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Der Löschteich in Obertiefenbach ist ein Relikt aus Zeiten, als es noch keine zentrale Wasserversorgung in der Gemeinde gab. Im Falle eines Brandes diente er der Feuerwehr als Löschwasserreserve. Heute sind Löschteiche in der Regel nicht mehr notwendig.

Fast 400 000 Euro Zuschüsse

Die Gemeinde Beselich baut die ehemaligen Feuerlöschteiche zurück

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Die Gemeinde Beselich will zwei ihrer Gewässer teilweise wieder in ihren natürlichen Zustand zurückversetzen: Die vor Jahrzehnten errichteten sogenannten Feuerlöschteiche in den Ortsteilen Schupbach und Obertiefenbach werden in diesem Sommer beseitigt. Der Brandbach und der Tiefenbach sollen dort wieder frei fließen können.

Schupbach/Obertiefenbach - Die ehemaligen Feuerlöschteiche in Obertiefenbach und Schupbach sollen in diesem Jahr zurückgebaut und renaturiert werden. Dafür erhält die Gemeinde fast 400 000 Euro Zuschüsse, teilte Bürgermeister Michael Franz (parteilos) mit. Voraussichtlich im Sommer sollen die Arbeiten beginnen.

In Schupbach ist laut Franz und Bauamtsleiter Andreas Ott geplant, das Wehr vor dem ehemaligen Brandweiher und den darunter liegenden Löschteich zu entfernen und wieder in seinen früheren Zustand zu versetzen. Der Bach, der sich zurzeit noch mit zwei Metern Gefälle in den Teich ergießt, soll verlegt und parallel über das ehemalige „Schwimmbad“ geführt werden. Das Gefälle werde deutlich verringert, weil der Bach mit Mäandern versehen und damit verlängert wird. Der stillgelegte Löschteich dient künftig noch als Hochwasserüberlauf.

Punkte fürs Öko-Konto

Die Gesamtkosten für diese Maßnahme betragen laut Bürgermeister Franz rund 300 000 Euro, dafür gibt es aus Mitteln von EU, Bund und Land Hessen einen Zuschuss von knapp 234 000 Euro; dies seien 90 Prozent der als förderfähig anerkannten Kosten von rund 260 000 Euro, so der Verwaltungschef. Außerdem darf sich die Gemeinde nach Abschluss der Maßnahme für ihren Eigenanteil zusätzliche Punkte auf ihrem Öko-Konto gutschreiben, was ebenfalls bares Geld wert sei. „Damit liegen wir bei fast 100 Prozent Zuschuss zu den förderfähigen Kosten“, freut sich Franz, der darauf hinweist, dass die Gemeinde Beselich bei der Gewässer-Renaturierung führend im Landkreis Limburg-Weilburg sei.

Einen weiteren Zuschuss in Höhe von 148 000 Euro erhält die Gemeinde für den Rückbau des alten Löschteichs in der Ortsmitte von Obertiefenbach. Die Renaturierung dieses Abschnitts des Tiefenbachs lässt sich die Gemeinde Beselich laut Planung voraussichtlich fast 166 000 Euro Kosten. Wie hoch die Ausgaben letztendlich sein werden, hängt aber vom Ausschreibungsergebnis ab. Die Bürger sollen vor Baubeginn über den Ablauf der Arbeiten informiert werden, weil es möglicherweise zu punktuellen Straßensperrungen kommen könnte, so Franz.

Ziel der Maßnahme ist es laut Ott, den Tiefenbach möglichst naturnah wieder herzustellen und damit – ebenso wie in Schupbach – ein Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen. Dazu soll das derzeitige Becken teilweise mit Erde verfüllt, abgeböscht und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt werden. Die derzeitige Stauvorrichtung am Unterlauf des Teiches wird beseitigt, so dass der Bach wieder frei fließen kann. Der vor mehr als 50 Jahren angelegte alte Löschteich verschwindet damit vollständig aus dem Ortsbild.

Die Durchlässigkeit des Tiefenbachs, der in Obertiefenbach in weiten Teilen verrohrt ist, soll zu einer biologischen Belebung führen. Derzeit sei der Löschteich ein nahezu totes Gewässer, so Franz, da es vor allem an heißen Sommertagen an genügend Sauerstoff fehle.

Pläne für Heckholzhausen

Ein drittes Renaturierungsprojekt hat die Gemeinde in Heckholzhausen ins Auge gefasst. Dort ist geplant, eine bestehende Einfassung des Kerkerbachs mit Wasserbausteinen zu beseitigen. Allerdings befinden sich die Planungen für diese Maßnahme noch in den Anfängen, und auch ein Förderantrag ist nach Angaben von Franz und Ott noch nicht gestellt. Ziel sei es, dieses Vorhaben in rund zwei Jahren zu verwirklichen.

Obwohl es sich bei den Gewässer-Renaturierungen laut Franz um freiwillige Leistungen und keine Pflichtaufgaben der Gemeinde handelt, sind sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes sinnvoll, sondern auch finanziell attraktiv. Denn es sei fraglich, ob es auch in Zukunft hohe Zuschüsse geben wird, wenn solche Maßnahmen für alle Gemeinden verpflichtend sein werden. Dass es irgendwann dazu kommen wird, davon ist Franz überzeugt.

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