Streit um Dorfplatz-Grün

Naturschützer Fritz Kohl kritisiert Beseitigung von Rotdornbäumen

  • VonRobin Klöppel
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Säuleneichen statt Rotdornbäume – für den Niedertiefenbacher Naturschützer Fritz Kohl ein Unding. Mit deutlichen Worten kritisiert der ehemalige CDU-Gemeindevertreter die Neubepflanzung des Niedertiefenbacher Dorfplatzes „Eiergarten“. Bürgermeister Michael Franz hingegen kann kein Versäumnis der Gemeindeverwaltung erkennen.

Die Gestaltung des Dorfplatzes „Eiergarten“ in Niedertiefenbach hat hinter den Kulissen für einigen Wirbel gesorgt. Hans-Josef Keul hatte sein Amt als Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins hingeworfen, weil er sich bei der Gestaltungsplanung von Bürgermeister Michael Franz (parteilos) übergangen fühlte. Nun ist auch der frühere CDU-Gemeindevertreter und stellvertretende Kreissprecher der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Fritz Kohl, sauer.

Gärtner ohne Ahnung

Kohl hatte die Bäume auf dem Platz jahrelang gepflegt. Vor allem der Rotdorn auf dem Platz hatte ihm immer gut gefallen. 2001 wurde er auf seine Initiative angepflanzt. Gerade schmücke er wieder mit seiner Blütenpracht den Eiergarten, berichtet er. Als es irgendwann Lücken auf dem Platz gab, pflanzte die Baumschule sechs neue Rotdornsetzlinge nach. So weit, so gut. Bis der Bürgermeister nach Angaben Kohls die Anweisung gegeben habe, den neuen Rotdorn wieder auszugraben und an dessen Stelle sechs Säuleneichen zu setzen. Für Kohl unbegreiflich.

„Leider beeinträchtigen, ja stören diese den Eindruck des Platzes durch ihren eigenartigen Wuchs und ihr unangepasstes Aussehen“, schimpft Kohl: „Manch einer fragt sich, was das Rathaus sich wohl dabei gedacht hat.“ Der Naturschützer kritisiert, dass die Säuleneichen das Laub erst im Frühjahr abwerfen und dies kein schöner Anblick sei. Kohl hat eine Vermutung, warum die Anweisung des Baumaustauschs gekommen sei. Er denkt, dass die gemeindlichen Gärtner, so jedenfalls seine Erfahrung, wenig Ahnung von Baumschnitt hätten. Und wenn man Rotdorn nicht richtig pflege, blühe er nicht, weiß Fritz Kohl. Er habe der Gemeinde ja sogar angeboten, den Gemeindegärtnern mit Rat und Tat bei der Baumpflege zur Seite zu stehen. Doch dann sei ihm zu Ohren gekommen, dass der Bürgermeister angeblich plante, auch noch die alten Rotdornbüsche entfernen zu lassen und ebenfalls durch Säuleneichen zu ersetzen. Da platzte dem Niedertiefenbacher endgültig der Kragen. Er sammelte Unterschriften bei den CDU-Mitgliedern, um das komplette Verschwinden des Rotdorns vom „Eiergarten“ zu verhindern. Alle bis auf einen hätten unterschrieben, sagt Kohl.

„Franz wurde nervös“

Da sei Franz nervös geworden, weil er die CDU als Unterstützer brauche und sei umgeschwenkt. Fritz Kohl ist froh, dass der Beselicher Verwaltungschef wenigstens dem Kompromiss zugestimmt hat, die bestehenden Rotdornbäume zu erhalten und nicht den kompletten „Eiergarten“ mit Säuleneichen zuzupflanzen. Er habe diesem Vorschlag dann zähneknirschend zugestimmt, sagt aber, dass das Thema neu aufgerollt werden könne, wenn Michael Franz mal nicht mehr Bürgermeister sei.

Franz streitet Fritz Kohls Darstellung ab. „Das sind Einzelstimmen“, sagt der Bürgermeister zu den Kritikern: „Leute, die sich scheinbar gerne in der Öffentlichkeit darstellen“. Die Mitarbeiter, die in der Gemeinde die Bäume pflegten, hätten sehr wohl hohe Kompetenz in ihrem Fach. Franz vermutet, dass einige Personen im Ort beleidigt sind, weil sie, seitdem er Bürgermeister ist, nicht mehr auf dem Platz alleine schalten und walten könnten wie früher. Aber die Gemeinde sei Hausherr auf dem Platz, sie bestimme, und die Planungen des „Eiergartens“ habe ein Großteil der örtlichen Gruppen so unterstützt.

Franz erklärte, er habe nie geplant, sämtliche Rotdorne entfernen zu lassen, auch wenn die Säuleneichen einfacher zu pflegen seien. Folglich habe Fritz Kohl durch seine Unterschriftensammlung auch nichts erreicht.

Zur Aussage über die Abstimmung mit den Vereinen meint Kohl, dass Vereinen wie dem VfR verständlicherweise egal sei, was auf dem Platz gepflanzt werde, da Baumarten nicht ihr Thema seien. Der Heimat- und Verschönerungsverein sowie die HGON hingegen hätten sich klar dagegen gestellt.

Einer der Kritiker an der Art der Platzgestaltung ist der Ehrenvorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins, Norbert Bandur. Er ist erleichtert, dass der alte Brunnen im „Eiergarten“ auf seinen Hinweis hin mit einem Schutz umhüllt worden sei, damit er nicht durch Baumwurzeln eingedrückt werde. Dennoch findet der Gemeindevertreter der Bürgerliste die von Franz gewünschte Kastanie mitten auf dem Platz als sehr störend. Bandur spricht von einem zeitraubenden Hickhack um die Platzgestaltung, die dazu geführt habe, dass die Maßnahme immer noch nicht abgeschlossen sei. Bandur ist enttäuscht von „teilweise unprofessionell umgesetzten Einzellösungen“ bei der Platzgestaltung. Hier fehle der rote Faden.

„Ein Mischwald“

René Keul, neuer Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins, meint: „Es wäre schön, wenn der Eiergarten nach acht Jahren endlich mal fertig würde.“ Keuls Meinung zu den Planungen: „Ist halt jetzt ein Mischwald verschiedenster Bäume und in meinen Augen nicht das mögliche Optimum, sondern die günstigste Lösung für die nächsten 50 Jahre.“

Franz sagt, dass gerade noch Arbeiten am Pavillon auf dem Platz liefen. Viele Bürger hätten die Gemeinde für die beleuchteten Treppenstufen auf dem Platz sowie das Geländer zum Pfarrheim gelobt, aber auch dafür, dass der Platz künftig autofrei bleibe. „Ich kann jetzt noch nicht sagen, wann die Einweihung stattfindet, aber vor den Sommerferien wird es nichts mehr“, bedauert Michael Franz. Dann werde der Platz den Bürgern bei einer offiziellen Einweihung mit Kaffee und Kuchen sowie Auftritten der Ortsvereine vorgestellt.

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