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Obwohl das Ständerwerk der Innenwände noch offen ist, können sich Eltern schon gut vorstellen, wie der neue Waldorf-Kindergarten am Friedhofsweg schon bald aussehen wird.

Waldorf-Kindergarten

Das Nest ist im Frühsommer fertig

Bis zum Frühsommer sollen die Bauarbeiten für den neuen Kindergarten „Zipfelmütze“ abgeschlossen sein. Der Rohbau stand zwar schon kurz vor Weihnachten, die Zimmerleute hatten in nur vier Tagen den Dachstuhl errichtet. Aber damit alle Beteiligten beim Richtfest dabei sei können, wurde das Dankeschön-Fest für die fleißigen Handwerker auf den vergangenen Samstag verlegt.

Sichtlich stolz führten Tanja Horn und Silvia Dampmann vom Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik in Limburg, dem Träger des Kindergartens „Zipfelmütze“, die Gäste beim Richtfest durch das Erdgeschoss. Zwei große Gruppenräume von je 55 Quadratmetern mit Dachfenstern bilden das Zentrum des halbrund angelegten Gebäudes am Friedhofsweg. Am Rand befinden sich Ruheräume für die Kinder, Umkleiden, Wickelräume, Sanitärbereiche, eine geräumige Küche und das Büro für die Verwaltung. Im Obergeschoss – das aus Sicherheitsgründen beim Richtfest nicht zugänglich war – entsteht ein großer Mehrzweckraum und der Aufenthaltsbereich für die Erzieherinnen. Im Sinne der Waldorf-Pädagogik sind die Räume nicht rechteckig, sondern jeder hat seine individuelle Form. Die Farbgebung richtet sich nach dem Konzept der Waldorf-Pädagogik und wird auf die Entwicklungsphasen der Kinder abgestimmt.

Auch wenn von den Innenwänden beim Richtfest nur die tragende Holzkonstruktion zu sehen war, konnten sich Kinder, Eltern und Erzieherinnen ihr neues Domizil schon gut vorstellen. „Wir verwenden nur vollständig recyclingfähige Baustoffe“, sagte der leitende Bauingenieur Dietmar Wagner aus Schöffengrund. Es sei auch besonderer Wert darauf gelegt worden, dass heimische Materialien zum Einsatz kommen. So ist das verbaute Fichtenholz durchweg in deutschen Wäldern gewachsen, und der für die Dämmung verwendete Hanf stammt aus der Uckermark. Auch die ausführenden Betriebe kämen aus der Region – wenn auch nicht direkt aus Limburg. „Mir war es wichtig, mit Firmen zu arbeiten, die Erfahrung mit den Baustoffen haben und mit denen ich bereits eine vertrauensvolle Basis schaffen konnte“, sagte Wagner, der mit seinem Büro für Planung, Bauüberwachung, Statik, Wärme-, Schall- und Brandschutz zuständig ist.

An der Idee für die Gestaltung des neuen Kindergartens hat auch Volker Eckhard aus Butzbach mitgewirkt. „Wir wollten mit der mehrstufigen, halbrunden Architektur ein Haus im Nest-Charakter schaffen mit den Kindern im Mittelpunkt“, erklärte er. Das Gebäude würde schon von sich aus ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln, das durch ein begrüntes Flachdach und die zum Teil runden Fenster und Türen unterstrichen wird.

„Für ein bestmögliches Raumklima wird das mit Dielen beplankte Holztragewerk der Wände mit feuchtigkeitsregulierendem Lehm verputzt“, erklärte Monika Wagner als Spezialistin für ökologische Baustoffe. Das verwendete Dämmmaterial Hanf verfüge über optimale Eigenschaften für die Schall- und Wärme-Isolierung und ist darüber hinaus für Schädlinge wie Mäuse uninteressant. Auch für die finale Innenraumgestaltung kommen nur Naturfarben zum Einsatz. Eine Pellet-Anlage mit Decken- und Wandheizung wird für die Wärme sorgen.

Die Nutzfläche des neuen Kindergartens inklusive Keller beläuft sich auf etwa 480 Quadratmeter. Mit 1,3 Millionen Euro sind die Baukosten veranschlagt. „Und dieses Budget können wir mit Sicherheit auch einhalten“, sagte Wagner.

Bevor sich die Richtfest-Gäste mit Sekt und Häppchen stärkten, schmückte Zimmermann-Meister Sven Metzler (28) zusammen mit Tanja Horn und Silvia Dampmann den Richtkranz. Die bunten, von den Kindern mitgestalteten Bänder enthielten Segenswünsche und ganz viel Dankeschön: an Mutter Erde, die das neue Haus trägt; an Pädagogen, die hier künftig die Kinder ins Leben begleiten werden; an engagierte Eltern, Handwerker, Gäste und nicht zuletzt an die Stadt, die den Neubau unterstützt. Wie es sich für ein Richtfest gehört, klettere der Zimmermann aufs Dach, wünschte dem Haus in Reimform viel Glück, leerte sein Glas und schmetterte es zu Boden.

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