Diese Aufnahme zeigt die Nassauischen Marmorwerke (später Dyckerhoff & Neumann) am Lahnufer von Villmar um 1880.
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Diese Aufnahme zeigt die Nassauischen Marmorwerke (später Dyckerhoff & Neumann) am Lahnufer von Villmar um 1880.

Kultur erleben

Nassauer Land: Museumstag - mal digital, mal analog

Je nach Corona-Lage gibt es verschiedene Angebot im Internet und live an Ort und Stelle

Nassauer Land -Zum Internationalen Museumstag an diesem Sonntag, 16. Mai, bleiben die Türen der hessischen Museen in diesem Jahr pandemiebedingt geschlossen. Einige Museen bieten aber einen digitalen Einblick in ihre Häuser an und laden zu virtuellen Rundgängen ein. Im Rhein-Lahn-Kreis hat sich die Corona-Lage inzwischen wieder so entspannt, das Museen wieder öffnen konnten. Das Motto des Tages lautet in diesem Jahr: "Museen inspirieren die Zukunft".

Hier die Veranstaltungen am Sonntag im Überblick:

Die Kunstsammlungen der Stadt Limburg nutzen aktuell die "Öffentlichkeitspause", um zahlreiche ihrer im Bestand befindlichen Werke nun auch digital zeigen zu können. Im Zuge der Corona-Pandemie wurde mit der Digitalisierung des städtischen Kunstbesitzes begonnen, um die Sammlung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Teilbereiche sind erfasst und laden online unter www.limburg.de/kunstsammlungen zum Stöbern ein. Neben Gemälden, Zeichnungen und Grafiken von Rudolf Fuchs können sich Interessierte über Leben und Werk von Josef Eberz, Gertrud Eberz-Alber, Ernst Moritz Engert und Walter Flögel, informieren.

Am Sonntag öffnen die Kunstsammlungen aber nicht nur ihr digitales Kunstdepot, sondern auch die aktuelle Ausstellung "Verbergen und Zeigen" mit Kunstwerken der Künstlerin Lilla von Puttkamer kann online besucht werden. Die in Berlin lebende Künstlerin zeigt in der Ausstellung Portraits, die sich mit dem Begriff des erweiterten Portraits am besten beschreiben lassen. Nicht die Person selbst ist dargestellt, sondern ihre Kleidung oder Gegenstände, die für sie charakteristisch sind.

Darüber hinaus verarbeitet die Künstlerin Alltagsimpressionen in farbenfrohe Leinwandbilder, die den Betrachter einladen, Geschichten zu entwickeln oder soziale Umstände zu hinterfragen.

Es wird eine Online-Führung durch die Ausstellung mit Anna Vössing, Leiterin des Kulturamtes, geben. Das Video mit dem Rundgang gibt es im Internet unter www.youtube.com/watch?v=gcd1gjUYZZo.

Der "Marmor von der Lahn - auch im Empire State Building" ist am Sonntag Thema eines reich bebilderten Vortrages, den Rudolf Conrads vom Lahn-Marmor-Museum in der Zeit von 17 bis 18 Uhr in einer Videokonferenz halten wird. Bequem am heimischen PC kann man sich über den Lahnmarmor, seine Entstehung, den Abbau und seine Verwendung informieren. Conrads wird im Rahmen eines Exkurses auch auf die Verwendung des Lahnmarmors im New Yorker Empire State Building eingehen. Dieses einst höchste Gebäude der Welt feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag.

Der Lahnmarmor fand nicht nur in New York, sondern auch an anderer "prominenter" Stelle vielfache Verwendung, so zum Beispiel in den berühmten Epitaphien des Mainzer Doms und auch in den Domen von Berlin, Köln, Würzburg und Trier, beim einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen in der Abtei St.Matthias in Trier, zu der Villmar gehörte. Lahnmarmor wurde verwendet im Weilburger Schloss, im Wiesbadener Kurhaus, in der Eremitage in St. Petersburg, im Bahnhof Haydarpasha in Istanbul (Endstation der berühmten Bagdadbahn).

Die Anmeldung zum Vortrag erfolgt über die Mailadresse stiftung@lahn-marmor-museum.de. Danach erhält der Interessent die Zugangsdaten zum Vortrag (Zoom-Videokonferenz). Zur Teilnahme wird ein PC/Tablet/Smartphone mit Internetanschluss und Lautsprecher benötigt. Um mit dem Referenten in Kontakt treten zu können, sind zusätzlich eine Kamera und ein Mikrofon erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos. Für Rückfragen steht Rudolf Conrads unter 01 73-7 03 00 66 zur Verfügung.

Nachdem sich die Corona-Lage im Rhein-Lahn-Kreis deutlich entspannt hat, ist das Museum im Diezer Grafenschloss seit dieser Woche wieder normal geöffnet. Am Sonntag wird eine Mitmachaktion für alle Interessierten angeboten. Wie in den vergangenen Jahren hat auch diese Aktion einen Bezug zur regionalen Geschichte und zu den Sammlungen der Stadt Diez. Diesmal geht es um das Herstellen von Marmorpapieren mit Ölfarben und großen Papierbögen. Dekorative, extrem formenreiche Marmorpapiere wurden lange Zeit als Überzugpapiere für Gegenstände verschiedenster Art und vor allem als Einbandmaterial für Bücher verwendet. In den städtischen Sammlungen gibt es davon viele beeindruckende Beispiele. Von diesen werden einige begleitend ausgestellt. Da es also auch um Bücher geht, findet die diesjährige Museumstags-Aktion in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Diez statt.

Wie entstehen Marmorpapiere?

Auf mit Carrageen eingedicktem Wasser werden in einer Schale verdünnte Ölfarben aufgetropft. Je nach Auswahl, Platzierung und Bearbeitung der Farben mit Stäbchen und Kammwerkzeugen können die wildesten Farbspiele entstehen. Zum Übertragen auf Papier legt man die großen Blätter einfach auf die Oberfläche, so dass die Farben vom Papier aufgenommen werden. Die 60 mal 60 Zentimeter großen Blätter sind zum Mitnehmen und kosten pro Stück drei Euro. Die Veranstaltung findet von 14 bis 18 Uhr unter schützenden Pavillons im Freien statt. Es sind die Corona-Sicherheitsregeln zu beachten.

Aufgrund des niedrigen Inzidenzwertes im Rhein-Lahn-Kreis öffnet auch das Limeskastell in Pohl seine Pforten. Dort können die Besucher den digitalen Gästeführer "comes electronicus", testen, der seit wenigen Wochen zur Verfügung steht. Per QR-Code und Smartphone können die Besucher Fakten und Geschichten zu einzelnen Stationen im Römerkastell abrufen, sich anhören und ansehen. Also: Handy nicht vergessen! Die Gastronomie im Kastell bleibt aber vorerst noch geschlossen. Infos: www.limeskastell- pohl.de/infos/zeit-geld.

Mehr zum Museumstag und dem kompletten Programm auf www.museumstag.de. red/ej

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