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Nassauer Land: Wie die Kommunen Energie einsparen

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Das Wasser im Limburger Parkbad ist in diesem Jahr ein Grad kühler als in den vergangenen Jahren. Auch bei den Freibädern versuchen die Kommunen, Energie zu sparen.
Das Wasser im Limburger Parkbad ist in diesem Jahr ein Grad kühler als in den vergangenen Jahren. Auch bei den Freibädern versuchen die Kommunen, Energie zu sparen. © Stefan Dickmann

Folgen des Kriegs in der Ukraine erhöhen den Druck

Nassauer Land -Schon aus Klimaschutzgründen müssen auch die Kommunen im Nassauer Land Energie einsparen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine mit steigenden Preisen und einem möglichen Boykott von russischem Gas hat den Druck erhöht. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ruft daher zum Energiesparen auf. Wir haben bei dem heimischen Kommunen nachgefragt, was sie schon tun und nun tun wollen.

So verweist der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Limburg-Weilburg , Jörg Sauer (SPD), auf eine bereits eingeleitete Energiewende. "Wir wollen und werden immer mehr tun als jetzt", sagt er. "Unabhängig von Robert Habecks Aufruf ist unser Landkreis intensiv dabei, Klimaneutralität bis 2030 herzustellen." Dies bedeute unter anderem die Nutzung von Photovoltaik(PV)-Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom. "Derzeit betreibt der Landkreis 22 eigene PV-Anlagen, die Ertragsreichste befindet sich am Kompostwerk Beselich", erklärt Sauer. "Nach unserer Studie können wir bis zu 25 weitere PV-Anlagen installieren, wobei zum Teil noch Vorarbeiten erforderlich sind." In erster Linie handele es sich dabei um kreiseigene Immobilien. Mit der baulichen Umsetzung werde noch in diesem Jahr begonnen. Insgesamt habe allein der Landkreis das Potenzial für die Versorgung von mehr als 10 000 Zwei-Personen-Haushalten mit Solarstrom über PV-Anlagen auf kreiseigenen Immobilien.

Als einen weiteren Schlüssel zur Erreichung des Klimaziels nennt der Erste Kreisbeigeordnete die dauerhafte Bindung von CO2 als Kohlenstoff. "Wir haben uns dazu mit den vorhandenen Verfahren intensiv beschäftigt," Landrat Michael Köberle (CDU) und er hätten entsprechende Techniken besichtigt, ein erstes Angebot zur Prüfung liege vor. Die Technik der Dekarbonisierung könne zum Beispiel im Kompostwerk zum Einsatz kommen. Weitere Maßnahmen zur Energieeinsparung beträfen die Umstellung des Kreis-Fuhrparks, die Förderung des ÖPNV durch ein Jobticket, die Schulung des Lehrpersonals oder Hausmeister zur weiteren Energieeinsparung sowie zusätzliche bauliche Maßnahmen an den Schulen zur Verringerung des Wärmebedarfs.

"Konkrete Einsparungen gibt es im Parkbad, in dem die Wassertemperatur um ein Grad von 24 auf 23 Grad Celsius reduziert wird", teilt der Sprecher der Stadt Limburg , Johannes Laubach, mit. "Weitere Energieeinsparungen sind vorgesehen in der Bewirtschaftung der städtischen Liegenschaften. Laubach verweist zudem auf den Bereich Mobilität. Dabei habe die Stadt bereits eine Wende zu verstärkter E-Mobilität eingeleitet, die allerdings vor allem getrieben gewesen sei durch die hohe Luftschadstoffbelastung in der Innenstadt. "In diesem Zusammenhang verweise ich auch darauf, dass die Stadt mit Hilfe von Fördermitteln zwei weitere Lastenräder und acht Pedelecs für den Dienstbetrieb anschaffen will."

In der Stadt Hadamar etwa wurden rund 800 000 Euro in die Umrüstung der gesamten Straßenbeleuchtung auf LED-Technik investiert, sagt Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). Die Energieeinsparung betrage 77 Prozent, die jährliche Entlastung des Haushalts 70 000 Euro. Zudem sind das Rathaus der Stadt und die fünf Bürgerhäuser energetisch saniert, die Stadthalle und die Gebäude des städtischen Bauhofs mit einer PV-Anlage ausgestattet worden. Auch im Freibad soll Energie gespart werden, sagt Ruoff. "Die Erwärmung des Beckenwassers erfolgt ausschließlich mit einer Solar-Absorberanlage."

Das Vorgehen in der Gemeinde Dornburg ist ähnlich. Auch hier wurde die kommunale Beleuchtung "weitestgehend auf engergiesparende LED-Technik umgestellt", so Bürgermeister Andreas Höfner. (CDU). Die Heizungsanlagen in den öffentlichen Gebäuden wurden saniert, die Heiztechnik im Freibad soll auf eine Solar-Absorberanlage umgerüstet werden, um "im technisch möglichen Umfang auf das Heizen mit fossilen Brennstoffen zu verzichten".

In Elz sieht es ebenfalls ähnlich aus. Auch dort sind laut Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) bereits große Teile der Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt und es gibt eine neue thermische Solaranlage, um das Beckenwasser im Freibad zu heizen. "Wir haben darüber hinaus an alle Mitarbeiter appelliert sehr bewusst mit Energie umzugehen", so Kaiser. Darüber hinaus habe die Gemeinde eine CO2-Bilanz erstellen lassen und wolle daraus einen Aktionsplan ableiten, um weiter fossile Energie einzusparen.

Joachim Lehnert (parteilos), Bürgermeister von Elbtal , sagt: "Bislang haben wir keine Maßnahmen zur Energieeinsparung getroffen, da wir schon seit vielen Jahren stets auf Energieeffizienz geachtet haben. Aus diesem Grund ist derzeit kaum noch Einsparungspotenzial gegeben."

Auch in Bad Camberg ist Energiesparen schon länger Thema. So wird das Freibad in den letzten zwei Jahren vor der geplanten Sanierung nur noch mittels Sonnenenergie erwärmt, wie Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) berichtet. "Nach der Sanierung wird durch moderne Technik und gute Planung auch eine deutliche Reduzierung des Energieverbrauchs zu erwarten sein." Auch der größte Teil der städtischen Liegenschaften sei bereits auf LED-Lichttechnik nachgerüstet. "Als Klimakommune sehen wir uns da einer besonderen Erwartungshaltung gegenüber, die wir erfüllen möchten."

Hünfeldens Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos) nennt ebenfalls die bereits vor fünf Jahren komplett auf LED umgestellte Straßenbeleuchtung. Nun werde zusätzlich über Nacht eine Leistungsreduzierung der Beleuchtungsstärke um 50 Prozent sowie eine Änderung der An- und Ausschaltzeiten umgesetzt. Zudem würden einige öffentliche Gebäude wie Rathaus, Kita, Schwimmbad und Sportplatz mit Vereinsheim in Kirberg energetisch über eine Biogasanlage versorgt.

Durch die Errichtung von Windkraftanlagen mit kommunaler Beteiligung sei langfristig geplant, einen eigenen Bilanzstromkreis zu haben. "Schon jetzt könnten wir theoretisch fast doppelt so viele Haushalte, wie in der Gemeinde selbst vorhanden sind, versorgen", so Scheu-Menzer.

Auch Brechen gehört zum Netzwerk der Klimakommunen. "Dazu zählt selbstverständlich auch, die Energiekosten zu reduzieren", sagt Bürgermeister Frank Groos (parteilos), der ebenfalls auf die LED-Straßenbeleuchtung verweist. "Wir achten auch bei jeder Hochbaumaßnahme darauf, dass wir Vorgaben der Energieeinsparverordnung beachten, dass wir energiesparende Beleuchtung, Heizung oder Maßnahmen zur Dämmung umsetzen." Auch würden nach und nach PV-Anlagen auf gemeindeeigenen Dächern installiert.

"In Villmar gibt es einen Antrag der SPD-Fraktion, der sich mit dem Beitritt zu den Klimakommunen befasse", berichtet Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU). Anschließend könnten dann umfangreiche Energieeinsparungsmaßnahmen getroffen werden. Diese seien aber bislang noch nicht konkretisiert worden.

Der Marktflecken Weilmünster habe sich schon vor Jahren das Ziel gesetzt, seine Liegenschaften autark zu betreiben, sagt Bürgermeister Mario Koschel (CDU).. Weilmünster leiste auch mit Hilfe von sechs Windrädern seinen Teil zum Gelingen der Energiewende. Die Planungen für weitere acht Anlagen laufen. In gemeindeeigenen Gebäuden wurden zudem Baumaßnahmen wie Dämmarbeiten und der Austausch von Fenstern sowie Heizungen umgesetzt. Auch beim Neubau des Rathauses werde darauf geachtet, beim Neubau eines Feuerwehr-Gerätehauses sei eine PV-Anlage geplant. "Beim Thema Schwimmbäder in Wolfenhausen und Weilmünster werden wir uns dieses Jahr über einen etwas späteren Eröffnungstermin Gedanken machen, um die enormen Energiekosten der ersten Wochen etwas abzufangen.", so Koschel,

Auch in der Verbandsgemeinde Aar-Einrich ist das Thema nicht neu. "Energieeinsparung zählt schon lange zu den Schwerpunktaufgaben unseres Handelns", sagt Bürgermeister Harald GemEmer (parteilos). Als Beispiele nennt er die Sanierung der Verwaltungsgebäude in Katzenelnbogen und Hahnstätten. Die Kita Kördorf werde auf Pellet-Heizung umgestellt, in den Schulen wurden bereits die Fenster ausgetauscht. Schon seit einigen Jahren habe die VG in ihrem Eigenbetrieb zwei Nahwärmenetze in Katzenelnbogen und Hahnstätten, die mit Holzhackschnitzel betrieben werden, berichtet Gemmer. Schulen, Verwaltungen, Kitas, Stadthalle und Feuerwehrgerätehäuser würden so mit nachwachsenden, regionalen Energieträgern betrieben. "Wir stellen dort, wo es Sinn macht, um auf Pellets oder Hackschnitzel. Alle kommunalen Dächer wurden ebenfalls in diesem Betriebszweig mit PV-Anlagen bestückt. Auch angemietete Dächer haben wir bereits ausgerüstet." Derzeit beschäftige sich die VG mit dem Aufbau eines Klimaschutzmanagements. "Das wird sicherlich noch einen Schub in der Entwicklung bringen." Bei der Sanierung des Freibads Katzenelnbogen sei die Beheizung des Badewassers über eine Solaranlage verbessert worden. Eine zusätzliche Beheizung mit fossilen Energien finde nicht mehr statt, so der Bürgermeister.

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