Regina Reisbacher, Filialleiterin der Neuen Amts-Apotheke Aposanum in Bad Camberg, nimmt beim Allgemeinmediziner Dr. Jan Rußler den Abstrich für den Schnelltest.
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Regina Reisbacher, Filialleiterin der Neuen Amts-Apotheke Aposanum in Bad Camberg, nimmt beim Allgemeinmediziner Dr. Jan Rußler den Abstrich für den Schnelltest.

731 bestätigte positive Tests

Nachfrage nach Tests beginnt zu sinken – Betreiber ärgern sich über schwarze Schafe

  • vonTobias Ketter
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Offiziell gibt es im Landkreis Limburg-Weilburg 59 Teststationen. Von Betrügern bisher keine Spur.

Die hohe Zahl der Corona-Teststellen, deren hohe Kosten und auch Betrugsversuche haben dieses System in den vergangenen Wochen in Verruf gebracht. Andererseits sollen sie helfen, die Pandemie im Griff zu behalten und viele Angebote können Menschen, die nicht geimpft oder genesen sind, derzeit nicht ohne einen negativen Schnelltest nutzen, etwa die Innengastronomie.

Im gesamten Landkreis Limburg-Weilburg gibt es derzeit 59 offizielle Teststationen, wie auf der Homepage des Kreises zu lesen ist. Laut Sprecher Jan Kieserg gebe es derzeit keine Anträge für die Öffnung von weiteren Teststellen - allerdings werden auch an weiteren Stellen Tests angeboten. Wie viele Tests bislang insgesamt durchgeführt wurden, weiß Kieserg nicht. "Die Gesamtzahl wird uns nicht gemeldet", sagt er. Bis Ende Mai seien dem Gesundheitsamt aber rund 1000 positive Antigen-Tests übermittelt worden. "Davon wurden 731 durch ein PCR-Test bestätigt", so der Kreissprecher.

Limburg-Weilburg: Keine gravierenden Probleme bei Testzentren

Momentan gebe es keine gravierenden Probleme in den Testzentren. Indizien, die auf einen Abrechnungsbetrug hinweisen, seien bislang nicht bei der Kreisverwaltung eingegangen. "In den Teststationen erfolgen stichprobenartige oder anlassbezogenen Kontrollen. Dabei geht es bisher jedoch nicht um Abrechnungsfragen, da die Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung erfolgt", erklärt Kieserg.

Das Beselicher Unternehmen Trobasept Healthcare betreibt imKreis Limburg-Weilburg neun Teststationen, und zwar in Weilburg, Beselich, Limburg, Dornburg, Runkel und Bad Camberg, wie die Geschäftsführer Christian Brötz und Marco André Beck berichten. In den Landkreisen Rheingau-Taunus, Westerwald, Limburg-Weilburg und der Stadt Wiesbaden betreibt das Unternehmen insgesamt 17 Testzentren, mit insgesamt mehreren tausend Testungen täglich.

Allerdings mit sinkender Tendenz, wie Brötz und Beck berichten. Nach einem erhöhten Testaufkommen infolge der Öffnung der Gastronomie gehe die Zahl der Tests derzeit zum Teil deutlich zurück, so die Geschäftsführer. Dies hänge unter anderem damit zusammen, dass mit Inkrafttreten der Stufe zwei der Lockerungen beispielsweise für die Außengastronomie keine Tests mehr vorgeschrieben seien. "Die Phase, in der die Außengastronomie nur mit Tests zugelassen war, wurde nahezu übersprungen", sagt Beck. "Wir sind von der Stufe null in die Stufe zwei praktisch durchgerutscht."

Trobasept: Schließung zum 30. Juni?

Derzeit gehen die Geschäftsführer davon aus, dass sie ihre Testzentren zum 30. Juni schließen müssen, weil die vom Gesundheitsministerium angekündigte Reduzierung der Vergütung von derzeit zwölf auf acht Euro pro Test-Dienstleistung wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sei. "Damit können wir nicht mehr kostendeckend arbeiten", sagt Marco André Beck. Zugleich sollen für den eigentlichen Test nur noch drei Euro gezahlt werden - damit aber, so Beck und Brötz, lasse sich die von Trobasept angebotene Apothekenqualität nicht mehr aufrecht erhalten.

Mit klaren Worten distanzieren sich die Trobasept-Chefs von jeglichen betrügerischen Machenschaften bei der Abrechnung von Tests. "Es ist traurig, dass es in der Pandemie schwarze Schafe gibt, die alle anderen in Verruf bringen", sagen sie. Allerdings werde es Betrügern auch sehr leicht gemacht, falsche Abrechnungszahlen anzugeben, kritisieren sie. Trobasept hingegen setze auf volle Transparenz: In unzähligen Kartons lagern sämtliche Abrechnungsdaten für jeden einzelnen durchgeführten Test. "Irgendwann wird die Kassenärztliche Vereinigung prüfen, deshalb archivieren wir alles alles sehr sorgfältig", sagt Beck, der sich sicher ist, dass "dann in Deutschland viele Lichter ausgehen werden".

Die Limburger St. Michael Apotheke betreibt gemeinsam mit der Hubertus Apotheke, den Dr. Hoffmann Apotheken und der Neuen Apotheke in Elz drei Teststationen in der Kreisstadt. Die Bürger können sich in der Markthalle, am Limpark sowie auf dem Europaplatz einen Abstrich entnehmen lassen. "Insgesamt werden in den drei Schnellteststellen täglich rund 950 Corona-Tests gemacht", sagt Peter Lang, Inhaber der St. Michael Apotheke. Derzeit falle rund ein Prozent der Tests positiv aus. Dies sei ein deutlicher Rückgang, denn vor wenigen Wochen habe die Quote noch bei vier Prozent gelegen.

Limburg-Weilburg: Überprüfung willkommen

"Momentan ist die Nachfrage sehr hoch. Wir kommen kaum mit den Abstrichen hinterher", berichtet Lang. Ob dies in den kommenden Wochen so bleiben wird, vermag der Apotheker nicht zu beantworten. "Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt." In den drei Limburger Testzentren sind pro Tag 15 Leute beschäftigt. Laut den Angaben von Lang gebe es regelmäßige Kontrollen durch das Gesundheitsamt. "Sie überprüfen beispielsweise die Durchführung der Tests und die Hygiene." Er hält weitere Kontrollen, um den derzeit oft diskutierten Abrechnungsbetrug in einigen Teststationen aufzudecken, für sinnvoll. "Ich habe kein Problem damit, wenn wir deshalb überprüft werden." Jedoch sei dies auch in Zukunft aufgrund des personellen Aufwandes wohl ausschließlich stichprobenartig möglich.

In der Neuen Amts-Apotheke Aposanum in Bad Camberg werden täglich rund 130 Bürger auf das Coronavirus getestet. "Im Mai haben wir insgesamt etwa 3000 Tests durchgeführt", sagt Filialleiterin Regina Reisbacher. Weniger als 0,5 Prozent der Ergebnisse seien positiv. In der Apotheke werden an sechs Tagen pro Woche Abstriche entnommen. Während den Schichten arbeiten drei geschulte Mitarbeiter zugleich in der Teststelle. "Es ist wichtig, dass die Abstriche fachlich korrekt gemacht werden", betont Regina Reisbacher.

Testzentren in Limburg-Weilburg: „Niemand will Betrüger unterstützen“

Insgesamt laufe laut der Filialleiterin derzeit alles reibungslos ab. Trotz der hohen Nachfrage gebe es kaum Wartezeiten, da sich die Testpersonen im Internet für einen Termin anmelden müssten. Reisbacher kann nachvollziehen, dass vermehrt Abrechnungskontrollen gefordert werden. "Schließlich will niemand Betrüger unterstützen", sagt sie. "Apotheker und auch Ärzte haben viel zu verlieren, wenn sie bei den Abrechnungen schummeln und dabei erwischt werden." Sie könnten sich den Angaben der Apothekerin zufolge keine solchen Täuschungen erlauben.

Ob eine geringere Vergütung der Tests bei dem Betrugsproblem zielführend ist, weiß Reisbacher nicht. Eventuell leide dadurch die Qualität der Tests, sagt sie. Insgesamt seien beim Thema Abrechnungskontrollen immer noch viele Fragen offen. "Ich begrüße solche Kontrollen natürlich, aber es muss unbedingt geklärt werden, wie sie vonstatten gehen sollen", so die Filialleiterin der Bad Camberger Apotheke.

Die Zwischenbilanz des Elzer Reiseunternehmers Marco Schuy ist positiv: Fünf seiner insgesamt sechs zu Testmobilen umgebauten Reisebussen sind im Einsatz. Rund 30 Mitarbeiter und eine Ärztin führen täglich zwischen 500 und 600 Tests durch. Diese Zahl sei im Augenblick zwar leicht rückläufig, sagt Schuy. Dennoch ist der Geschäftsmann zuversichtlich, dass die Nachfrage auf hohem Niveau bleiben wird, weil sein Team eben mobil unterwegs sei und so etwa bei den Weilburger Schlosskonzerten oder großen Sport-Veranstaltungen eingesetzt wird. (abv/goe/tob)

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