Landrat Hermann Roth

Der „Nassauer Preuße“

Der bekannte Heimatforscher Dr. Hermann Josef Roth hat im Rathaus in Montabaur eine Studie über seinen Vater Heinrich Roth, den „Nassauer Preußen, Bürgermeister und Landrat“, vorgestellt.

Der ehemalige Bürgermeister von Montabaur und Landrat Heinrich Roth (1889-1955) stammte aus Holler im Westerwald und erlernte das Schriftsetzer-Handwerk. Über den Katholischen Volksverein gelangte er in die Politik. Bereits 1919 wurde er in den Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Wiesbaden und in den Landesausschuss gewählt. Im Ruhrkampf aus dem französisch besetzten Gebiet ausgewiesen, lebte er zeitweise in Hadamar im Exil.

Nach einer Wahlperiode als Abgeordneter im Deutschen Reichstag war er seit 1926 Bürgermeister von Montabaur und seit 1929 Landesvorsitzender der nassauischen Zentrumspartei. Als Sekretär unterstützte ihn Eduard Jäger, der spätere Landrat von Limburg.

Die Nazis setzten ihn ab

, inhaftierten ihn zunächst in Limburg, dann im Gestapo-Zuchthaus in Frankfurt, bis er 1945 in sein Amt zurückkehren konnte.

Parteikarrieren waren in jenen Zeiten eine kräftezehrende Angelegenheit. Der Erfolg eines Politikers maß sich an dem, was er spürbar zum Nutzen der Bevölkerung leistete. Bernd Schrupp vom Stadtarchiv Montabaur, der die Lebensbeschreibung von Heinrich Roth verfasst hat, bemerkt dazu: „Zur Lösung der existenziellen Probleme nutzte er Spielräume in Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien, die zwischen den Zeilen – sicher nicht für jedermann – vermeintlich zu lesen waren. Dabei geriet er nicht selten in persönlich kritische Situationen und Sanktionen, die sein unkonventionelles Handeln jedoch nicht hindern konnten.“ Als er der Bevölkerung eine höhere Quote an Kartoffeln, als die Besatzungsmacht erlaubte, zuteilen ließ, wurde Roth „strafversetzt“ nach St. Goar. Doch auch hier war er bald überaus populär. Die Pensionierung genoss er gerade mal drei Monate, als er plötzlich starb.

Die Stadt Montabaur nutzte die Buchpräsentation, um Dr. Hermann Josef Roth zur Vollendung des 80. Lebensjahres zu gratulieren. Als Publizist und Aktivist in Naturschutz und Denkmalpflege ist Roth weithin bekannt. Sowohl Theologe und auch Naturwissenschaftler, bearbeitet er ein ungewöhnlich breites Spektrum an Themen und genießt internationalen Ruf. Dennoch blieb er aufs engste der Heimat verbunden und gilt nach Meinung des Schriftstellers Josef Ortheil heute als „bester Kenner des Westerwaldes“.

Die Stadt bedachte bei der Feier auch zwei seiner Weggefährten: Hermann Josef Hucke aus Daubach und Dr. Meinhard Olbrich aus Nassau. Hucke ist bekannt durch den großen Westerwald-Führer, den er für den Westerwald-Verein erarbeitet hat und der bis heute ein Standardwerk für die ganz Region ist. Olbrich ist Vorsitzender des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung Nassau.

Dem von Nazis und Besatzern heimgesuchten Politiker und ebenso den drei Ehrenamtlichen erwiesen die ehemalige Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen Christine Lieberknecht und der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering in Festreden die Ehre.

Unter den Gästen sah man neben anderen die Abgeordneten Andreas Nick (CDU) und Tanja Machalet (SPD) sowie den Vorsitzenden der Historischen Kommission für Nassau Prof. Dr. Klaus Eiler vom Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden. Die Feier umrahmten musikalisch Carlotta Sophie Crone und Jana Moritz vom Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz in Montabaur.

Die Schrift „Heinrich Roth“

ist im Buchhandel oder im Stadtarchiv Montabaur für zwölf Euro erhältlich.

(red)

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