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Mathilda (links) und ihre kleine Schwester Paula verbringen Weihnachten dieses Jahr in den Vereinigten Staaten. Hund Apple musste allerdings daheim bleiben. 

„Das macht mich sprachlos“

6-Jährige kämpft an Weihnachten in New York gegen den Krebs

Während andere jetzt Weihnachten feiern, kämpft die sechsjährige Mathilda aus Hintermeilingen (Kreis Limburg-Weilburg) in New York gegen den Krebs.

Hintermeilingen/New York - Wenn sich die Menschen auf den Heiligen Abend einstimmen, wenn sie sich für den Kirchbesuch anziehen oder die Kerzen am Christbaum anzünden, dann ist die kleine Mathilda aus Hintermeilingen im Krankenhaus. Im Krankenhaus in New York, über 6.000 Kilometer und sechs Stunden Zeitverschiebung von daheim entfernt. Die Sechsjährige soll an diesem Morgen in der US-Metropole ihre erste Krebs-Impfung bekommen. „Vielleicht ist das ja ein ganz, ganz gutes Zeichen“, sagt Rebecca Schmidt, Mathildas Mutter. Positiv bleiben, nicht zu viel an zu Hause denken.

Zu Hause, da ist die Familie, die immer an Heiligabend gemeinsam in die Kirche geht, da ist die Oma in Winkels, die immer für alle an Heiligabend Lende mit Spätzle und Feldsalat kocht. 2017 hat sie das Essen sogar auf die Kinderkrebsstation nach Gießen gebracht. Was es heute Abend bei den Schmidts in New York zu essen gibt, ist noch ungewiss. Die vier wohnen in einem kleinen Hotelzimmer, mit nur einem Bett, ohne Tannenbaum, ohne Küche. „Mein Mann sagt: ,Es kommt, wie es kommt, behalt' die Nerven'“, sagt Rebecca Schmidt. Schwierig für jemanden, der gerne Ordnung im Leben hat.

Mathildas größte Angst ist gerade, dass das Christkind sie in New York vielleicht nicht finden könnte. Deshalb hat sie ihm am Wochenende noch schnell einen Brief geschrieben - sicher ist sicher. Ihre Mutter Rebecca verrät: Auch wenn im Koffer nicht mehr viel Platz war, sind zwei Figuren mit englischen Liedern für die geliebte Toniebox und je ein Ballett-Outfit für Mathilda und ihre kleine Schwester Paula über den Atlantik geflogen. Darüber hinaus schenkt sich die Familie in diesem Jahr vor allem eines: „We-Time“. „Wir haben gelernt, dass gemeinsame Zeit, schöne Momente und Erinnerungen das Wichtigste sind, was man haben kann“, sagt Mathildas Mutter. „Und unser schönstes Geschenk ist, dass die Therapie bis jetzt erfolgreich war.“

Die Geschichte der Sechsjährigen aus dem Waldbrunner Ortsteil hat die Menschen in der Region in den vergangenen Monaten wie kaum eine andere bewegt. Heute vor genau einem Jahr gilt die Krebstherapie des kleinen Mädchens als abgeschlossen, es sind keine Tumorzellen mehr nachweisbar. Doch nur einen Monat später der Schock: Das Neuroblastom ist wieder da und die Behandlungsmöglichkeiten in Deutschland sind nahezu ausgereizt. Eine spezielle Antikörpertherapie im Ausland soll Mathildas Leben retten, doch die kostet viel Geld. Mathildas Familie bittet um Spenden - und wird von einer riesigen Welle der Hilfsbereitschaft überrollt.

Bereits Ende Juni können die Schmidts die Therapie gegen Krebs in Spanien beginnen.* Seit dieser Woche ist die komplette Familie für den hoffentlich letzten Teil der Behandlung in New York: die Impfung gegen Mathildas Krebs. „Der Arzt in New York hat uns erklärt, dass der erste Therapieteil in Barcelona eine passive Immuntherapie gewesen ist. Der Körper hat Infusionen bekommen, auf die er reagiert hat. Jetzt ist es so, dass der Körper auf sich alleine gestellt ist, und nun muss das Immunsystem durch den Impfstoff aktiv zeigen, dass es das schafft“, erzählt Rebecca Schmidt.

Am Dienstag (24.12.2019) bekommt Mathilda am Vormittag New Yorker Zeit die erste Spritze. Dann muss die Familie zwischen drei und fünf Stunden im Krankenhaus und für die nächsten 24 Stunden in der Umgebung bleiben, um bei Komplikationen schnell wieder da zu sein. Wenn alles gut geht, wollen die Schmidts am Nachmittag des 25. Dezember zu Freunden in der Nähe von Washington reisen. Der Enge des Hotelzimmers und der Hektik der Millionenstadt entfliehen - und endlich doch noch ein bisschen Weihnachten feiern.

In der kommenden Woche müssen Mathilda und ihre Familie für die nächste Spritze wieder in New York sein. Sie werden den Jahreswechsel irgendwo im Big Apple feiern. Und sie werden Bilanz ziehen. Von einem Jahr, das so schlecht angefangen hat. Das Tiefen hatte, aber auch viele Höhen. „Was wir als Familie in diesem Jahr auf die Beine gestellt haben, was Mathilda ausgehalten hat, aber auch welche Nächstenliebe wir in diesem Jahr erfahren haben, das macht mich sprachlos“, sagt Rebecca Schmidt. „Ohne eine ganze Region, die zum ,Team Mathilda' geworden ist, hätten wir das nicht geschafft.“

Auch in Frankfurt muss eine Frau dem Krebs gleich zweimal gegenübertreten. Dabei hat ihr vor allem ein bestimmter Arzt geholfen.

Von Eva Jung

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