Auf den Stufen des Rathauses stellten sich zum Erinnerungsfoto: (von links) Armin Bendel, Harald Gemmer, Sven Hofmann, Karl Werner Jüngst und Frank Puchtler.
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Auf den Stufen des Rathauses stellten sich zum Erinnerungsfoto: (von links) Armin Bendel, Harald Gemmer, Sven Hofmann, Karl Werner Jüngst und Frank Puchtler.

"Wir wollen 2020 etwas verändern"

Beim Neujahrsempfang blickt Oberbürgermeister Armin Bendel voraus

Beim Neujahrsempfang gestern in Niederneisen hat der neue Ortsbürgermeister Armin Bendel die Frage gestellt, warum die Menschen sich ständig nach Veränderungen sehnen.

Niederneisen - Im Rathaussaal der Aar-Gemeinde war vieles wie immer. Es war voll und teilweise sehr beengt, weil auch in diesem Jahr alle geladenen Personen der Einladung des Ortsbürgermeisters gerne gefolgt waren - so wie sie es drei Jahrzehnte lang gemacht haben. Und doch war einiges anders. Altbürgermeister Karl Werner Jüngst, der diese Veranstaltung 1991 ins Leben gerufen hatte, saß erstmals mitten unter den Bürgern und lauschte den Worten seines Nachfolgers. Zweite Neuerung: Es gab kein gezapftes Bier mehr, sondern Kaffee.

Und drittens verkündete der neue Ortschef, dass es in diesem Jahr keine Ehrungen verdienter Persönlichkeiten aus dem Ort geben würde. Bisher wurden während des Empfangs immer Menschen gewürdigt, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement und ihrem persönlichen Einsatz helfen, dass die Gemeinde Kosten spart und gewisse Standards aufrecht erhalten kann, damit Niederneisen auch künftig eine lebens- und liebenswerte Gemeinde bleibt. Bendel kündigte aber an, dass im Laufe dieses Jahres ein neues Reglement für die Ehrungen erarbeitet werden soll, so dass die Gemeinde 2021 die Tradition der Ehrungen wieder aufnehmen könne.

Ehrengäste: Puchtler, Gemmer und Satony

Der Ortsbürgermeister begrüßte zunächst eine Reihe von Ehrengästen: Landrat Frank Puchtler (SPD), den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Aar-Einrich Harald Gemmer (FWG) sowie den ehemaligen Bürgermeister der VG Hahnstätten Volker Satony. Auch die Vertreter zahlreicher Ortsvereine, der Gemeindegremien, der Schule und der Kita, sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens hieß Bendel willkommen. "Warum sehnen wir uns immer nach dem, was gerade nicht ist?" Armin Bendel formulierte diese Frage vor dem Hintergrund, dass zum Beispiel die Sehnsucht bei einem Urlaubsantritt immer riesig sei - weg, raus aus dem Alltag, Neues erleben. Zum Urlaubsende sei es genau umgekehrt: Endlich wieder heim, zu den vertrauten Menschen, zur gewohnten Arbeit. Ein ständiges Streben nach dem Idealfall. Im Grunde könne man doch zufrieden sein, mit dem was gerade ist.

Beim Blick zurück in das Jahr 2019 streifte das Ortsoberhaupt die Themenbereiche des Klimaproblems, kritisierte den Umgang vieler Menschen in der Gesellschaft untereinander und prangerte das "eigenartige Verständnis von Meinungsäußerung" bei der AfD an. Den Brexit der Engländer bezeichnete Bendel als eine Entscheidung, die auf Lügen und Halbwahrheiten aufgebaut sei - gesteuert durch Populismus und Nationalismus. Bendel wörtlich: "Die Zündschnur an dem Haus Europa wird derzeit gelegt. Nur wir entscheiden, ob wir diese auch anzünden. Wenn wir aus der Geschichte gelernt haben, darf der Nationalismus keine Chance haben."

Auf Großteil der Kosten sitzen gelassen

Beim Blick auf die Gemeinde erinnerte der Bürgermeister an das 20-jährige Bestehen des Dorftreffs sowie an das Jugendfeuerwehrzeltlager, an dem im Juni über 1000 Kinder und Jugendliche teilnahmen. Er erinnerte an die Sanierungsphase an der B 54 sowie an die Fusion der beiden Verbandsgemeinden Hahnstätten und Katzenelnbogen zum 1. Juli zur neuen VG Aar-Einrich. Und selbstverständlich an eine weitere Veränderung: den Wechsel an der Spitze seiner Heimatgemeinde. Beim Thema "Anbau Kindergarten" - die Gemeinde erweitert die Kita um eine vierte Gruppe - stellte Bendel fest, dass die Gemeinde den gesetzlichen Anforderungen Rechnung trage. Die Kosten belaufen sich auf rund eine Million Euro. Dazu Bendel: "Seitens der Politik ist es ja gut und schön, neue Standards festzulegen und neue Begehrlichkeiten zu wecken, aber nicht, die Gemeinde auf dem Großteil der Kosten von etwa 800 000 Euro sitzen zu lassen."

Für 2020 steht der Bau einer neuen "Grillhütte im Stau" sowie die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED auf der Agenda. Zudem möchte der Gemeinderat das Dorferneuerungskonzept überarbeiten. Bendel abschließend: "Wir legen derzeit die Grundlagen für unsere zukünftige Arbeit. Wir stellen dabei fest, dass nicht alles von heute auf morgen geht. Wir wollen aber etwas verändern."

Zum Abschluss hatte Landrat Frank Puchtler eine Überraschung nach Niederneisen gebracht. Er überreichte Sven Hofmann das "Goldene Feuerwehrehrenabzeichen" für 35 Jahre aktiven Dienst bei den Blauröcken.

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