Musik, campen und „immer Gas!“

Zum achten Mal strömten am vergangenen Wochenende die Festivalbesucher zum „Mair1“ nach Montabaur. Mehr als 40 internationale Bands standen auf dem Flugplatz auf drei Bühnen.

Von Niklas Hanke

Regen, grau, kalt; den Besuchern des Mair1-Festival war das allerdings herzlich egal. Sie feierten ausgelassen, egal ob vor der Bühne oder auf dem Campingplatz. „Regen gehört nunmal zum Festival dazu, davon lass’ ich mir nicht die Stimmung verderben“, sagte Nadine Scholz in Gummistiefeln neben ihrem Zelt. Doch auch vor und auf der Bühne wurde gefeiert, als am Samstag Regenwolken aufzogen und sich den ganzen Tag über nicht mehr verabschiedeten. Dabei hatte das Wetter am Freitag doch noch so gut ausgesehen.

Rock mit Geige und Flöte

Flogging Molly, eine irisch-US-amerikanische Folk-Punk-Band, war für viele der Höhepunkt des Freitags. Neben vielen Hard-, Death- und Metalcore Bands sorgten Geige, Akkordeon, Flöte und Akustikgitarre der sieben Musiker für willkommen Abwechslung. Der ganze Flugplatz hüpfte, tanzte und sang mit, als Frontmann Dave King dazu aufforderte.

Doch nicht nur am Abend war die Stimmung gut. Schon als The Green River Burial auf der kleinsten der drei Bühnen das Mair1 um 15 Uhr eröffnete, waren die Leute zahlreich und in Feierlaune. Bei der energetischen Live-Performance der vier Frankfurter blieb keiner gelangweilt stehen. Die Besucher hatten Spaß, so viel steht fest. „Mair1 ist lokal und international sehr gut“, sagte Erik Siegel unter seinem Pavillon auf dem Campingplatz. Ein bisschen statisch zunächst, wurde im Gespräch jedoch schnell klar, dass er und seine Freunde sich die Feierlaune trotz Regen nicht verderben ließen. „Bier und Musik sind gut, egal wo“, konnte man den Tenor der Gruppe am Ende zusammenfassen.

Festival statt Urlaub

Die ausgelassene Stimmung machte gerade vor dem Zeltplatz keinen Halt. Schon beim Betreten des Areals sprang gleich eine Gruppe unter einem großen Pavillon ins Auge. Die Freunde hatten schon einen riesigen Müllberg angehäuft, Bands hatten sie bis zum Samstagnachmittag allerdings noch keine gesehen. Ihnen komme es mehr auf die Stimmung auf dem Festival, als auf die Musik an sich an. Auf die Frage hin, ob sie ein Festival einem Sommerurlaub vorziehen würden, gab es eine klare und einstimmige Antwort: Ja!

Dies war auch der Tenor bei anderen Campern. Zwar würden sie nächste Woche in den Sommerurlaub nach Mallorca fliegen, so sagte die Gruppe um Erik Siegel. Aber Festivals sind für sie immer etwas besonderes. Und wenn man sich wirklich entscheiden müsste, so würde das Festival den Vorrang bekommen. Eine andere Gruppe junger Männer, die sich selbst die „Wolf-Gang“ nennt, sieht das genau so. Sowohl Urlaub als auch Festival wären super, aber ausruhen komme für sie nicht in Frage. Ihre Devise: „Immer Gas!“ Diesem Grundsatz treu ergeben, füllte sich bei ihnen der Pfandsack besonders schnell.

Auf dem Parkplatz fand sich jedoch auch ein anderer Typ Camper. Theresa Heinzmann und Julia Hoffmann verbrachten die Nächte in ihrem Auto. Gerade bei diesem Wetter waren sie froh, nicht in einem undichten Zelt schlafen zu müssen.

Neben dem Camping und den drei Bühnen bekamen die Besucher auch eine Skateshow, ein Bungeeturm, sowie Gastronomie- und Einkaufsstände geboten. Wer wollte, konnte sich sogar piercen lassen. Gerade die Skateshow war für manche Besucher ein Anziehungspunkt. Vor der „Monster Signing Area“, wo viele Bands, die auf dem Festival spielten, für ein Autogramm oder ein nettes Schwätzchen bereit saßen, beeindruckten Luftakrobaten auf ihren Skateboards. Auf einer kleinen Halfpipe präsentierte auch Jackass-Schauspieler Bam Margera, was er auf dem Skateboard kann. Musikalisch gestaltete er den Freitagabend mit seiner Band „Fuckface Unstoppable“ mit. Diese überzeugten jedoch eher durch amüsante Bühnenshow und lustige Ansagen als durch ihre Musik. Bam Margera sollte vielleicht doch lieber beim Skateboard und den Jackass-Stunts bleiben.

Großen musikalischen und körperlichen Einsatz zeigten A Traitor like Judas aus Braunschweig. Sänger Jasper war vor dem Wochenende ins Krankenhaus eingeliefert worden. Intern hatte die Band bereits beim Mair1 abgesagt. Doch die Ärzte, so die Band auf Facebook, hatten mitgeteilt, dass Jaspers Zustand nicht lebensbedrohlich sei, woraufhin er sich auf eigene Gefahr aus dem Krankenhaus entließ, um die Besucher auf dem Flugplatz zu begeistern. Viele Respektbekundungen und gute Wünsche schlugen Jasper entgegen, der am Montag wieder ins Krankenhaus muss.

Das Festival im Westerwald erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Das beweisen die immer namhafteren Bands, die dort spielen, genauso wie an der Besucherzahl, die seit Jahren kontinuierlich steigt. Wenn man über den Parkplatz schlenderte, sah man Nummernschilder aus der ganzen Bundesrepublik. Mit Ende des letzten Songs der Hardcore-Größe Hatebreed am Samstagabend verließen die meisten Besucher das Festival-Gelände. Schnell einen Energydrink beim „Monster“-Truck abgegriffen, schlenderten sie Richtung Auto oder auf den Zeltplatz. Viele freuen sich jetzt schon auf die nächste Auflage des Festivals auf dem Flugplatz.

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