil. "Von 854 landesweit verfügbaren Beatmungsbetten sind augenblicklich 80 belegt", teilte die Ministerin mit. Für den Westerwaldkreis informierte Sarah Omar, Leiterin der Gesundheitsamts. Danach gab es im Kreis bis zum Wochenende 326 infizierte Männer und Frauen. "Der Zuwachs in den letzten Tagen war sehr gering", womit die Entwicklung im Westerwaldkreis der des Landes entspreche.

Seniorenheime

im Fokus

Allerdings könne sich dieser Trend rasch wieder ändern, zumal häufig medizinisches Personal infiziert sei. Aus Pflichtbewusstsein gingen Ärzte und Pflegekräfte zur Arbeit, "auch wenn sie krank sind", sagte Sarah Omar und appellierte an alle, bei Erkältungssymptomen zunächst zu Hause zu bleiben. Zu diesem Risiko kämen jetzt die gelockerten Vorsichtsmaßnahmen. Daher sei durchaus mit einem neuerlichen Anstieg der Covid-19-Patienten zu rechnen, bestätigte auch die Ministerin. Diese Entwicklung sei "die Herausforderung für die kommenden Wochen und Monate". Besonders im Fokus stünden dabei Senioren-Einrichtungen, weil hier die in engem körperlichem Kontakt gearbeitet werde. Bei der Betreuung und Pflege dieser Personengruppe ließen sich die vorgegebenen Abstandsregeln nicht einhalten. Daher sei gerade hier große Vorsicht geboten. "Wenn das Virus da drin ist, müssen wir mit Toten rechnen."

Ein weiterer Schwerpunkt, den die Landespolitikerin in den Blickpunkt rückte, ist die "Personennachverfolgung" infizierter Patienten. Nur durch zielgenaue Identifizierung möglicher Virus-Träger, "können wir wirksam gegen die Ausbreitung vorgehen."

Die Infektionsketten nachvollziehen zu können, sei Voraussetzung für die Eindämmung der Pandemie. Sobald bei einem Patienten das Coronavirus nachgewiesen sei, würden dessen Kontakte abgefragt und überprüft, sowie Verhaltensmaßnahmen wie häusliche Quarantäne angeordnet.

Dass diese Nachverfolgung Manpower erfordere, sei bekannt, räumte Bätzing-Lichtenthäler ein. Daher stünden rund 600 Landesbedienstete bereit, um die Gesundheitsämter bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

Auch der Westerwaldkreis beteiligt sich: Nachdem zu Beginn der Pandemie bereits 150 000 Euro überplanmäßig zur Verfügung gestellt wurden, habe man jetzt per Eilentscheidung weitere 150 000 Euro in den Haushalt eingestellt, sagte Landrat Achim Schwickert (CDU). Mit diesem Finanzpolster befinde man sich in einer "Luxussituation", stellte Sarah Omar vom Gesundheitsamt fest. Denn so könne jeder potenziell Infizierte untersucht und getestet werden. Unabhängig von den Tests aber müssen die Abstandsregeln eingehalten werden, mahnte die Leiterin des Gesundheitsamtes. Wenn man sich an die Zwei-Meter-Distanz halte, "ist die Ansteckungsgefahr gering".

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