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Die Bürgerinitiative machte den Stadtverordneten klar: Die Platanen sollen bleiben. Bürgermeister Dr. Marius Hahn (rechts) hörte zu.

Stadtparlament

Neumarkt Limburg: Bürgerinitiative protestiert für Erhalt der Platanen

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Ob die Limburger Neumarkt-Platanen ersetzt werden, ist noch offen. Doch allein die Überlegungen dazu sorgen bereits für Proteste. Das Stadtparlament befasste sich am Montagabend aber nur mit der Frage, ob ein Antrag zu den Platanen noch auf die Tagesordnung kommt.

Limburg - 80 Aktive der Bürgerinitiative "Laudato Si" haben am Montagabend vor der Stadtverordnetensitzung am Limburger Rathaus gegen die drohende Fällung von 20 Platanen auf dem Limburger Neumarkt protestiert. Die breite Mehrheit der Stadtverordneten sah aber die Dringlichkeit des Themas später nicht gegeben und lehnte einen entsprechenden Antrag der Grünen ab. Dieser wurde nur noch durch den fraktionslosen Meysam Ehtemai unterstützt und verfehlte somit die für die nachträgliche Aufnahme auf die Tagesordnung notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit deutlich.

Im Grünen-Beschlussvorschlag - vertagt auf kommende Sitzung - heißt es: "Der Magistrat wird aufgefordert, die Platanen auf dem Neumarkt selbst auch im Falle einer Neugestaltung des selbigen zu erhalten." Darüber hinaus wird der Magistrat aufgefordert, die Bäume künftig anders zu beschneiden, um ihre Funktion als Schattenspender und Luftreiniger wieder erfüllen zu können. Grünen-Fraktionssprecher Dr. Sebastian Schaub begründete die seiner Meinung nach gegebene Dringlichkeit: "Durch einen einfachen Beschluss im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr ist dem Magistrat die Erlaubnis erteilt worden, die Bäume auf dem Neumarkt zu entfernen."

Bäume sind gesund

Das sei eine unumkehrbare Entscheidung, die nach Auffassung der Grünen-Fraktion nur im Stadtparlament gefällt werden könne. Die bisherige Beschlusslage dort habe immer einen Erhalt der Bäume vorgesehen. Schaub sagte, die 40 Jahre alten Platanen auf dem Neumarkt seien gesund. Wenn man sie nicht übermäßig zurückschneide, spendeten sie Schatten, kühlten und erneuerten die Luft in der Stadtmitte. Sein Fazit: "Es gibt keinen rationalen Grund, sie durch kleine, neue Bäume zu ersetzen, die diese Funktionen über Jahrzehnte nicht in diesem Maße erfüllen könnten."

SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Rompf ergriff für die Antragsgegner das Wort. Der Beschluss des Ausschusses sei keine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Platanen, begründete er sein Nein zur Dringlichkeit. Rompf meinte, den Platanen-Befürwortern sollte es ausreichen, wenn der Magistrat zusage, nichts an den Platanen zu machen, solange kein endgültiges neues Konzept für den Neumarkt beschlossen sei. Es sei aber trotzdem wichtig und richtig, dass im Stadtentwicklungsausschuss und im Stadtparlament noch einmal neu über das Thema Erhalt der Platanen diskutiert wird.

Viele Vorteile

CDU, SPD und Linke hielten eine Neumarkt-Zukunft ohne die Platanen und dafür neuen Bäumen in der jüngsten Ausschusssitzung für gut denkbar. Der Sprecher der Bürgerinitiative, Leo Vanecek, kritisierte dagegen: "Es ist sehr bedauerlich, dass die Stadtverordneten einen Baum offenbar lediglich als ein Stück Holz sehen." Limburg sei in Hessen eine der Städte mit der stärksten Luftverschmutzung. Bäume spendeten Schatten und sorgten für angenehmes Mikroklima. "Ein mittelgroßer Baum produziert pro Jahr 4,6 Tonnen Sauerstoff und verarbeitet 6,3 Tonnen Kohlendioxid", sagte Vanecek. Ein gesunder Baum filtere eine Tonne Staub und Gift pro Jahr. Ein Baum sei Temperaturpuffer, Klimaregler und mindere Lärm. Er biete Schutz vor Sonne, Wind und Regen. Sein Grün sei ein angenehmer Farbtupfer in der eintönigen Struktur einer Stadtlandschaft.

Leo Vanecek bekam von seinen Mitstreitern großen Beifall dafür, als er der Stadt und ihren Mandatsträger eine verantwortungslose Politik vorwarf. Er sagte, man hätte den Planern als klare Maßgabe mitgeben müssen, dass der Erhalt der Bäume oberste Priorität habe. Von den wenigen mithörenden Stadtverordneten ergriff Jochem Holzhäuser (SPD) das Wort. Es sei nicht wahr, dass sich Limburg von allem Stadtgrün verabschiede. Beispielsweise seien erst auf dem Schafsberg Hunderte neue Bäume gepflanzt worden. Beim Neumarkt sei es so, dass durch die Tiefbauarbeiten die Wurzeln der Platanen erheblich beschädigt würden. Diese würden wahrscheinlich nur noch 15 Jahre halten. Daher hätten sich die Stadtverordneten Gedanken über eine Neuanpflanzung gemacht.

Mit Ring sichern

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) sagte, dass er sich extra noch einmal bei Fachleuten erkundigt habe und neue Platanen für eine bessere Klimabilanz als der Erhalt der alten sorgen würden. Erboste Bürger entgegneten, in anderen Städten gebe es viel mehr Grün auf Plätzen. Hahn erwiderte, dann seien aber weder der Wochenmarkt noch andere Veranstaltungen künftig auf dem Neumarkt möglich. "Die brauchen wir auch nicht", bekam er von einer wütenden Frau zu hören. Vanecek sagte, dass einige Argumente nur vorgeschoben seien. In Ungarn habe er schon 200 Jahre alte, gesunde Platanen gesehen. Man könne sie mit einem Baumring sichern, um Beschädigungen bei den Bauarbeiten auf dem Neumarkt" zu vermeiden.

Auf NNP-Anfrage widersprach Hahn gestern noch einmal Vanecek. So werde nicht seit Jahren konsequent auf die Beseitigung der Platanen hingearbeitet, sondern der Baumschnitt sei 1995 eingeführt worden, um die Sichtachse in der Mitte des Platzes zur Altstadt aufrechtzuerhalten und den Abstand zu den Häusern zu wahren. Seit 2002 gebe es alle zwei Jahre den sogenannten Schnitt auf Kopf. "Die Haare aus den Früchten der Platanen, die Herbst und Winter am Baum überdauern, können allergische Reaktionen bei Menschen hervorrufen. Zudem gab es massiv Klagen von Beschickern des Wochenmarkts und deren Kunden bezüglich der in den Bäumen nistenden Saatkrähen und deren Kot."

Keineswegs geht es aktuell darum, einen baumfreien Neumarkt zu gestalten, betonte Hahn. Einen Austausch oder Neuanpflanzungen von Bäumen habe es in der Geschichte des Platzes, den es etwa seit 1850 gibt, immer wieder gegeben. Die heute dort stehenden Platanen stammten aus den 1970er Jahren.

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