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Nadine Bruch kümmert sich um ausgemusterte Greyhounds

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Nachdem die Greyhounds Glow (vorne) und Badger auf der Rennbahn nicht mehr siegten, wurden sie für ihre Züchter wertlos. Bei Nadine Bruch fühlen sie sich offensichtlich wohl.
Nachdem die Greyhounds Glow (vorne) und Badger auf der Rennbahn nicht mehr siegten, wurden sie für ihre Züchter wertlos. Bei Nadine Bruch fühlen sie sich offensichtlich wohl. © Kerstin Kaminsky

Bei Nadine Bruch fand ein Greyhound Unterschlupf, der für seinen früheren Besitzer bei Rennen keine großen Gewinne mehr brachte. Einen zweiten konnte sie erfolgreich weiter vermitteln. Viele Vorurteile über die Hunde stimmen gar nicht.

Glow ist schnell, außergewöhnlich schnell. Als 26facher Sieger war er ein Star unter den Artgenossen, hatte in seiner englischen Heimat sogar eine eigene Homepage. Als seine Leistungen nachließen, wollte sein Züchter nichts mehr von ihm wissen. Er wurde ausgemustert und wäre getötet worden, hätten nicht deutsche Tierschützer sich seiner angenommen. Jetzt lebt der vierjährige Greyhound bei Nadine Bruch in Niederbrechen.

„Vor zwei Jahren suchten wir einen Gefährten für unseren Dobermann und stießen dabei auf das Inserat eines Vereins, der sich die Rettung von Greyhounds auf die Fahne geschrieben hatte“, erzählt die 35-jährige. „Um zu schauen, ob Glow zu uns passt, nahmen wir ihn erst einmal nur zur Pflege.“ Rasch hätte sich gezeigt, dass der Windhund überaus anpassungsfähig und sanftmütig war. Auf dem großen Grundstück in Niederbrechen konnte er seinen Bewegungsdrang ausleben und zu seinen neuen Bezugsmenschen fand er schnell engen Kontakt. „Es war hinreißend, den Hund spielen zu sehen. Das war für ihn etwas völlig Neues“, erinnert sich Nadine Bruch. Denn in seinem bisherigen Rennstall sei er seit dem Welpenalter ausschließlich auf Hochleistung dressiert worden und hätte ansonsten seine Tage in einer Box ohne Zerstreuung oder Zuwendung verbracht.

Stubenrein werden

Aus dem gleichen Grund musste der Greyhound auch erst einmal an Stubenreinheit gewöhnt werden. Das war aber kein Problem, denn die Rasse sei von Natur aus intelligent und stets bemüht, immer alles richtig zu machen. Was diese Hunde einmal gelernt haben, vergessen sie nicht mehr.

„Wenn man sich unsere sanftmütige Langnase genau anschaut, erkennt man viele Narben am Hinterleib“, zeigt seine Halterin. Da sei der Hund ganz offensichtlich mit Stromstößen malträtiert worden – ein bei Hunderennen probates Mittel, um die Tiere schon beim Start auf Höchstgeschwindigkeit zu bringen. Nicht selten tragen diese Rennhunde ein lebenslanges Trauma davon. So musste Glow auch erst begreifen, dass die Berührungen im Hause Bruch niemals wehtun. „Als er das begriffen hatte, war er unheimlich schmusig“, sagt sein Frauchen, die froh ist, dass sich Glow so gut entwickelt hat.

Bis zu 85 km/h schnell

Übrigens sei die Angst, mit einem Greyhound viel rennen zu müssen, völlig unbegründet. „Diese Rasse ist spezialisiert auf kurze Strecken, ab und zu ein Sprint im Garten reicht ihm völlig.“ Bis zu 85 Kilometer pro Stunde schnell könne ein Greyhound werden und ist damit nach dem Gepard das zweitschnellste aller Säugetiere. Wenn man mit Glow Gassi gehe – wobei zwei Mal eine halbe Stunde täglich reiche – sollte man ihn auf jeden Fall nur an der Leine laufenlassen. „Hasen findet er unspektakulär, aber auf Rehe fährt er total ab“, so die Erfahrung von Nadine Bruch. „Wenn seine Instinkte durchbrechen, dann hilft auch kein Rufen mehr.“

Greyhounds wie Glow haben ein pflegeleichtes Fell und so gut wie keinen unangenehmen Eigengeruch. Allerdings seien sie kälteempfindlich und brauchten Schutzkleidung für den Herbst und Winter. Derzeit ist bei Nadine Bruch noch ein zweiter aussortierter Greyhound in Pflege, der als „Rennpferd des kleines Mannes“ seinem Züchter einst viel Geld brachte. „Badger bleibt aber nicht hier, wir konnten ihn an eine andere Familie in Deutschland vermitteln.“

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